Chebets unfassbare Schlussrunde in Montreuil

Beatrice Chebet beim Gewinn des Junioren-WM-Titels im 5.000m-Lauf im Jahr 2018. © Getty Images for IAAF / Ben Hoskins

Die Schlussrunde, die Beatrice Chebet im 5.000m-Lauf des Meetings im nordfranzösischen Montreuil unweit von Paris, welches zur World Athletics Continental Tour (Bronze) zählt, auf die Laufbahn gezaubert hat, wird in die Geschichte des Meetings, welches zum zwölften Mal über die Bühne ging, eingehen. Eigentlich schien das Rennen längst entschieden. Kalkidan Gezahegne lag seit geraumer Zeit mit großem Vorsprung vor einer mehrköpfigen Verfolgergruppe, deren Rückstand beim Ertönen der Glocke in etwa vier Sekunden groß war, an der einsamen Spitze. Doch dann zündete die Junioren-Weltmeisterin im Crosslauf, im 5.000m-Lauf und am Freitagabend Siegerin des Diamond-League-Rennens über 3.000m in Doha (siehe RunAustria-Bericht) plötzlich den Turbo und schaltete mehrere Gänge hoch. Wie ein Hase bei der Aufholjagd gegen eine Schildkröte pirschte sich die 21-Jährige an die Führende heran und besiegte sie tatsächlich. Die Stimme des französischen Kommentators im Livestream überschlug sich vor Euphorie beinahe, das Wort „incroyable“ fiel dabei mehrfach wortgewaltig. Chebet siegte am Ende in einer Zeit von 14:52,06 Minuten (Schlussrunde geschätzt 60-hoch, Anm. d. Autors) vor Gezahegne, die in 14:52,92 Minuten nur knapp am bahrainischen Landesrekord von Maryam Yussuf Jamal vorbei schrammte.

Niyonsaba mit Olympia-Limit

Die zweite Geschichte dieses Rennens lieferte Francine Niyonsaba, in Rio noch Olympische Silbermedaillengewinnerin im 800m-Lauf. Die 28-Jährige darf bekanntlicherweise auf den Mittelstrecken aufgrund der neuen DSD-Regeln des Leichtathletik-Weltverbandes ohne Hormontherapie, die sie verweigernd ablehnt, nicht mehr starten. Daher erkannte sie im 5.000m-Lauf die einzige Chance auf eine Olympia-Teilnahme in Tokio und nutzte sie – als Vierte in 14:54,38 Minuten, womit sie ihren eigenen Landesrekord für Burundi pulverisierte. Beste Europäerin im Rennen war die Schwedin Meraf Bahta auf Rang acht knapp vor Landsfrau Sarah Lahti.

Lamote stürmt zum Olympia-Limit

Im 800m-Lauf zeigte die französische Lokalmatadorin Renelle Lamote einen Galaauftritt. Die 27-Jährige, der das Olympia-Limit (1:59,50, Anm.) noch fehlte, stürmte im 800m-Lauf zu einer fantastischen Siegeszeit von 1:58,65 Minuten. So schnell war die zweifache EM-Medaillengewinnerin letztmals vor fünf Jahren gelaufen. Lamote bestimmte die zweite Runde von vorne und setzte sich klar vor der Britin Ellie Baker, die eine persönliche Bestleistung von 1:59,54 Minuten markierte, und der Schwedin Lovisa Lindh durch. Im 1.500m-Lauf der Frauen war Hallen-Europameisterin Elise Vanderelst in der entscheidenden Phase voran, wurde aber nur Vierte. Denn Claudia Bobocea attackierte und sah wie die sichere Siegerin aus, ehe sie auf den allerletzten Metern des Wettkampfs noch vom starken Endspurt der Weißrussin Darya Barysevich abgefangen wurde – ein dramatisches Finish. Die 31-Jährige siegte in einer Zeit von 4:06,91 Minuten, ein neuer Meetingrekord.

Überzeugende Siege für Dobek und Kipsang

Auch bei den Männern gab es zwei spannende Entscheidungen. Im 800m-Lauf, den der am Ende drittplatzierte Kenianer Cornelius Tuwei in die entscheidende Phase führte, gewann Hallen-Europameister Patryk Dobek in einer neuen persönlichen Bestleistung von 1:44,76 Minuten. Mit einem flotten Endspurt hätte ihn beinahe Tuweis Landsmann Collins Kirputo noch eingeholt, der 0,04 Sekunden dahinter blieb. Serien-Europameister Adam Kszczot ist weiterhin ein Schatten seiner selbst und wurde Elfter und Letzter.

Im 1.500m-Lauf stürmte der Kenianer Abel Kipsang zu einem neuen Meetingrekord von 3:33,99 Minuten, gleichzeitig eine neue persönliche Bestleistung. Ihn begleiteten Landsmann Charles Simotwo und der Marokkaner Brahim Kaazouzi zur Siegerehrung.

Ergebnisse Meeting de Montreuil 2021

5.000m-Lauf der Frauen

  1. Beatrice Chebet (KEN) 14:52,06 Minuten *
  2. Kalkidan Gezahegne (BRN) 14:52,96 Minuten **
  3. Sheila Kiprotich (KEN) 14:54,06 Minuten
  4. Francine Niyonsaba (BDI) 14:54,38 Minuten ***
  5. Mercy Cherono (KEN) 14:54,70 Minuten

1.500m-Lauf der Frauen

  1. Darya Barysevich (BRL) 4:06,91 Minuten *
  2. Claudia Bobocea (ROM) 4:06,97 Minuten
  3. Edinah Jebitok (KEN) 4:07,52 Minuten
  4. Elise Vanderelst (BEL) 4:07,81 Minuten
  5. Britt Ummels (NED) 4:08,04 Minuten **

1.500m-Lauf der Männer

  1. Abel Kipsang (KEN) 3:33,99 Minjuten * / **
  2. Charles Simotwo (KEN) 3:34,56 Minuten
  3. Brahmin Kaazouzi (MAR) 3:35,20 Minuten
  4. Azzedine Habz (FRA) 3:35,75 Minuten **
  5. Michal Rozmys (POL) 3:35,91 Minuten **

800m-Lauf der Frauen

  1. Renelle Lamote (FRA) 1:58,65 Minuten
  2. Ellie Baker (USA) 1:59,54 Minuten **
  3. Lovisa Lindh (SWE) 1:59,87 Minuten
  4. Hanna Green (USA) 2:00,96 Minuten
  5. Angelika Sarna (POL) 2:01,18 Minuten

800m-Lauf der Männer

  1. Patryk Dobek (POL) 1:44,76 Minuten **
  2. Collins Kipruto (KEN) 1:44,80 Minuten
  3. Cornelius Tuwei (KEN) 1:45,37 Minuten
  4. Benjamin Robert (FRA) 1:45,74 Minuten
  5. Nasredine Khatir (FRA) 1:46,12 Minuten **

    11. Adam Kszczot (POL) 1:48,23 Minuten

Meeting de Montreuil

World Athletics Continental Tour