US-Laufstar Shelby Houlihan für vier Jahre gesperrt

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Sie war die US-Läuferin der letzten Jahre sowohl im 1.500m-Lauf als auch im 5.000m-Lauf! Shelby Houlihan steigerte sich kontinuierlich über die letzten Jahre in großen Schritten Richtung Weltklasse und hält sowohl den US-Rekord im 1.500m- Lauf als auch im 5.000m-Lauf. Nun hat dieses sportliche Märchen aber eine negative Wendung genommen. Sowohl die Athletics Integrity Unit (AIU), die unabhängige Dopingermittlungskommission des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), als auch das Oberste Internationale Sportgericht (CAS) halten es für erwiesen, dass die 28-Jährige betrogen hat. Aufgrund eines erhöhten Nandrolon-Werts sowohl in A- als auch B-Probe wurde sie mit einer vierjährigen Dopingsperre, welche rückwirkend vom 14. Jänner 2021 beginnt, belegt, außerdem wurden alle Resultate im Monat vor Sperrbeginn gestrichen. Die größte US-Hoffnung auf Edelmetall auf den Laufdistanzen jenseits der 800m verpasst damit nicht nur die Olympischen Spiele von Tokio, sondern auch jene von Paris 2024 und die für sie als in Oregon stationierte Läuferin sicherlich emotionalen Weltmeisterschaften von Eugene im kommenden Sommer. Mit dem Bekanntwerden des Dopingfalls kommunizierte Houlihan auch, dass sie bei den US-Olympia-Trials Ende des Monats nicht an den Start gehen wird.

„Sehr geringer Wert“

Bei einer virtuellen Pressekonferenz gab Houlihans Anwalt Paul Greene bekannt, dass seine Mandantin am 15. Dezember 2020 positiv auf das Stereoid Nandrolon getestet wurde, am 14. Jänner 2021 wurde sie darüber benachrichtigt. Greene betonte laut eines Berichts von „Runner’s World“, dass die Konzentration der nicht erlaubten Substanz in der Probe der Athletin sehr gering war. Ihr selbst fällt als mögliche Erklärung für das Testergebnis nur ein Burrito mit Schweinefleisch ein, den sie einige Stunden vor Abgabe des Tests gegessen habe. Unter Tränen las die 28-Jährige eine Statement vor und erzählte vom Schockmoment, als ihr am 11. Juni die endgültige Dopingsperre mitgeteilt wurde, da die ermittelnden Behörden ihre Darstellung nicht als Erklärung des Werts akzeptiert haben. „Ich fühle mich betrogen vom Sport, den ich liebte“, sagte sie. „Ich will ganz klar sagen: Ich habe nie eine leistungssteigernde Substanz zu mir genommen und ich werde nie eine vierjährige Sperre für etwas, das ich nie getan habe und nie tun würde, akzeptieren.“

Ihr Coach Jerry Schumacher holte laut Runner’s World zum Rundumschlag gegen Anti-Doping-Behörden aus, die seiner Meinung nach, mit sensitiven Methoden saubere Athleten jagen würden. Er habe jegliches Vertrauen in die Institutionen und ihre Aufgabe, saubere Athleten zu schützen, verloren. Konkret mag er vielleicht einen technischen Fehler im Ablauf der Analyse der B-Probe angesprochen haben, der auch im CAS-Urteil erwähnt wird. Das Panel des CAS hielt in seinem Statement zum Urteil fest, dass Houlihan die Quelle des Nandrolon-Werts nicht überzeugend darlegen konnte, weswegen es die Sanktionen der AIU bestätigte. Houlihan will vor dem Schweizer Bundesgericht Beschwerde gegen den Urteilsspruch einlegen.

Zwei-US-Rekorde

Aufgrund der laufenden Ermittlungen ist Houlihan seit fast einem Jahr bei keinem Wettkampf angetreten. Ihre Spezialdisziplin ist seit Jahren der 1.500m-Lauf, wo sie auf die Saison 2018 einen Riesensprung machte. Sie gewann die Diamond-League-Rennen in Eugene und Lausanne und musste sich beim Finale in Brüssel nur Laura Muir geschlagen geben. 2019 bestritt Houlihan, nicht untypisch für Athleten des Bowerman Track Club, kaum internationale Wettkämpfe, gewann die Trials und verbesserte bei der WM in Doha den US-Rekord von Shannon Rowbury auf eine Zeit von 3:54,99 Minuten. Unter Tränen verließ sie die Laufbahn, trotz ihres Durchbruchs war sie nur Vierte geworden. 2020 gelang ihr der zweite Fabelrekord: Bei einem Rennen in Portland blieb sie in einer Zeit von 14:23,92 Minuten satte 15 Sekunden unter dem US-Rekord im 5.000m-Lauf, ebenfalls bis dato gehalten von Rowbury.

Nächster US-Star für Tokio aussortiert

Spätestens nach Bekanntwerden der Sperre gegen Shelby Houlihan wird die Feststellung, dass die US-amerikanische Leichtathletik ein Problem mit Doping hat, immer konkreter. Denn Houlihan ist nicht der erste Star der US-Leichtathletik, der die Olympischen Spiele von Tokio aufgrund von Dopingsperren verpassen wird. Unter anderen sind 100m-Star Christian Coleman und Hürdensprint-Olympiasiegerin Brianna McNeal aktuell auf der Blacklist der internationalen Leichtathletik.