Vojta will wichtigen Schritt Richtung Tokio setzen

Bei den Staatsmeisterschaften im 5.000m-Lauf im Rahmen der Mid Summer Track Night will Andreas Vojta einen Schritt Richtung Olympia setzen. Für diese Ambition wurde ein homogenes, leistungsstarkes und internationales Teilnehmerfeld zusammengestellt. Auch sonst hat das Meeting in Wien einiges zu bieten.

Andreas Vojta bei seiner 5.000m-Bestleistung in Ostrava. © ÖLV / Jean-Pierre Durand

 

  • Staatsmeisterschaften im 5.000m-Lauf der Männer inkludiert in ein starkes internationales Feld
  • Günstige Gelegenheit für Andreas Vojta, um viele Punkte für die Weltrangliste zu sammeln
  • Mid Summer Track Night auch Austragungsort der Staatsmeisterschaften im 3.000m-Hindernislauf

 
Es war eine Entscheidung pro Andreas Vojta (team2012.at) und pro einer Möglichkeit, einen Bahnläufer zu den Olympischen Spielen nach Tokio entsenden zu können, die der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) getroffen hat. Indem er die Staatsmeisterschaften im 5.000m-Lauf vom traditionellen Staatsmeisterschaftstermin Ende Juni separierte und sie in den Rahmen der Mid Summer Track Night goss. Das Meeting im Wiener Prater findet heuer nicht wie der Name impliziert im Sommer, sondern bereits am kommenden Samstag statt. Meetingdirektor Christoph Sander, Sohn von Trainerroutinier Karl und selbst ehemals Läufer, hat mit seinen geschätzten Bemühungen, ein starkes internationales Feld nach Wien zu holen, ebenfalls an guten Rahmenbedingungen für Österreichs schnellstem Bahnläufer gearbeitet. Kein Wunder, dass Vojta sowohl den ÖLV als auch den Organisatoren ein Lob aussprach und sich dankbar zeigt. Zumal ihm bewusst ist, dass gerade Verpflichtungen ausländischer Läufer im gegenwärtigen Kontext und Verpflichtungen generell für dieses Meeting unter Einhaltung der geltenden österreichischen Verordnungen (maximal 200 Teilnehmer pro Session) gar nicht so einfach ist. „Wir sehen ein sensationelles Starterfeld. Ein so starkes über 5.000m gab es auf österreichischem Boden sicherlich seit einer Ewigkeit nicht mehr“, freut sich der 31-Jährige auf den Wettkampf, der am Samstagabend mit geplantem Startschuss um 20:05 Uhr über die Bühne geht.
 
 
RunAustria-Tipp: Die Mid Summer Track Night wird am Samstag, 15. Mai im Livestream auf streamster.tv übertragen. Die erste Session mit den Staatsmeisterschaften der Hindernisläuferinnen und Hindernisläufer, die zweite Session mit den Staatsmeisterschaften im 5.000m-Lauf.
 
 

Andreas Vojta bei seiner 5.000m-Bestleistung in Ostrava. © ÖLV / Jean-Pierre Durand
 

Homogenes Starterfeld

Vojta selbst hat auch mitgeholfen, dass ein möglichst starkes Feld über 5.000m realisierbar ist. Er machte in Kollegenkreisen über soziale Netzwerke Werbung für das Meeting. Im Wissen, dass europäische Athleten, die nicht zum Kreis jener gehören, die regelmäßig zu Diamond-League-Meetings oder hochkarätigen Continental-Tour-Meetings eingeladen werden, ein hohes Bedürfnis eines hochwertigen Bewerbs zu diesem Zeitpunkt der Saison haben. Diese kollektiven Bemühungen haben dazu geführt, dass Vojta mit seiner Bestleistung von 13:24,03 Minuten auf ein homogenes Feld in seinem Leistungsbereich trifft. Die Deutschen Mohamed Mohumed, Maximilian Thorwirth und Samuel Fitwi, der Kenianer Peter Kiprotich, die Belgier Lander Tijgat und Simon Debognies, der Franzose Etiénne Daguinos und der Portugiese Samuel Barata haben alle Bestleistungen im Bereich zwischen 13:20 und 13:40 Minuten. Dazu kommen noch der Deutsche Nils Voigt, frisch gebackener nationaler Meister im 10.000m-Lauf, und der in Schweden lebende Iraner Mohamed Reza, der auf drei Laufdistanzen iranische Rekorde hält. Beide könnten ihre Bestleistungen in Wien verbessern.
 

