Glanzleistungen von McSweyn und Kejelcha

Stewart McSweyn präsentierte sich bei den Oslo Bislett Games mit einem neuen ozeanischen Kontinentalrekord über die Meile, Yomif Kejelcha dominierte den 3.000m-Lauf auf höchstem Niveau. Während Kate Grace bei den Frauen über 800m dominierte, meldete sich Hellen Obiri über 5.000m zurück.

© Wanda Diamond League

Dass bei der Svein Arne Hansen Dream Mile, traditionell eines der spektakulären Highlights des traditionsreichen Diamond-League-Meetings in Oslo, die Weltjahresbestleistung fallen würde, war beim Startschuss schon höchstwahrscheinlich. Der Wettkampf war nämlich der erste hochklassige des Jahres über diese Distanz, es ging um die Marke von Sam Tanner bei einem Rennen in Neuseeland Anfang des Jahres (3:54,97). Doch an diesem Abend wurden die Trauben höher gehängt und Stewart McSweyn sprang hoch genug, um sie zu ernten. Die Wavelight-Technologie war auf eine Verbesserung des australischen Rekordes, gleichbedeutend mit dem ozeanischen Kontinentalrekord eingestellt. Als der zweite Tempomacher ausstieg, lag der 26-jährige Tasmanier, der in der Saisonvorbereitung unter der Leitung von Nic Bideau 160 Laufkilometer pro Woche neben einer Menge Kräftigungstraining abspulte und auf freie Tage verzichtete, auf Kurs und vollendete sein Werk in 3:48,47 Minuten. Über zwei Sekunden schneller als seine persönliche Bestleistung, 0,61 Sekunden schneller als Craig Mottram vor 16 Jahren. „Ich bin sehr glücklich heute. Meine Saison hat die richtige Richtung nach Tokio eingeschlagen“, sagte er anschließend in die Mikrophone und schloss einen Doppelstart bei den Olympischen Spielen (1.500m und 5.000m) aufgrund der Terminenge aus.

Australische Spitzenposition zurückerorbert

Es war der erste große Coup der neuen Saison des Australiers, der Olympisches Edelmetall in Tokio ins Auge gefasst hat, aber zu Saisonbeginn sich überraschend starker landesinterner Konkurrenz erwehren musste. Bei den australischen Meisterschaften schnappte ihm Shootingstar Jye Edwards den Titel weg. Nun ist die Hackordnung aus Sicht des Stars wieder hergestellt, wenngleich der 23-Jährige bei seinem ersten Diamond-League-Rennen eine hervorragende Leistung ablieferte und in 3:49,27 Minuten Dritter wurde. Damit liegt er nun auf Rang vier der ewigen ozeanischen Bestenliste hinter seinen beiden Landsleuten und der neuseeländischen Lauflegende John Walker. Alle vier – und das ist bemerkenswert – haben ihre besten Meilenzeiten in Norwegens Hauptstadt gelaufen.

Spurtspektakel durch Lewandowski

Wie ein Uhrwerk spulte McSweyn in Oslo seinen Plan ab. Nur der am Ende auf Rang neun durchgereichte Brite Charlie Grice versuchte das irre Tempo mitzugehen, verlor den Kontakt zu McSweyn in der vorletzten Runde und war dann chancenlos. Der Führende hatte also schon beim Glockenton einen Vorsprung, den er bis zum Schluss hielt. Dass die Australier nach dem Überholmanöver von Edwards gegen den Kenianer Charles Simotwo ausgangs der letzten Kurve keinen Doppelsieg feierten, lag einzig und alleine am frenetischen Schlussspurt von Marcin Lewandowski. Der polnische Routinier erwischte die Lücke auf der Innenbahn und eilte durch. Zur Belohnung gab es eine Verbesserung um über drei Sekunden seines eigenen polnischen Landesrekords auf 3:49,11 Minuten. Den zweiten Landesrekord des Wettkampfs lief Ronald Musagala aus Uganda. Der 28-Jährige steigerte die 22 Jahre alte Marke von Julius Achon deutlich auf 3:53,04 Minuten. Lokalmatador Jakob Ingebrigtsen hatte aufgrund einer Erkrankung kurzfristig seinen Start absagen müssen.

Schnellster 3.000m-Lauf seit 2007

Gut eine Stunde zuvor hatte der Äthiopier Yomif Kejelcha bei seinem siebten Sieg im Rahmen der Diamond League seinen Glanzauftritt. Dank eines perfekt vorbereiteten Rennens und einer qualitativ hochwertigen Schlussrunde als Höhepunkt des Rennens setzte der 24-Jährige nicht nur eine neue Weltjahresbestleistung, sondern verbesserte den 23 Jahre alten Meetingrekord seines großen Landsmanns Haile Gebrselassie auf eine Zeit von 7:26,25 Minuten. Das ist auch neuer Diamond-League-Rekord. Kejelcha rangiert nun auf Rang sieben der ewigen Weltbestenliste und Rang drei der ewigen äthiopischen Bestenliste dieser nicht-olympischen Disziplin hinter Gebrselassie und Kenenisa Bekele. Was die Leistung des hochgewachsenen Langstreckenspezialisten aber bestens beschreibt: Sie war die beste in einem 3.000m-Lauf seit 2007 (Bekele) und die drittbeste im laufenden Jahrhundert.

Lange Zeit hielt der junge Kenianer Jacob Krop herausragend mit, am Ende hatte er als Zweiter fast vier Sekunden Rückstand auf Kejelcha und lag knapp vor seinem Landsmann Nicholas Kimeli. Lokalmatador Filip Ingebrigtsen zeigte den stärksten Auftritt seiner bisherigen Saison und wurde in 7:34,00 Minuten Fünfter. „Ich habe mich wieder wie ich angefühlt, genau zum richtigen Zeitpunkt“, so der Skandinavier, der sich auf Rang zwei der ewigen norwegischen Bestenliste ins Brüder-Sandwich zwischen Jakob und Henrik schob.

