Golden Spike in Ostrava: Vojta an der Startlinie mit Cheptegei

© ÖLV / Alfred Nevsimal

Zwar reist Andreas Vojta (team2012.at) am Mittwoch nicht primär nach Ostrava, um dem Weltrekordhalter im 5.000m- und 10.000m-Lauf die Hand zu schütteln und ein nettes Autogramm wieder nach Gerasdorf zurückzubringen. Ein Erlebnis, mit einem derartigen Weltklasseläufer gemeinsam an der Startlinie zu stehen, ist es dennoch. Der Niederösterreicher hat nämlich kurzfristig seinen Startplatz für das Golden Spike Meeting in Ostrava wahrgenommen und geht dort im stark besetzten 3.000m-Lauf an den Start. Da sein Manager Alfons Junck Meeting Manager ist, konnte sich der 31-Jährige erlauben, erst nach dem Staatsmeisterrennen von Samstagabend (siehe RunAustria-Bericht) Bescheid zu geben.
 
 
RunAustria-Tipp: Das Golden Spike Meeting wird im Youtube-Livestream von World Athletics übertragen. Start der zweistündigen Übertragung ist 18 Uhr. Andreas Vojta geht plangemäß um 19:40 Uhr ins Rennen.
 

Andreas Vojta nach dem Staatsmeistertitel letztes Wochenende. © ÖLV / Alfred Nevsimal
 

Ostrava: ein guter Ort für Vojta

Das Golden Spike Meeting ist eines der Highlights der World Athletics Continental Tour Gold und das bis dato hochkarätigste Leichtathletik-Meeting des Jahres in Europa, nachdem die einzig höherrangige Meetingserie, die Diamond League, erst am Wochenende beginnt. Dass bei einem solchen Höhepunkt in der kontinentalen Meeting-Landschaft ein österreichischer Läufer am Start steht, ist selten genug, um es nicht positiv erwähnen zu müssen. „Als Athlet ist eine solche Startgelegenheit immer schön. Leider fehlen in diesem Jahr die Zuschauer. In Ostrava zu laufen vor 15.000 begeisterten Leuten auf den Tribünen war immer fantastisch!“ Die kleine gute zur schlechten Nachricht: 1.500 Zuschauer werden im Stadion sein, wie der Veranstalter letzte Woche bestätigte.
Vojta weiß, dass diese Chance begünstigt wird durch seine guten Kontakte zum Meeting in Ostrava. Sein Vorteil in diesem Fall ist oft ein Nachteil, denn der Zugang zu den besten Meetings Europas ist schwierig, wenn man a) nicht der Welt- oder absoluten Europaklasse angehört und b) man nie Lokalmatador ist (Meetings dieser Kategorie in Österreich gibt es, abgesehen vom Mehrkampfmeeting in Götzis, nicht). „Einen Startplatz bei einem anderen Meeting dieser Kategorie zu bekommen ist für mich sehr schwierig, und erst recht nicht drei Tage vorher“, gibt er zu. Umso wichtiger ist der Start für Vojtas Reputation, um seinen Namen international bekannter zu machen. Dass das Türen öffnet, zeigt etwa Vojtas geplanter Start beim 5.000m-Lauf in Nizza am 12 Juni. Veranstalter dort ist jenes Team, das den Straßenlauf von Monaco durchführt – wo Vojta in diesem Jahr einen österreichischen Rekord gelaufen ist.
Ostrava ist nicht nur deshalb ein guter Ort für Vojta, sondern das Mestsky Stadion war es auch aus sportlicher Sicht bereits des öfteren. Vor einem Jahr stürmte er in einem nahezu idealen Wettkampf zu einer persönlichen Bestleistung im 5.000m-Lauf: 13:24,03 Minuten, über zwölf Sekunden schneller als seine zweitbeste. 2014 lief er dort den immer noch aktuellen ÖLV-Rekord über 1.000m (2:18,06). 2011 schrammte er über 1.500m als Vierter an einer Medaille im Rahmen der U23-Europameisterschaften vorbei.
 

„Vermutlich nicht ganz vorne“

Für die Weltrangliste verspricht der Auftritt in Ostrava übrigens keinen großen Sprung. Denn nur eine Zubringerleistung aus der Nicht-Spezialdisziplin (im Falle des 5.000m-Laufs sind das Wettkämpfe über 3.000m und zwei Meilen) ist im Dreierschnitt der Punkteanzahl möglich, das heißt Vojta müsste seine Punkteanzahl des Hallen-Staatsmeistertitels von Linz (1.113) überbieten. Dafür ist eine deutliche Verbesserung seiner persönlichen Bestleistung im 3.000m-Lauf (7:53,81), die bereits sieben Jahre alt ist, notwendig. Eventuell kommen Zusatzpunkte über die Platzierung dazu. Welche Rolle der prognostizierte Regen dafür spielt, wird sich zeigen. „Vermutlich werde ich nicht ganz vorne landen“, scherzt Vojta präventiv angesichts der prominenten Konkurrenz. Unmöglich scheint ein Top-Acht-Platz in einem guten Rennen aber auch nicht.
 