Deutsches Quartett jagt ebenfalls Olympia-Chance

Insbesondere die Präsenz von vier der besten fünf Deutschen bei den nationalen 10.000m-Meisterschaften vor zwei Wochen gibt dem Rennen eine hohe Bedeutung auch über die österreichischen Landesgrenzen hinaus. Denn nachdem Richard Ringer und Amanal Petros mittlerweile zum Marathon gewechselt sind, ist ein leichtes Vakuum entstanden. Mit Ausnahme des in den USA lebenden Sam Parsons ist dieses Quartett jenes, das für eine Olympia-Teilnahme infrage kommt. Voraussetzung: eine klare Bestleistung, um näher an das Limit heranzukommen. Maximilian Thorwirth, der seine Chancen für eine Olympia-Qualifikation auf 50/50 einschätzt und am Samstag eine Verbesserung Richtung 13:25 Minuten anstrebt, ist der einzige aus dem Quartett, der in der Weltrangliste vor Vojta liegt. Mit der besten Vorleistung hat aber möglicherweise Mohamed Mohumed die besten Karten in der Hand, die Form der letzten Wochen spricht für Voigt und Fitwi. Dem 5.000m-Lauf, aber auch etlichen anderen Disziplinen, in denen die Besten Österreichs am Start stehen seien Dank: Die fünfte Auflage der Mid Summer Track Night, gleichzeitig diesjähriger Auftakt der siebenteiligen Austrian Top Meetings, ist die am best besetzte der noch jungen Veranstaltungsgeschichte.
 
 

Das Laufprogramm der Mid Summer Track Night am 15. Mai 2021
  • 10:45 Uhr – 3.000m-Hindernislauf der Frauen – Staatsmeisterschaften (u.a. mit Lotte Luise Seiler)
  • 11:35 Uhr – 3.000m-Hindernislauf der Männer – Staatsmeisterschaften (u.a. mit Tobias Rattinger)
  • 17:35 Uhr – 1.500m-Lauf der Männer (u.a. mit Sebastian Frey)
  • 18:20 Uhr – 800m-Lauf der Frauen (u.a. mit Laura Ripfel und Caroline Bredlinger)
  • 19:15 Uhr – 5.000m-Lauf der Frauen – Staatsmeisterschaften (u.a. mit Julia Mayer und Sandrina Illes)
  • 19:40 Uhr – 5.000m-Lauf der Männer – national (u.a. mit Mario Bauernfeind und Markus Hartinger)
  • 20:05 Uhr – 5.000m-Lauf der Männer – international (u.a. mit Andreas Vojta)
 

Die Rechenspiele mit der Weltrangliste

Die Ambition für Andreas Vojta ist klar: erstens, den Staatsmeistertitel zu holen, zweitens, eine schnelle Zeit zu laufen. Diese Kombination bietet eine seltene Gelegenheit für viele Punkte für die Weltrangliste. Und die ist entscheidend für die Olympia-Qualifikation, falls weniger als das vorgesehene Maximalkontingent von 42 Athleten das Olympia-Limit von 13:13,50 Minuten (de facto gleichbedeutend mit dem österreichischen Landesrekord von Günther Weidlinger, 13:13,44) knacken. Für die Weltrangliste wird ein Punktschnitt der drei ertragreichsten Resultate aus den Jahren 2018, 2019 und 2020 genommen, aus Wettbewerben über 5.000m und 3.000m. Da die Weltrangliste im Sommer 2020 ausgesetzt wurde, zählt Vojtas Bestleistung aus Ostrava nicht, womit er mit dem Hallen-Meistertitel 2021 nur eine individuell richtig gute Leistung besetzt hat. Sprich, bei der Mid Summer Track Night kann er eine der beiden anderen registrierten Leistungen deutlich verbessern. Und muss er auch, soll eine Olympia-Qualifikation auf diesem Weg gelingen. Es ist eine Ambition, die bei einem Meisterschaftsrennen als Solist Ende Juni in Graz viel, viel schwieriger zu erreichen gewesen wäre als in einem international gut besetzten Rennen Mitte Mai.
 

Andreas Vojtas Weltranglistenposition
  • Welt: Platz 137 (Platz 67, wenn nur die drei besten pro Nation herbeigezogen werden)
  • Europa: Platz 37 (Platz 28, wenn nur die drei besten pro Nation herbeigezogen werden)
 
Das Rennen am Samstag ist auf eine Endzeit von 13:20 Minuten angelegt, die beiden Tempomacher sollen die Gruppe bei der Zwischenzeit bei Kilometer drei in exakt acht Minuten durchleiten. Mehrere Athleten im Feld haben die Ambition unter 13:30 Minuten zu bleiben. „Wir wollen Risiko gehen. Und dann hoffe ich, dass wir in der letzten Rennphase gemeinsam ein schnelles Rennen vollenden können. Es sind doch ein paar Leute auf ähnlichem Niveau dabei“, hofft der Niederösterreicher. Der primäre Fokus liegt auf einer schnellen Zeit, unter 13:30 Minuten soll es wegen den Weltranglistenpunkten auf jeden Fall werden. „Aber natürlich würde ich gerne gewinnen“, sagt Vojta. Nur der Deutsche Mohumed hat einen besseren Vorwert als der Lokalmatador. Einen Vorteil hat er gegenüber der Konkurrenz: Er konnte im Laufe der Woche bereits eine Trainingseinheit mit dem kenianischen Tempomacher absolvieren.
 

