U23-EM: Zwei österreichische Hindernisläuferinnen in Tallinn

© ÖLV / Coen Schilderman

Am morgigen Donnerstag beginnt in Tallinn das viertägige Wettkampffenster für die U23-Europameisterschaften der Leichtathletik. 15 Österreicherinnen und Österreicher wurden vom Österreichischen Leichtathletik-Verband für die Meisterschaften, an denen die Jahrgänge 1999, 2000 und 2001 startberechtigt sind, nominiert. Das Aufgebot wird angeführt von Siebenkämpferin und Medaillenhoffnung Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union). In nur einem Laufbewerb wehen rot-weiß-rote Fahnen und da dafür doppelt: Lotte Luise Seiler (KSV alutechnik) und Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik) gehen im 3.000m-Hindernislauf an den Start. Die Vorläufe gehen am Donnerstagnachmittag um 15:50 Uhr bzw. 16:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit über die Bühne.

RunAustria-Tipp: Auf Initiative des ÖLV und in Zusammenarbeit mit dem DLV und Swiss Athletics wird erstmals ein deutschsprachiger Livestream der U23-EM angeboten. Auf der Website von European Athletics werden die Wettkämpfe im bewährten englischsprachigen Livestream übertragen.

ÖLV-Livestream Livestream von European Athletics

Die Chancen der beiden Österreicherinnen

Die in den USA studierende und sich seit einigen Wochen wieder in der Heimat aufhaltende Pesendorfer wurde in den ersten der beiden Vorläufe gelost. Laut persönlichen Bestleistungen liegt sie im hinteren Mittelfeld des 16-köpfigen Starterfeldes. Für eine Qualifikation für den Finallauf, welcher am Samstagnachmittag um 15:40 Uhr auf dem Programm steht, gilt es, eine Top-Fünf-Platzierung zu erreichen oder eine der fünf besten weiteren Zeiten zu erzielen. Für Seiler wird die Aufgabe laut Vorleistungen ähnlich schwer, sie läuft im zweiten Vorlauf u.a. gegen die Schweizerin Sybille Häring.

Die Ergebnisse in den letzten Wochen legen nahe, dass Seiler, eine der jüngsten Läuferinnen im Feld, in besserer Form nach Estland gereist ist als ihre Landsfrau. Sie sieht sich von der Meldeliste nicht richtig eingeschätzt: „Ich bin heuer vor allem Meisterschaftsrennen gelaufen. Ich habe also nicht das Gefühl, dass ich mein Potenzial schon ausgeschöpft habe, was die Zeiten betrifft. Auch war noch kein Lauf wirklich perfekt, vor allem der Mittelteil war jedes Mal zu langsam.“ Außerdem nähren die Trainingsleistungen die Hoffnung auf eine Steigerung in Tallinn.

Pesendorfer versprüht in ihrem Ausblick in der Presseaussendung des ÖLV weniger Optimismus. Nach den vielen Wettkämpfen und wenigen Pausen der letzten Monaten, typisch für das Collegesystem in den USA, spürt sie die Belastungen und fühlt sich nicht mehr frisch. „Für die EM will ich mir nicht zu großen Druck machen, sondern freue mich, dass mein letztes Nachwuchsgroß-Ereignis überhaupt stattfinden kann.“

Das Programm der Laufentscheidungen

  • Donnerstag, 8. Juli um 17:50 Uhr MEZ: 10.000m-Lauf der Männer
  • Freitag, 9. Juli um 18:40 Uhr MEZ: 10.000m-Lauf der Frauen
  • Samstag, 10. Juli um 15:40 Uhr: 3.000m-Hindernislauf der Frauen (Vorläufe am Donnerstag ab 15:50 Uhr MEZ) – mit Lotte Luise Seiler und Katharina Pesendorfer
  • Samstag, 10. Juli um 16:20 Uhr MEZ: 1.500m-Lauf der Männer (Vorläufe am Donnerstag um 16:35 Uhr MEZ)
  • Samstag, 10. Juli um 18 Uhr MEZ: 800m-Lauf der Frauen (Vorläufe am Donnerstag um 17:15 Uhr MEZ)
  • Samstag, 10. Juli um 19 Uhr MEZ: 5.000m-Lauf der Männer
  • Sonntag, 11. Juli um 15:45 Uhr MEZ: 3.000m-Hindernislauf der Männer (Vorläufe am Freitag um 15:05 Uhr)
  • Sonntag, 11. Juli um 16:15 Uhr MEZ: 1.500m-Lauf der Frauen (Vorläufe am Freitag um 10:35 Uhr MEZ)
  • Sonntag, 11. Juli um 16:30 Uhr MEZ: 800m-Lauf der Männer (Vorläufe am Freitag um 11:05 Uhr MEZ)
  • Sonntag, 11. Juli um 16:55 Uhr MEZ: 5.000m-Lauf der Frauen

