„Mini-Olympia“ zwischen Limits und Weltrangliste

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Am kommenden Wochenende gehen die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften erneut im Rahmen eines deutschen Sportmeisterschaftswochenendes über die Bühne. Die Wettkämpfe der Olympischen Kernsportart finden in Braunschweig statt (während die anderen sieben Sportarten ihre Wettkämpfe in Berlin austragen) und sind Teil eines „Mini-Olympia“, so das Motto der „Finals“. Für viele Läuferinnen und Läufer, die die Olympia-Qualifikation noch nicht sicher haben, sind die Meisterschaftsrennen aufgrund der hohen Anzahl von Punkten für die Weltrangliste bedeutend. Limits bei nationalen Meisterschaften sind aufgrund der üblichen Charakteristik solcher Rennen nämlich maximal auf den kürzesten Laufdistanzen möglich.

RunAustria-TV-Tipp: ARD und ZDF übertragen die Leichtathletik-Wettkämpfe der Deutschen Meisterschaften am Freitag von 19:15–19:35 Uhr (ARD), Samstag von 13:35–14:05, 18:30–19 und 19:20–20:15 Uhr (ZDF) sowie am Sonntag von 12:05–12:20 und 16:05–17:30 (ARD) live. Insgesamt bietet das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen 25 Stunden Livesport von den Finals an. Auf den Websites von ARD und ZDF sind die Leichtathletik-Wettkämpfe durchgehend in Livestreams zu sehen.

Spannende und offene Läufe bei den Männern

Möglicherweise wird auch Andreas Vojta am Samstag das Rennen in Braunschweig verfolgen, denn die besten deutschen 5.000m-Läufer gehören aktuell zu jenem Kreis der Kontrahenten des Österreichers, die um etwaige Olympia-Startplätze über die Weltrangliste rittern. Und außerdem verspricht der Wettkampf eine spannende Entscheidung, denn es gibt mehrere Favoriten: Titelverteidiger Mohamed Mohumed, der am Donnerstag in Huelva eine deutsche Jahresbestzeit aufgestellt hat (siehe RunAustria-Bericht), Sam Parsons und Nils Voigt, der Mitte Mai bei der Mid Summer Track Night in Wien reüssieren konnte. Man darf gespannt sein, wie frisch die Beine des 22-Jährigen nach seiner Reise nach Spanien wieder sind.

Im 1.500m-Lauf ist der zweite US-Deutsche, Amos Bartelsmeyer nach seiner Leistung letztes Wochenende in Portland (siehe RunAustria-Bericht) Favorit, ihm fehlt nur noch ein Hauch zum Olympia-Limit von 3:35,00 Minuten. Marius Probst und Homiyu Tesfaye dürften auf die Punkte über die Weltrangliste schielen. Mitfavoriten sind Robert Farken, der bei der Team-EM (siehe RunAustria-Bericht) die volle Punktezahl für Deutschland geholt hat, und Marc Tortell. Auch im 800m-Lauf ist die Olympia-Qualifikation nicht einfach, das Limit liegt bei 1:45,20 Minuten. Marc Reuther geht eine Woche nach seinem mittelprächtigen Auftritt bei der Team-EM als Titelverteidiger ins Rennen, Marvin Heinrich ist der große Herausforderer, nachdem er letzte Woche in Pfungstadt eine neue deutsche Jahresbestzeit von 1:45,66 Minuten gelaufen ist. Karl Bebendorf geht als Favorit in den 3.000m-Hindernislauf, zuletzt konnte Frederik Ruppert an Pfingsten in Rehlingen aufzeigen.

Das Programm der Laufentscheidungen
Samstag, 5. Juni um 17:340 Uhr – 5.000m-Lauf der Männer
Samstag, 5. Juni um 19:20 Uhr – 3.000m-Hindernislauf der Frauen
Sonntag, 6. Juni um 15:05 Uhr – 800m-Lauf der Frauen
Sonntag, 6. Juni um 15:15 Uhr – 800m-Lauf der Männer
Sonntag, 6. Juni um 15:30 Uhr – 1.500m-Lauf der Frauen
Sonntag, 6. Juni um 15:55 Uhr – 1.500m-Lauf der Männer
Sonntag, 6. Juni um 15:10 Uhr – 5.000m-Lauf der Frauen
Sonntag, 6. Juni um 16:35 Uhr – 3.000m-Hindernislauf der Männer

Aufgrund der COVID-19-Maßnahmen wurden die Starterfelder klein gehalten, es finden daher keine Vorläufe statt.

Hering auf dem Weg zum siebten Titel?

Bei den Frauen kommt es im 800m-Lauf zum Duell der Trainingspartnerinnen Christina Hering, die das Olympia-Limit von 1:59,50 Minuten im Sommer 2019 bereits einmal unterboten hat und bereits sechs deutsche Meistertitel im Freien aufweisen kann, und Katharina Trost. Die deutsche Hallenmeisterin Tanja Spill möchte erneut die „lachende Dritte“ sein. Hanna Klein ist die Favoritin im 1.500m-Lauf, Caterina Granz und Vera Coutellier ihre Herausforderinnen.

Krauses offene Rechnung

Im 5.000m-Lauf ist nach der Absage von Konstanze Klosterhalfen wegen Rückenschmerzens und Alina Reh wegen einer Fußverletzung Miriam Dattke die designierte Siegerin. Sie absolviert ihr Alternativprogramm, nachdem der DLV die Reise zum 10.000m-Europacup nach London gestrichen hat (siehe RunAustria-Bericht). Ein Jahr nach ihrer Aufgabe an selber Stelle will Gesa Felicitas Krause im 3.000m-Hindernislauf diese Scharte auswetzen und peilt ihren sechsten Meistertitel in ihrer Spezialdisziplin an.

2.000 Zuschauer am Samstag und Sonntag

Erfreulich ist, dass an zwei der drei Wettkampftage, nämlich Freitag und Samstag jeweils 2.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ins Eintracht Stadion in Braunschweig dürfen. Viele ehrenamtliche Helfer in regionalen Leichtathletik-Vereinen sowie Menschen, die in der Pandemie besonderen beruflichen Einsatz zeigten, sind in Genuss der Tickets gekommen.

Deutscher Leichtathletik-Verband