Kamworors Comeback und Obiris Doppelschlag

Geoffrey Kamworor jubelt über Gold bei der Halbmarathon-WM 2016. © Getty Images for IAAF / Jordan Mansfield

„The ,Beast’ is back!“ Die kenianische Tageszeitung „Daily Nation“ widmete Geoffrey Kamworor eine Aufsehen erregende Schlagzeile nach einem Rennen, das er in großen Stil gewann und das eine Leidenszeit beenden soll. Denn die letzte Zeit war nicht einfach für den Superstar, der als designierter Nachfolger von Eliud Kipchoge, dessen Trainingspartner er ist, angesehen wurde: 2019 wurde er als Crosslauf-Weltmeister von Joshua Cheptegeiu entthront, im Sommer 2020 verletzte er sich schwer, als ihn ein Motorrad bei einer Trainingsrunde niederfuhr, wodurch er die Halbmarathon-WM, seine große Bastion, verpasste. Und eine reelle Chance, sich für das kenianische Marathonteam zu bewerben, hatte der 28-Jährige dadurch auch nicht. Das neue Ziel: 10.000m. Nach den Trials darf Kamworor hoffnungsvoll nach Tokio blicken: Im Alleingang lief er zu einer starken Zeit von 27:01,06 Minuten, nicht weit entfernt von seiner Bestzeit. „Das, was mir in meinem Trophäenschrank noch fehlt, ist eine Olympia-Medaille. Ich werde hart dafür arbeiten, eine zu gewinnen“, wurde der Sieger in „Daily Nation“ zitiert.

Schneller ist übrigens noch nie ein Läufer einen 10.000m-Lauf auf kenianischem Boden gelaufen. Er selbst hatte die Bestleistung gehalten und nun um fast elf Sekunden gesteigert. Einzig der in Japan lebende Rodgers Kwemoi konnte einigermaßen mithalten, distanzierter Dritter wurde Weldon Kipkirui. Die negative Überraschung des Rennens bildete Junioren-Weltmeister Rhonex Kipruto, der ausstieg, nachdem er lange zur Spitzengruppe gehörte.

Zweimal Top-Zwei für Obiri

Es war Hellen Obiris Ziel, in Tokio beide Langstrecken zu bestreiten. Was auf dem Papier gut, weil machbar klingt, war im engen Zeitplan der viertägigen Kenya Trials gar nicht so einfach. Am ersten Tag belegte die Weltmeisterin Rang zwei im flotten 5.000m-Lauf hinter Lilian Rengeruk und vor Agnes Tirop, die zuletzt überzeugende Junioren-Weltmeisterin Beatrice Chebet musste sich mit Rang fünf zufrieden geben. Über die doppelte Distanz triumphierte Obiri und zwar ähnlich überzeugend wie Kamworor. In einer Zeit von 30:36,6 Minuten verbesserte sie ihren eigenen „All Comer’s“-Rekord und siegte klar vor Irene Cheptai und Sheila Chelangat.

Kipyegon und Chepkoech souverän

Die schnellste je auf kenianischem Boden erzielte Zeit wurde auch im 5.000m-Lauf der Männer registriert: Nicholas Kimeli siegte in einer Zeit von 13:02,87 Minuten vor Daniel Simiu und Samwel Masai. Ihrer Favoritenrolle gerecht wurde Olympiasiegerin Faith Kipyegon im 1.500m-Lauf, den sie in einer Zeit von 4:02,10 Minuten vor Afrikameisterin Winny Chebet und Edinah Jebitok gewann.

Im 3.000m-Hindernislauf wurde Weltrekordhalterin Beatrice Chepkoech hinter der ehemaligen Weltmeisterin Hyvin Kiyeng und vor Purity Kirui Zweite. Einen durchaus unerwarteten Sieger lieferte auch der 800m-Lauf der Männer: Der in den USA lebende Michael Saruni ließ Ferguson Rotich und Emmanuel Korir hinter sich. Bei den Frauen siegte Mary Moraa vor Emily Tuwei und Ex-Weltmeisterin Eunice Sum.