Der Austragungsort

Das hing tatsächlich am seidenen Faden. Denn eigentlich war Tallinn als Austragungsort der U20-Europameisterschaften am darauffolgenden Wochenende geplant und die Altersklasse U23 sollte ihre Kontinentalmeisterschaften in Bergen durchführen. Ob der rigorosen Einreisepolitik der norwegischen Regierung musste der lokale Veranstalter allerdings recht kurzfristig die weiße Fahne schwenken. Tallinn sprang ein und vermied somit eine wohl notwendige Verschiebung auf die Zeit nach den Olympischen Spielen.

Die Wettkämpfe gehen im zentrumsnahen Kadriorg Stadion (Kadrioru staadion) über die Bühne. Das vor fast 100 Jahren erbaute Stadion ist die estnische Leichtathletik-Anlage schlechthin und würde etwa 5.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bieten, wäre nicht gerade Pandemie. So dürfen pro Session maximal 1.000 ins Stadion. Lange Zeit trug auch die estnische Fußballnationalmannschaft hier ihre Länderspiele aus. Der Schauplatz ist zum zweiten Mal nach 2015 Austragungsort der U23-EM. Inklusive der kommenden Ausgabe 2023 im finnischen Espoo finden die Meisterschaften damit seit 2013 bis auf eine Ausnahme immer in Skandinavien oder im Baltikum statt.

Dass die Wetterbedingungen daher vermeintlich keine nennenswerte Rolle spielen, ist ein Irrtum. Eine unüblich lange Hitzewelle zieht seit geraumer Zeit über den Norden Europas und wird von einem voraussichtlich gewittrigen Donnerstag unterbrochen. Am Wochenende soll das Thermometer dann wieder Richtung 30°C klettern.

Die Laufstars

Vor heimischem Publikum in Bergen wäre Jakob Ingebrigtsen wohl gestartet, fern der Heimat tut er dies nicht. Da die Olympischen Spiele ihre Schatten bereits deutlich vorauswerfen, lässt der Großteil der besten U23-Athletinnen und Athleten des Kontinenten mit Olympia-Ambitionen die U23-EM aus und öffnet damit die Chance für die zweite Reihe. Eine Ausnahme bildet etwa der Brite Jake Heyward, der als klarer Favorit in den 1.500m-Lauf der Männer geht. Neuauflagen in neuer Altersklasse bahnen sich bei zwei Frauen-Wettkämpfen an. Bei den U20-Europameisterschaften 2019 setzte sich Isabelle Boffey vor Délia Sclabas durch, ob der Schweizerin nun die Revanche gelingt, ist ob ihrer bescheidenen Form der letzten Wochen eher fraglich. Dagegen ist Nadia Battocletti im 5.000m-Lauf stärker einzuschätzen als die Slowenin Klara Lukan, der sie vor zwei Jahren bei den Juniorinnen noch unterlag.

Die besten Chancen auf eine deutsche Lauf-Goldmedaille sollte Mohamed Mohumed haben, der ja auch im deutschen Olympia-Aufgebot steht. Der 800m-Lauf der Männer wird angeführt vom Spanier Javier Miron und vom Belgier Eliott Crestan, Favoritin im 3.000m-Hindernislauf ist die Französin Claire Palou. Insgesamt stehen 1.180 Athletinnen und Athleten aus 48 Nationen auf der Entry List.

U23-Europameisterschaften in Tallinn

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