McColgan bricht Radcliffes britischen Rekord

Nach Platz vier in Doha und Rang zwei bei den Kenya Trials hat sich Weltmeisterin Hellen Obiri in Oslo zurückgemeldet und das durchaus eindrucksvoll. Die entscheidende Phase des 5.000m-Laufs dominierte sie gänzlich von vorne und siegte in guten 14:26,38 Minuten vor Fantu Worku aus Äthiopien und ihrer kenianischen Landsfrau Margaret Kimpkemboi. Die Sensation des Rennens war aber Eilish McColgan, die völlig unerwartet bis zum Schluss an der Spitze dranhing und in einer Zeit von 14:28,55 Minuten den 17 Jahre alten britischen Landesrekord von Paula Radcliffe um gut eine halbe Sekunde verbesserte. „Ich könnte nicht glücklicher sein. Der letzte Kilometer war extrem schnell, aber er hat das Wettkampfbiest aus mir herausgetrieben“, jubelte die Schottin nach ihrem Husarenritt, der eine 16-sekündige Verbesserung des „Hausrekords“ brachte. Auf europäischer Ebene waren jemals zuvor erst vier Läuferinnen schneller gelaufen, darunter auch die Deutsche Konstanze Klosterhalfen.

Grace triumphal nach Trial-Enttäuschung

Eine klare Siegerin gab es im 800m-Lauf der Frauen, den Pacemakerin Aneta Lemiesz in flotten 57,14 Sekunden in die zweite Runde führte. Nach 500 Metern übernahm Weltmeisterin Halimah Nakaayi die Führung der Australierin Catriona Bisset, doch Kate Grace pirschte sich von hinten an die beiden heran und lag ausgangs der letzten Kurve bereits in Führung. Die US-amerikanische Olympia-Finalistin von Rio 2016 hatte noch ordentlich Benzin im Tank und kreierte eine große Lücke. In einer Zeit von 1:57,60 Minuten gewann sie mit 1,1 Sekunden Vorsprung auf die Weltmeisterin und verbesserte ihre fünf Jahre alte persönliche Bestleistung um fast sieben Zehntelsekunden. Sie ist nun Neunte in der ewigen US-Bestenliste, bei den Trials war sie nur Siebte und ist daher nicht für die Olympischen Spiele qualifiziert. Nun hat die 32-Jährige ihr erstes Diamond-League-Rennen gewonnen.

Ihr mit Abstand bestes Diamond-League-Resultat erzielte die Schweizerin Lore Hoffmann als Dritte (1:59,06), Katharina Trost aus Deutschland wurde Sechste (2:00,02).

Ergebnisse Oslo Bislett Games 2021

Svein Arne Hansen Dream Mile

  1. Stewart McSweyn (AUS) 3:48,37 Minuten * / **
  2. Marcin Lewandowski (POL) 3:49,11 Minuten ****
  3. Jye Edwards (AUS) 3:49,27 Minuten ***
  4. Charles Simotwo (KEN) 3:49,40 Minuten ***
  5. Ismael Debjani (BEL) 3:52,70 Minuten ***
  6. Ronadl Musagala (UGA) 3:53,04 Minuten *
  7. Adam Ali Musab (QAT) 3:53,15 Minuten
  8. Ferdinand Kvan Edman (NOR) 3:53,42 Minuten ***

3.000m-Lauf der Männer

  1. Yomif Kejelcha (ETH) 7:26,25 Minuten * / *** / ****** / *
  2. Jacob Krop (KEN) 7:30,07 Minuten ***
  3. Nicholas Kimeli (KEN) 7:31,33 Minuten ***
  4. Birhanu Balew (BRN) 7:33,05 Minuten ***
  5. Filip Ingebrigtsen (NOR) 7:34,00 Minuten ***
  6. Justus Soget (KEN) 7:35,91 Minuten ***
  7. Tadese Worku (ETH) 7:37,48 Minuten ***
  8. David McNeill (AUS) 7:39,43 Minuten ***

800m-Lauf der Frauen

  1. Kate Grace (USA) 1:57,60 Minuten ***
  2. Halimah Nakaayi (UGA) 1:58,70 Minuten
  3. Lore Hoffmann (SUI) 1:59,06 Minuten
  4. Catriona Bisset (AUS) 1:59,30 Minuten
  5. Lovisa Lindh (SWE) 1:59,81 Minuten
  6. Katharina Trost (GER) 2:00,02 Minuten
  7. Adelle Tracy (GBR) 2:00,82 Minuten
  8. Hedda Hynne (NOR) 2:01,65 Minuten

5.000m-Lauf der Frauen

  1. Hellen Obiri (KEN) 14:26,38 Minuten
  2. Fantu Worku (ETH) 14:26,80 Minuten ***
  3. Margaret Kipkemboi (KEN) 14:28,24 Minuten
  4. Eilish McColgan (GBR) 14:28,55 Minuten
  5. Beatrice Chebet (KEN) 14:34,55 Minuten ***
  6. Tsehay Gemechu (ETH) 14:38,76 Minuten
  7. Yasemin Can (TUR) 14:46,13 Minuten
  8. Karoline Bjerkeli Grövdal (NOR) 14:47,67 Minuten ***

* neue Weltjahresbestleistung
** neuer ozeanischer Kontinentalrekord
*** neue persönliche Bestleistung
**** neuer polnischer Landesrekord
****** neuer ugandischer Landesrekord
******* neuer Meetingrekord
******** neuer Diamond-League-Rekord
********* neuer britischer Landesrekord

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Oslo Bislett Games