Letzte Olympia-Chance für Wutti und Pfeil

Eva Wutti bei den Österreichischen Marathonmeisterschaften 2020. © SIP / Thomas Kofler

Am Pfingstsonntag bietet ein vom Laufteam Run2gether um Obmann Thomas Krejci organisiertes Eliterennen im Marathon die letzte Chance, acht Tage vor dem Ablauf des Olympia-Qualifikationszeitraums im Marathon, auf den Olympia-Zug aufzuspringen. Die heimischen Olympia-Hoffnungen Eva Wutti (SU Tri Styria) und Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr) sind froh um diese Chance in einem zuweilen turbulenten Lauffrühling für sie. Beide zeigen sich wenige Tage vor dem kuriosen Laufevent auf der S7 (Start bei der Abzweigung von der A2) in der Nähe von Fürstenfeld am östlichen Rand der Steiermark zuversichtlich, die Nahziele von 2:29:30 Stunden bzw. 2:11:30 Stunden realisieren zu können. Die Rahmenbedingungen sind tatsächlich einzigartig: Die Laufstrecke auf der Schnellstraße ist nicht nur flach, durch eine Streckenführung mit Wenden wird für den Marathon fast das Maximum des erlaubten Gefälles (laut Regeln von World Athletics) ausgenützt und gleichzeitig die Maximaldistanz zwischen Start und Ziel für die offizielle Anerkennung der Zeiten eingehalten. Einschränkungen für den motorisierten Verkehr drohen keine, das neue Teilstück der Schnellstraße ist noch nicht eröffnet.
 
 
RunAustria-Tipp: Der S7 Marathon wird am Sonntag auf der Website von run2gether live übertragen (mit zwei Sprachoptionen)

© SIP / Thomas Kofler
 

Voller Fokus auf die Zeit

Um Platzierungen geht es bei diesem Event nicht, macht Eva Wutti klar. Ihr voller Fokus gilt der Marke von 2:29:30 Stunden: „Alles andere interessiert mich nicht.“ Diesen Fokus soll eine ganze Gruppe verfolgen, darunter die Deutsche Anja Scherl, die letzte Woche in Mailand abgebrochen hat, deren Landsfrau Laura Hottenrott sowie die Holländerinnenn Ruth van der Meijden, die vor fünf Wochen das Olympia-Limit auf die Sekunde genau erfüllt hat und aktuell die Nummer drei in der holländischen Reihenfolge des Qualifikationszeitraums ist, und Bo Ummels, sozusagen die Herausforderin ihrer Landsfrau. Die österreichische Marathonrekordhalterin zeigt sich im Gespräch mit RunAustria „vorsichtig zuversichtlich. Ich weiß, was ich kann. Letztendlich kommt es aber immer auf die Tagesform an, um die Erwartungshaltung auf den Punkt genau erfüllen zu können.“ Daher will sich Wutti ein so entspanntes und stressfreies Wochenende vor dem Lauf gestalten wie möglich.

Die Kärntnerin hatte ursprünglich, nachdem sie im Dezember Österreichische Meisterin im Marathonlauf geworden ist und den nationalen Rekord von Andrea Mayr eingestellt hat (2:30:43) einen Start beim Swiss Athletics Marathon in Bern im Visier. Dieser wurde wegen Schneefalls verschoben, der Reserveteam kam für Wutti aufgrund einer leichten Erkrankung ungelegen und der eigentliche Plan B mit einem Marathon in Deutschland im April erfüllte sich nicht, weil der Lauf nicht durchgeführt wurde. „Die ständige Umorientierung war sowohl mental als auch körperlich schwierig, weil das Volumen und die Intensität immer auf ein klares Ziel ausgerichtet ist“, erzählt sie.
 

Gute Generalprobe

In dieser Marathon-Vorbereitung absolvierte die 32-Jährige anfangs mehr Nüchterntraining, oft auf dem Ergometer, als früher. Nach diesem effizienten Grundlagentraining, wie sie bestätigte, absolvierte sie zum Ende der Marathonvorbereitung einen hohen Trainingsumfang und viele intensive Laufkilometer. „Laut Auswertung der Daten bin ich fit. Ich fühle mich in der Pace, die für Sonntag geplant ist, sehr wohl.“ Auch mit dem 5.000m-Lauf am vergangenen Samstag in Wien ist sie zufrieden. „Der Wettkampf hat sich angeboten, ich bin froh, ihn absolviert zu haben und habe mich im Rennen gut gefühlt. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn das eigene Empfinden exakt mit den Erwartungen des Trainers völlig übereinstimmen.“
 

Alle guten Dinge sind drei?

