Hassans Tempolauf und spannender 800er in Hengelo

© Getty Images for IAAF / Alexander Hassenstein

Alberto Salazar hat den Karriereverlauf seines ehemaligen Rohdiamanten Sifan Hassan vorgezeichnet: Bei den Olympischen Spielen von Tokio soll sie den 10.000m-Lauf als zweite Disziplin bestreiten neben dem 5.000m, ihr Talent auf den langen Strecken sei herausragend, weswegen nach Tokio 2020 der Umstieg auf den Marathonlauf folgen sollte. Das sagte er – übrigens – über die Weltrekordhalterin über die Meile und schnellste 1.500m-Läuferin Europas seit einer Ewigkeit. Sifan Hassan trainiert längst nicht mehr unter Alberto Salazar, dessen Nike Oregon Project zerfallen ist. Der vorgegebenen Richtung folgt sie aber: Weltmeisterin im 10.000m-Lauf in Doha und als sie im Herbst 2020 in Hengelo einen Tempolauf über 10.000m in einer Zeit von 29:36,67 Minuten auf Rang vier der ewigen Weltbestenliste abschloss, wirkte es wie ein normales Resultat. Man hat sich gewöhnt, dass die Äthiopierin, die in die Niederlande flüchtete, dort eine Ausbildung als Pflegerin machte und in ihrer neuen Heimat das Laufen für sich entdeckte, Weltklasseleistungen abliefert.

RunAustria-Tipp: Die FBK Games in Hengelo werden am Sonntagnachmittag mit Start um 15 Uhr live auf dem Youtube-Kanal von World Athletics übertragen.

Youtube-Kanal von World Athletics

Angriff auf den Weltrekord?

Wenn am Sonntagnachmittag um 15:10 Uhr der Startschuss für das 10.000m-Rennen der Frauen fällt, liegt die Vermutung nahe, dass die Lokalmatadorin ein schnelles Rennen plant. Zumal sie im Vorfeld sagte, dass dieser Wettkampf perfekt in ihr Vorbereitungsprogramm auf die Olympischen Spiele passe. Und das könnte mit ihrer Ausgangsposition bei guter Verfassung und guten Bedingungen auch meinen, den Weltrekord von Almaz Ayana (29:17,45), aufgestellt beim unvergessenen Olympia-Rennen von Rio, zu attackieren. Dass die Holländerin das Rennen im Rahmen des Meetings, das von Global Communication, der Agentur von Jos Hermens, veranstaltet wird und der World Athletics Continental Tour der Klasse Gold angehört, nicht gewinnt, ist kaum vorstellbar, sofern sie es zu Ende läuft.

Das zweite Rennen im Rennen ist jenes mit dem Olympia-Limit von 31:25,00 Minuten im Visier. Interessant, dass abgesehen von den Tempomacherinnen keine einzige Europäerin auf der Startliste steht, wenngleich am Vortag der Europacup in Birmingham über die Bühne geht. Dafür eine Gruppe Australierinnen, die das Limit im Auge hat. Und die Kanadierin Andrea Seccafien, bei Olympia im Marathon im Einsatz, die zuletzt in herausragender Form auf mehreren verschiedenen Distanzen agierte.

Nakaayis Saisondebüt gegen die Besten Europas

Auch wenn Hassan als Holländerin eines der Zugpferde des Meetings ist, das Lauf-Highlight des Meetings sollte aber – zumindest in der Betrachtungsweise des Wettkampfsports – der 800m-Lauf der Frauen sein. Denn in diesem gibt die amtierende Weltmeisterin Halimah Nakaayi ihr Saisondebüt und die 26-Jährige aus Uganda bekommt gleich hohe Hürden in den Weg gestellt. Denn das schottische Duo Jemma Reekie und Laura Muir ist im Rennen wie auch die konstant gute Adelle Tracey aus England, die Französin Renelle Lamote, zuletzt pfeilschnell unterwegs in Montreuil (siehe RunAustria-Bericht), und die Australierin Catriona Bisset, die von einer Pause nach einer starken australischen Sommersaison auf die Wettkampfbühne zurückkehrt. Auch Hallen-Europameisterin Keely Hodgkinson wurde angekündigt, fehlt aber auf der Startliste.

Briten in der Favoritenrolle

Ein spannendes, rein europäisch geprägtes und gutklassiges Rennen lässt der 800m-Lauf erhoffen, bei dem die Favoritenrolle auf den Briten liegen. Mit Max Burgin, der in Ostrava mit einem Junioren-Europarekord ein Feuerwerk gezündet hat, Elliot Giles, der nach einer überragenden Hallensaison seinen ersten 800er im Freien der Saison läuft, und Daniel Rowden, der vor wenigen Tagen in Göteborg gewonnen hat (siehe RunAustria-Bericht), könnte sich ein hochinteressanter innerbritischer Dreikampf entwickeln – auch im Kampf um die Olympia-Tickets. Die beiden Lokalmatadoren Tony van Diepen und Djoao Lobles sowie der Belgier Eloitt Crestan, der Franzose Benjamin Robert und der Pole Mateusz Borkowski komplettieren ein interessantes Feld.

Zu einem britisch-spanischen Duell könnte es im 1.500m-Lauf der Männer kommen. Jake Wightman und Charlie Grice auf der einen sowie Jesus Gomez und Ignacio Fontes auf der anderen Seite sind die stärksten Läufer im Feld. Eine Rolle im Kampf um den Sieg könnten auch der Kenianer Abel Kipsang und der Belgier Ismael Debjani einnehmen.

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