Andreas Vojta auf dem Weg zu seiner 5.000m-Bestleistung vor einem Jahr in Ostrava. © ÖLV / Jean-Pierre Durand
Schritt eins in Vorbereitung auf Tokio für Cheptegei

Nicht nur Joshua Cheptegei läuft erwartbar in einer anderen Liga. Mit dem US-Amerikaner Paul Chelimi ist sogar ein Läufer im Feld, der einen besseren Vorwert mitbringt. Das liegt jedoch eher daran, dass jene des Uganders nicht dem Niveau seiner Bestleistungen auf längeren Distanzen entspricht. Dass mit Richard Douma und Stewart McSweyn, immerhin einer der Weltbesten im 1.500m-Lauf, zwei flotte Tempomacher engagiert worden sind, nährt die Erwartungshaltung, dass es der 24-jährige Cheptegei besonders eilig haben dürfte, ins Ziel zu kommen, um die neue Saison mit einem Paukenschlag zu eröffnen. Der Meetingrekord von 7:31,66 Minuten soll, einer älteren Aussendung nach zu urteilen, wohl das Minimalziel sein. Falls Fragen auftauchen: Der Weltrekord lieigt bei 7:20,67 Minuten, seit fast 25 Jahren gehalten vom Kenianer Daniel Komen.
Im Rennen stehen auch ein paar leistungsstarke Europäer: Der Belgier Isaac Kimeli, der zuletzt ein 10.000m-Rennen in Stockholm in überzeugender Leistung gewinnen und bei der Hallen-EM 2021 mit Silber über 3.000m glänzen konnte, der Spanier Abdessamad Oukhelfen oder der Ire Sean Tobin, der eine starke Hallensaison gelaufen ist und bei der EM in Torun Rang elf erzielte.
 

Kszczots erster Wettkampf nach der Enttäuschung von Torun

Wie aus der Vergangenheit bekannt, sind die Felder der Laufdistanzen in Ostrava immer gut besetzt. Gewissermaßen ist es der „richtige“ Startschuss in die kurze aber intensive europäische Wettkampfsaison bis zum Ende des Qualifikationszeitraums für die Olympischen Spiele am 29. Juni. Im 800m-Lauf feiert Adam Kszczot nach der Enttäuschung bei der Heim-Hallen-EM (Rang vier) seine Saisonpremiere im Freien und trifft auf namhafte Konkurrenz: seine Landsleute Patryk Dobek und Mateusz Borkowski, die Nummer eins und zwei in Torun, der Brite Jake Wightman, der Bosnier Amel Tuka, der Holländer Tony van Diepen, der Spanier Saul Ordonez und der junge Brite Max Burgin. Der angekündigte 1.500m-Champion Timothy Cheruiyot ist auf der aktuellsten Version der Startliste nicht aufgelistet.
Der 1.500m-Lauf mit einer Gruppe von Lokalmatadoren rund um Jakub Holusa verspricht ein enges Rennen im Kampf um eine Zeit von 3:35,00 (Olympia-Limit). Daraus stecken vier Läufer heraus: Ronald Musagala aus Uganda, der polnische WM-Medaillengewinner Marcin Lewandowski sowie die beiden Spanier Jesus Gomez und Ignacio Fontes.
 

Kiplimo braucht das Olympia-Limit

Auch Stars brauchen manchmal noch das Olympia-Limit, im Falle von Jacob Kiplimo ist das auf eine Saison zerstörende Verletzung im Jahr 2019 zurückzuführen und die „Wettkampf-Armut“ im ersten Pandemiejahr. Der zweite Superstar des ugandischen Laufsports, der in Tokio tatsächlich auch einer der größten Kontrahenten im Kampf um Olympisches Gold für seinen Landsmann Cheptegei sein könnte, hofft im 10.000m-Lauf von Ostrava auf ein flottes Rennen. Der Pfeil muss sitzen, ließ sein Management in ugandischen Medien ausrichten, schließlich braucht Kiplimo bis 29. Juni aus den selben Gründen auch noch das Limit im 5.000m-Lauf. Seine Siegesleistung in Ostrava 2020, als Vojta seine Bestleistung lief, zählt nicht – die Weltrangliste war ausgesetzt. Unabhängig des überragenden Talents des 20-Jährigen – Ugandas Verband hat in beiden Disziplinen noch Startplätze verfügbar.
Vier weitere Läufer neben dem klaren Favoriten haben eine Bestleistung unter 28 Minuten, Birhanu Balew sollte bei seinem ersten 10.000m-Lauf auf internationalem Niveau diese Leistungsfähigkeit auch bieten können.
 

Spannendes 800m-Feld und je eine deutsche Läuferin und Läufer

Im 800m-Lauf gehört die Schweizerin Lore Hoffmann, die zuletzt auf heimischem Boden zwei 600m-Rennen überraschend nicht gewinnen konnte, zu den schnellsten Läuferinnen im Feld. Außerdem kommen Hallen-Europameisterin Keely Hodgkinson, deren Freiluft-Bestleistung bei weitem nicht das Niveau der Hallenrennen hat, die Skandinavierinnen Hedda Hynne und Lovisa Lindh, die Polin Angelika Cichocka, Noélie Yarigo aus dem Benin und die äthiopische Junioren-Weltmeister Diribe Welteji für Spitzenplätze in Frage.
Die Deutsche Elena Burkard, die überraschend die Lange Laufnacht (siehe RunAustria-Bericht) ausgelassen hat, ist im 1.500m-Lauf am Start, der angeführt wird von Genzebe Dibaba und Winnie Nanyondo. Die Lokalmatadorinnen Simona Vrzalova und Diana Mezulianikova, am Samstag in Wien über 800m siegreich, haben ein Auge auf das Olympia-Limit von 4:04,20 Minuten geworfen. Für die Äthiopierin, die in dieser Disziplin Olympia-Zweite von Rio ist, wäre es der erst 1.500m-Lauf seit August 2019. Der zweite deutsche Lauf-Teilnehmer in Ostrava ist Martin Grau, der im 3.000m-Hindernislauf am Start steht, ein überwiegend europäisch geprägtes Rennen. Angeführt wird das Feld von Getnet Wale, der auf eine überraschend starke Hallensaison über 3.000m zurückblicken kann.
 
 
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