Heimische Olympia-Hoffnungen verwässern im Regen auf der S7

Eva Wutti und Valentin Pfeil beenden den S7 Marathon mit muskulären Problemen frühzeitig.

© ÖLV / Riedenbauer

Eva Wutti (SU Tri Styria) und Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr) haben ihren Traum von einer Olympia-Teilnahme im Sommer in Sapporo beim S7 Marathon nicht realisieren können. Im Dauerregen der Oststeiermark verloren beide früh die Zielzeiten von 2:29:30 bzw. 2:11:30 Stunden aus den Augen und beendeten den Marathon frühzeitig. Während für die Kärntnerin der erste große internationale Höhepunkt seit ihrem Umstieg aus dem Triathlon, den sie anvisiert hat, ohne sie stattfindet, scheint der Traum von Olympischen Spielen für den Oberösterreicher endgültig ausgeträumt.

Wuttis Kampf mit muskulären Problemem

Die Bedingungen hätten wahrlich besser sein können an diesem Pfingstsonntag auf einen kurzfristig organisierten Marathon auf einem noch nicht geöffneten Teilstück einer Schnellstraße. Obwohl sich der Veranstalter ursprünglich das ganze verlängerte Wochenende als Startmöglichkeit offen ließ, traf er mit der Entscheidung auf Sonntag ein ungünstiges Zeitfenster. Kaum standen die Läuferinnen und Läufer in der Startzone, fing es an auf die ohnehin schon nasse Straße zu regnen und machte die Aufgabe schwierig. Eva Wutti startete in ihrer Gruppe gut und passierte nach 35:19 Minuten die Zwischenzeit bei Kilometer zehn. Doch wenig später wurde die Gruppe etwas langsamer und schon nach halber Wegstrecke (Zwischenzeit 1:15:40) war die Chance auf das Unterbieten des Limits vorbei. „Schon bei Kilometer zwölf hatte ich mit muskulären Problemen zu kämpfen“, erzählte die 32-Jährige im Gespräch mit Andreas Maier vom Vienna City Marathon – das Regenwasser hatte die Muskulatur abgekühlt. Eine weitere Komponente entsprach nicht der Hoffnung: „Der Kurs hatte ein paar Rampen, die man runter und rauf laufen musste. Das habe ich nicht gut vertragen. Vom Organismus her war alles in Ordnung, aber muskulär ging es nicht besser heute.“

Kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer 30 ging die österreichische Co-Rekordhalterin aus dem Rennen. Es hätte keinen Sinn mehr gehabt, weiterzulaufen. Und haderte damit, dass ausgerechnet am Tag des einzig möglichen Marathonstarts für sie in diesem Frühling die Bedingungen so bescheiden waren.

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„Leider wurde es eine Regenschlacht“

Fast vergleichbar missglückte auch die letzte Olympia-Hoffnung für Valentin Pfeil. Als seine Gruppe den Halbmarathon in einer Zwischenzeit von 1:05:59 Stunden beendete und auf die zweite Streckenhälfte ging, standen die Zeichen schon ungünstig. Als der Österreicher seine Gruppe mit jenen Läufern, die letztendlich auf den Rängen zwei bis vier landeten, nicht halten konnte, war das Rennen gelaufen und der Ausstieg kurz vor Kilometer 30 die logische Folge. „Ich hatte gedacht, dass ich es im Training die letzten sechs Wochen sehr gut hinbekommen habe. Leider wurde es zu einer Regenschlacht“, sagte der 32-Jährige im Gespräch mit Andreas Maier. Das Rennen entwickelte sich gar nicht positiv, war von Anfang an einen Tick zu langsam, der Regen nahm dem Lauf die Entspanntheit. „Die Muskulatur war bei diesen Bedingungen unlocker, man läuft etwas verkrampfter.“ Es war Pfeils dritter Olympia-Versuch in den letzten beiden Monaten, immer unter suboptimalen Bedingungen. „Ich wollte es probieren, um mir nicht vorwerfen zu können, nicht alles versucht zu haben.“

Im Dauerregen

Er ist an seinem letzten großen sportlichen Ziel vorbeigeschrammt, er hat die Weichen hörbar Richtung spitzensportliches Karriereende gestellt. „Ich kann es fast noch nicht glauben, dass es das gewesen ist. Das Ziel der Olympia-Teilnahme ist nun weg, das hat mich die letzten Jahre angetrieben. Die Freude am Sport ist weiter da, aber es ist schwierig, vom Leistungssport zu leben.“ Der Pfingstsonntag auf der verregneten, unfertigen Schnellstraße – im trostlosen Nebel, vor Baufahrzeugen und Wäldern im Niemandsland – es war der negative Höhepunkt eines missglückten Lauffrühlings. Überall, wo Valentin Pfeil auftauchte, regnete und/oder windete es: in Dresden, in Siena, in der Steiermark. „Da frag man sich schon: Wo ist denn das Glück geblieben?“, litt Eva Wutti mit ihrem Landsmann mit. Für sich weiß sie es schon: „Irgendwann kommt es zurück!“

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Marathon-Sieger können nach Sapporo

Und so war der S7 Marathon aus heimischer Sicht einer mit einer besonders bedrückenden Atmosphäre. Aber nicht alle verließen die Steiermark enttäuscht, trotz der erschwerten Herausforderung. Cameron Levins stand unter hohem Druck, schließlich sahen in ihm alle einen Olympia-Fixstarter, als er 2018 in Toronto einen kanadischen Rekord lief, der noch gültig ist. Er musste die Zeit von 2:11 Stunden unterbieten, um ins kanadische Aufgebot zu rücken und tat dies auf eindrucksvolle Art und Weise, obwohl er fast die gesamte zweite Hälfte als Solist absolvieren musste. 2:10:14 Stunden, eine Leistung mit Ausrufezeichen und ein klarer Sieg mit über drei Minuten Vorsprung auf den polnischen Vize-Europameister von 2104, Yared Shegumo, der zweimal bereits das Olympia-Limit nur knapp verpasste, Reece Edwards aus Australien und den finnischen Debütanten Arttu Vattulainen.