„Ich gehe mit Selbstvertrauen ins Rennen“

Vojta ist optimistisch, dass er seine Ziele realisieren kann. „Die Trainingsleistungen waren in jenem Bereich, in dem ich realistischerweise zu diesem Zeitpunkt sein wollte“, erklärte er. Der gute Fortschritt in den letzten Wochen stimmt zuversichtlich, er schätzt sich in einer ähnlichen Leistungsfähigkeit wie vor Ostrava 2020. „Ich gehe mit Selbstvertrauen ins Rennen, eine gute Leistung für die Olympia-Quali abzuliefern. Nicht mit Bauchweh und hoffen, dass es gut geht.“ Auch die Impfung, die der ÖOC letzte Woche für alle Olympia-Starter und potenziellen Olympia-Teilnehmer angeboten hat, hat keine Kerbe in seine Wettkampfvorbereitung eingeschlagen.
Weil mit 15. Mai der erste sehr wichtige Wettkampf des Jahres früher als gewohnt auf dem Programm steht, haben Vojta und sein Trainer Willy Lilge das Training angepasst. „Grundsätzlich war die Vorbereitung nicht gänzlich anders als in anderen Jahren, aber natürlich waren einige Trainings schärfer als zu diesem Zeitpunkt des Jahres üblich“, so der 31-Jährige. Dass gleich das erste Bahnrennen der Saison „sitzen“ sollte, vielleicht sogar muss, bereitet ihm keine Sorgen: „Ich bin kein Läufer, der viele Rennen zum eingewöhnen braucht. Ich weiß, dass ich aus dem Training heraus eine gute Leistung schaffen kann.“
 

Mayer Favoritin bei den Frauen

Im Kampf um den Staatsmeistertitel sollte Andreas Vojta, der ihn in den Jahren 2017 bis 2019 gewonnen hat und im letzten Jahr beim Sieg von Marathonläufer Peter Herzog (Union Salzburg LA) sich auf die kürzere Distanz fokussierte, konkurrenzlos sein. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn während alle Landsleute im ersten 5.000m-Lauf an den Start gehen, darunter die Medaillenanwärter Mario Bauernfeind (KUS ÖBV Pro Team) und Markus Hartinger (LTV Köflach), läuft Vojta im internationalen Feld, das ein schnelleres Rennen verspricht. Die nationalen Ergebnisse werden zusammengefasst.
Bei den Frauen ist Julia Mayer (DSG Wien) fünf Wochen nach den Österreichischen Meisterschaften im 10km-Straßenlauf, die sie souverän vor Sandrina Illes (Union St. Pölten) für sich entschied, die Favoritin, Illes wohl ihre stärkste Gegnerin. Interessant ist der Name Eva Wutti (SU Tri Styria) auf der Startliste, die acht Tage später ihren Angriff auf das Olympia-Limit in Marathon wagen will, bisher aber – auch aufgrund einer Erkrankung – keinen einzigen Testwettkampf absolviert hat.
 

Hindernislauf-Staatsmeisterschaften zur Mittagsstunde

Bereits in der ersten Session am späten Vormittag stehen die beiden Entscheidungen um die Staatsmeistertitel im 3.000m-Hindernislauf an. Klare Favoritin bei den Frauen ist Lotte Luise Seiler (KSV alutechnik), bei den Männern sind Tobias Rattinger (LAC Amateure Steyr) und Paul Stüger (KSV alutechnik) die aussichtsreichsten Kandidaten in einem Feld, das mit internationalen Startern aufgefüllt wurde.
Das Meeting beinhaltet zwei weitere Laufentscheidungen: Den 800m-Lauf mit sub-2-Minuten-Läuferin Katerina Halova aus der Tschechischen Republik und die jungen Laura Ripfel (ULC Weinland) sowie Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) als beste Österreicherinnen sowie ein 1.500m-Rennen der Männer mit dem tschechischen Favoriten Jan Sykora und Junior Sebastian Frey (DSG Wien) als erwartbar stärksten Lokalmatador.