Olympische Spiele 2032 in Brisbane

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Zwei Tage vor dem offiziellen Start der um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele von Tokio 2020 kennt die Welt den Gastgeber in elf Jahren. Im Rahmen der in Tokio abgehaltenen, 138. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) haben die IOC-Mitglieder mit ihrem Stimmrecht entscheiden, dass die Olympischen Spiele 2032 in der australischen Millionenstadt Brisbane über die Bühne gehen werden. Das größte Sportereignis der Welt findet damit nach 1956 (Melbourne) und 2000 (Sydney) zum dritten Mal auf dem fünften Kontinent statt, zum vierten Mal in der südlichen Hemisphäre. Brisbane feierte in einem diskussionswürdigen Entscheidungsprozess, der bei den unterlegenen Bewerbern Missstimmung provozierte, einen klaren Favoritensieg.

Ein sicherer Deal

Abgestimmt über den „unwiderstehlichen“ Gastgeber (IOC-Präsident Thomas Bach) wurde nämlich nicht in einem fairen Bewerbungsprozess, der freilich einen Haufen Geld verschlingt, insbesondere bei den Unterlegenen, sondern die Frage, ob die Olympischen Spiele 2032 in Brisbane stattfinden sollen oder nicht. 72:5 Stimmen zeigt ein Stimmgewicht, das höchstselten ist.

Die allseits gelobte und von der australischen Regierung großzügig unterstützte Bewerbung der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland soll keinesfalls geschmälert werden. In einen fairen Auswahlprozess musste sich Brisbane dennoch nicht gehen, weil die australische Initiative seit Monaten vom in höchsten Tönen gelobt, prioritär behandelt und unter die Lupe genommen und de facto angenommen wurde. Das heutige Abstimmungsergebnis hatten die Spatzen also längst vom Dach gepfiffen, vermutlich ist der Deal seit Monaten in staubtrockenen Tüchern. Und das, obwohl der Gastgeber üblicherweise sieben Jahre vor dem globalen Sportereignis benannt wird, nicht elf. Die aufmunternde Euphorie aus Brisbane, wo spontan ein Feuerwerk über dem Brisbane River abgebrannt und auf den Straßen gefeiert wurde, war also zum großen Teil wirklich eine Inszenierung. Beachtlich ist die Zustimmung der Bevölkerung in Queensland laut Umfragen.

Ein Land, das Sport liebt

Das IOC unter der Führung von Thomas Bach hat nie einen Hehl daraus gemacht, die nach der Änderung in der Olympischen Agenda vereinfachten Bewerbungen aus der westlichen Welt zu bevorzugen. Tokio 2020, Paris 2024, Los Angeles 2028 (letztere beide wurden in einer einmaligen Doppelbekanntgabe definiert) und Brisbane 2032, dazu die italienische Bewerbung für die Winterspiele 2026 – die Richtung stimmt, die kontinentale Vielfalt ist gegeben. Eine eigens eingerichtete Kommission hält zukünftige Bewerber oder unterlegene der letzten Entscheidungen an der Stange, auf nicht sehr transparente Weise, die zur Conclusio Bachs führt: „Die Zukunft der Spiele erscheint wunderbar.“ Die IOC-Mitglieder bewerteten in Tokio bei der Wahl die Analyse der Kommission über die Bewerbung Brisbanes.

Australien sei ein Land, das Sport liebt, betonte Bach vor Wochen, und die breite Unterstützung der Bewerbung habe ihm auch imponiert. Der neue Stil der Bekanntgaben des IOC, der zweifelsohne Vorteile hat, gefällt aber nicht überall. Vor allen Dingen das extrem frühzeitige, eindeutige Schlagen auf die Seite der Australier nicht. Und die Tatsache, dass mit IOC-Vizepräsident John Coates ein Australier federführend in den Verhandlungen, die eine derartig frühe Entscheidung, die die konkurrierenden Initiativen überrumpelte, agierte. Diplomatisch formuliert, eine höchst unglückliche Konstellation.

Enttäuschung in Deutschland, Ungarn und Korea

Vom Deutschen Olympischen Sportbund (DSOB) heißt es, die Bemühungen einer Bewerbung mit der Rhein-Ruhr-Region seien im Februar eingestellt worden, nachdem das IOC Brisbane als bevorzugten Kandidaten eingestuft habe. Eine formale Bewerbung hatte der DSOB demnach beim IOC nicht hinterlegt, die überraschend frühe Vergabe-Entscheidung habe keine Zeit mehr zur Klärung wichtiger Fragen gegeben (vgl. leichtathletik.de). Wie die Süddeutsche Zeitung am 10. Juli schrieb, ist die Beziehung zwischen Bach und seinen Landsmann Alfons Hörmann, DSOB-Präsident, zurzeit schlecht.

In Seoul hat sich das südafrikanische Olympische Komitee über die Vorgangsweise des IOC im Februar beschwert. In Südkorea kursierte der Traum einer gemeinsamen Olympia-Bewerbung mit Nordkorea – jeweils die Hauptstädte, die durch die Annäherungen im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeonchang geboren sind. Durch die Nicht-Teilnahme an den Spielen von Tokio 2020 durch die Nordkoreaner geriet diese Initiative atmosphörisch aber sowieso ins Hintertreffen.

Ebenfalls eine Bewerbung vorbereitet hat Budapest, Austragungsort der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2023. Es wäre die sechste Olympia-Bewerbung der ungarischen Hauptstadt gewesen, die erste seit 1960. Jene für 2024 wurde kurzfristig zurückgezogen. Interesse an einer Olympia-Bewerbung für 2032 gab es außerdem aus Doha, Indien und Indonesien. Diese Gedanken sind spätestens seit heute Makulatur. Ob sie für 2036 oder 2040 fortgesetzt werden, um sie der zuständigen Kommission schmackhaft zu machen, wird sich zeigen. Das jedenfalls ist der neue Weg.