Einen dramatischen Rennverlauf mit glücklichen Gesichtern gab es bei den Frauen. Früh hatte sich Hannah Lindholm abgesetzt und sah wie die sichere Siegerin aus. Doch im Finale fiel die 41-jährige Schwedin, die erst letzte Woche in Mailand eine Zeit von 2:31:05 Stunden gelaufen ist, auf Rang drei zurück und blieb sechs Sekunden über dem Olympia-Limit, das sie beim Sevilla Marathon 2020 allerdings schon unterboten hat. Zhanna Mamazhanova markierte in einer Zeit von 2:29:01 Stunden einen neuen kasachischen Landesrekord (bisher: Gulzhanat Zhanatbek) und darf wie die tschechische Debütantin Tereza Hrochova bei Nominierung durch das nationale Olympische Komitee zu den Olympischen Spielen fahren. Für sie beide hat der Auftritt im Marathonregen rentiert.

Nuihuijs und Deelstra mit „Hausrekord“ zum Sieg

Gute Leistungen gab es auch im Halbmarathon: Bei den Männern siegte der Däne Thijs Nuihuijs in einer persönlichen Bestleistung von 1:02:46 Stunden vor José Luis Santana aus Mexiko und seinen Landsmann Abdi Hakin Ulad. Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) blieb als Zwölfter nicht weit über seiner persönlichen Bestleistung (1:05:26). Christian Steinhammer (ULC Riverside Mödling) beendete auch den zweiten Wettkampf seines Lauffrühlings nicht. Bei den Frauen siegte die routinierte Holländerin Andrea Deelstra, die ihre persönliche Bestleistung um 25 Sekunden auf eine Zeit von 1:13:12 Stunden senkte, vor Martina Strähl aus der Schweiz und Loreta Kancyte aus Litauen.

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Ergebnisse S7 Marathon 2021

Männer

  1. Cameron Levins (CAN) 2:10:14 Stunden
  2. Yared Shegumo (POL) 2:13:20 Stunden
  3. Reece Edwards (AUS) 2:13:26 Stunden *
  4. Arttu Vattulainen (FIN) 2:13:29 Stunden **
  5. Maxim Raileanu (MDA) 2:13:40 Stunden *
  6. Blazej Brzezinski (POL) 2:18:14 Stunden
  7. Remigijus Kancys (LTU) 2:18:31 Stunden
  8. Flilip Vercruysse (BEL) 2:18:36 Stunden
  9. Nuno Lopes (POR) 2:18:43 Stunden
  10. Williams Julajuj (GUA) 2:19:27 Stunden

    DNF Valentin Pfeil (AUT)

Frauen

  1. Zhanna Mamazhanova (KAZ) 2:29:01 Stunden ***
  2. Tereza Hrochova (CZE) 2:29:06 Stunden **
  3. Hanna Lindholm (SWE) 2:29:36 Stunden
  4. Teresiah Omosa (KEN) 2:30:12 Stunden *
  5. Anja Scherl (GER) 2:32:26 Stunden
  6. Breege Connolly (IRE) 2:41:46 Stunden
  7. Remalda Kergyte (LTU) 2:43:076 Stunden
  8. Esma Aydemir (TUR) 2:43:33 Stunden
  9. Sylvanna Toledo (GUA) 3:03:23 Stunden

    DNF Laura Hottenrott (GER)
    DNF Eva Wutti (AUT)

Ergebnisse S7 Halbmarathon

Männer

  1. Thijs Nijhuis (DEN) 1:02:46 Stunden *
  2. José Luis Santana (MEX) 1:02:57 Stunden
  3. Abdi Hakin Ulad (DEN) 1:03:01 Stunden
  4. Filmon Abraham (GER) 1:03:39 Stunden *
  5. Jesus Arturo Esparza (MEX) 1:03:49 Stunden *

    9. Hendrik Pfeiffer (GER) 1:05:06 Stunden
    12. Manuel Innerhofer (AUT) 1:05:26 Stunden
    DNF Christian Steinhammer (AUT)

Frauen

  1. Andrea Deelstra (NED) 1:13:12 Stunden *
  2. Martina Strähl (SUI) 1:13:50 Stunden
  3. Loreta Kancyte (LTU) 1:14:23 Stunden *
  4. Michelle Pearson (AUS) 1:14:47 Stunden *
  5. Jana Soethout (GER) 1:17:21 Stunden
  6. Samira Schnüriger (SUI) 1:19:48 Stunden *
  7. Anny Wolter (LUX) 1:21:54 Stunden ****

* neue persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt
*** neuer kasachischer Landesrekord
**** Halbmarathon-Debüt

S7 Marathon