Um das Olympia-Limit zu erreichen, muss Wutti in der Steiermark ihre persönliche Bestleistung um mindestens 73 Sekunden steigern. Pfeil braucht eine Mindestverbesserung von 85 Sekunden, auch für ihn eine große Herausforderung. Ein interessantes Feld, eine Gruppe mit der klaren Zielsetzung, auf 2:11:30 Stunden anzulaufen („Das Ziel wird sein, so lange wie möglich ein ruhiges Rennen zu laufen.“) und das hohe persönliche Vertrauen in den Veranstalter bieten gute Rahmenbedingungen, die den Oberösterreicher kombiniert mit seinen Trainingsleistungen ebenfalls zuversichtlich für Sonntag stimmt. Es ist der dritte und letzte Pfeil, den er aus seinem Frühjahrsköcher zieht, nachdem in Dresden (Ausstieg nach Sturz) und Siena (nicht voll durchgelaufen) die ersten beiden Attacken auf das Olympia-Limit nicht gelangen. Und diese Vorgeschichte war auch die besondere Herausforderung für den WM-Teilnehmer von London 2017 in der Vorbereitung dieses Marathons.
 

© Jedermannlauf / Alexander Schwarz
 

Kleiner Marathonaufbau

„Die Differenz zwischen Dresden und Siena waren nur drei Wochen, von Siena bis am Wochenende waren es sechs Wochen. Das bedeutet, dieses Mal war ein kleiner Aufbau möglich. Damals ging es darum, die Form zu halten, dieses Mal konnte ich meine Form auch entwickeln“, erklärt der 32-Jährige. Die Erholung nach dem Marathon in Siena, bei dem er die letzten zehn Kilometer nicht voll durchgezogen hat, um nicht in die volle Erschöpfung zu laufen, sei grundsätzlich gut gelungen und es habe sich schnell ein gutes Gefühl eingestellt, mit viel Motivation die neue Chance am Schopfe packen zu wollen. „Ich habe schnell wieder in den Trainingsrhythmus hineingefunden und drei bis vier Wochen lang ein gutes Marathontraining absolviert.“ Leichte physische Probleme am Fuß, die Pfeil auf die lange Belastungszeit (Start der Marathon-Vorbereitung für Dresden war ja schon gleich nach den Marathon-Meisterschaften von Wien im Dezember, Anm.) zurückführt, hat er rechtzeitig in den Griff bekommen.

Er erwartet, dass sich am Sonntag eine Gruppe bildet, die auf 2:09 Stunden anläuft. Darin könnte sich auch der schnellste auf der Meldeliste, Augustino Paulo Sulle, der vergangenes Wochenende seinen Landesrekord für Tansania verloren hat, einfinden, dazu sein Landsmann Alphonce Simbu. Der 29-Jährige hat schon starke Spuren in der Marathon-Welt hinterlassen: Nach Rang fünf bei den Olympischen Spielen von Rio folgte WM-Bronze in London. Und wahrscheinlich auch der kanadische Rekordhalter Cameron Levins, der zwar das Limit noch nicht hat, aber die Zeit von Tristan Woodfine (2:10:51) unterbieten muss, um unter die Top-Drei seines Landes im Qualifikationszeitraum zu kommen. Ein ähnliches Problem hat etwa der Holländer Frank Futselaar. Eine zweite Gruppe orientiert sich strikt an einem Marschplan für 2:11:30 Stunden, in dieser Gruppe wird Pfeil laufen.
 

© Jedermannlauf / Christian Köhler
 

Mayer strebt nach neuerlicher Steigerung

Auf dem Programm neben den ultimativen Chancen für eine Olympia-Qualifikation stehen auch zwei Halbmarathonläufe mit spannender österreichischer Besetzung. Eine Woche nach ihrem Sprung auf Rang drei der österreichischen Bestenliste (1:12:52) will Julia Mayer (DSG Wien) in der Steiermark noch einmal schneller laufen, wie sie Andreas Maier, Medienverantwortlicher des Vienna City Marathon, vergangenes Wochenende verriet. Schnellste im Teilnehmerfeld ist die Schweizerin Martina Strähl, Marathon-EM-Siebte von Berlin 2018. Die Holländerin Andrea Deelstra, eine erfahrene Marathonläuferin, und die beiden Deutschen Thea Heim und Jana Soethout komplettieren die Top-Fünf der Meldeliste.

Bei den Männern bestreitet Christian Steinhammer (ULC Riverside Mödling) seinen ersten Wettkampf seit längerer Zeit und hofft auf die erste Zielankunft seit der Halbmarathon-WM im Oktober. Auch der amtierende Staatsmeister Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) ist am Start. Die schnellsten gelisteten Läufer sind Jose Santana aus Mexiko, Dickson Nyakundi aus Kenia sowie der Deutsche Hendrick Pfeiffer.

Der Veranstalter ließ lange offen, wann am Pfingstwochenende der Startschuss fallen soll. Die Wahl fiel gestern auf Sonntag (voraussichtliche Startzeit 9 Uhr), die Wetterprognose ist für alle Tage ähnlich. Für Pfeil, der mit dem Wetter in Dresden und Siena kein Glück hatte, ist sie ok: „Ende Mai ist die Gefahr groß, dass es zu heiß ist für Marathon. Das wird zumindest nicht der Fall sein.“