Oliver Hoare bestätigt Winterleistungen in Eugene

Oliver Hoare hat mit einem überzeugenden Sieg bei nicht einfachen Bedingungen beim USATF Grand Prix in Eugene als dritter Australier die Qualifikationsvoraussetzungen für die Olympischen Spiele in Tokio erbracht. Adelle Tracey und Isaac Updike gelangen zwei große Überraschungen.

© World Athletics

 

  • Oliver Hoare bestätigt Winterleistung mit Start-Ziel-Sieg im 1.500m-Lauf
  • Adelle Tracey übertrumpft mit starkem Endspurt Jemma Reekie im Fotofinish
  • Weltjahresbestleistung dank klarer neuer persönlicher Bestleistung für Isaac Updike

 

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Als Oliver Hoare, von allen Ollie gerufen, am 13. Februar von der Laufbahn des Ocean Breeze Athletics Complex in New York stapfte, durchforsteten Journalisten flächendeckend ihre Quellen. 3:32,35 Minuten, ein fetter australischer Hallenrekord – das war ein Ausrufezeichen. Aber Hoare, der an der University of Wisconsin studiert, in der Höhe von Boulder lebt und unter dem ehemaligen Topläufer Dathan Ritzenhein trainiert, war ein No-Name auf internationalem Parkett. Im Sommer 2020 war er einmal im 1.500m-Lauf unter 3:35 Minuten geblieben, bei einem Wettkampf in Nashville. Ansonsten gab es keine Vorzeichen für eine derartige Leistungsexplosion. Der 24-Jährige war einer der großen Phänomene einer mit außergewöhnlichen Leistungen zugepflasterten Hallensaison. „Als Season Opener war das ein verrücktes Rennen“, sagte der Aussie damals. Aber man habe in Scottsdale in Arizona den ganzen Winter sehr gut trainiert und das Olympia-Limit von 3:35 Minuten habe man schon erwartet. Auch dieses Selbstbewusstsein des Sohns von Greg, ebenfalls ein Läufer, allerdings ohne internationale Erfolge, erstaunte allerseits.
 

Top-Aussie-Trio

Nun hat er seine neue Leistungsfähigkeit bestätigt. Mit einer eindrucksvollen Selbstverständlichkeit, ohne jemals einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, designte Hoare mit Hilfe des Tempomachers Craig Nowak einen feinen Start- und Zielsieg in einer Freiluft-Bestleistung von 3:33,54 Minuten. Beim USATF Grand Prix in Eugene, einem Meeting der World Athletics Continental Tour der Stufe Gold. Bei Regen und Wind.
Es war eine deutliche Antwort auf die australischen Meisterschaften am vergangenen Wochenende, als Jye Edwards Stewart McSweyn mit einer Bestleistung von 3:33,99 Minuten schlug. Australien hat jetzt, drei Monate vor den Olympischen Spielen, drei sub-3:34-Läufer in dieser Disziplin. Gegen seine Landsleute ist Hoare aber Pandemie bedingt schon lange nicht mehr gelaufen. Die nationalen Meisterschaften in seiner Heimatstadt Sydney ließ er aufgrund der verpflichtenden Hotel-Isolation bei Einreise nach Australien (auch für Staatsbürger) aus. Diese Tortour hatte er laut einem Feature über ihn auf der Website von World Athletics bereis im vergangenen Jahr durchgemacht. Bei der Heimreise, um seine Aufenthaltsgenehmigung für seine Wahlheimat USA zu verlängern.
 

Brazier spurtet auf Rang drei

In Eugene profitierte der Kanadier Justyn Knight als einziger von der Renngestaltung Hoares. Der 24-jährige Kanadier, der eher auf den längeren Distanzen unterwegs ist, verbesserte in einer Zeit von 3:35,85 Minuten seine persönliche Bestleistung knapp. Als einziger im Feld war er das Tempo von Hoare mitgegangen, erst auf der letzten Runde tat sich die Lücke von über zwei Sekunden auf. Von den beiden US-Stars im 800m-Lauf versuchte Bryce Hoppel mitzugehen, verpasste den Anschluss aber und hing eine Zeit lang zwischen Spitzenduo und Rest des Feldes. Eine verzwickte Lage aus einer missglückten Taktik, die ihm Kraft raubte und im Finale bis auf Rang neun zurückfallen ließ. Bei der Glocke war Hoppel noch Dritter, es war dennoch seine beste Wettkampfzeit in einer Disziplin, die er eigentlich kaum kennt.
Da ging die Taktik von 800m-Weltmeister Donavan Brazier, der wie Hoppel zum dritten Mal in dieser Distanz bei einem Wettkampf an den Start ging (bei Hoppel kommen noch ein paar Meilenrennen dazu), besser auf. Er hielt sich lange in der großen Gruppe zurück und zog in der zweiten Rennhälfte das Tempo an. Platz drei in 3:37,58 Minuten. Seine Schlussrunde von 56,14 Sekunden wurde nur vom jungen Hobbs Kessler und von Sam Praskel knapp unterboten, war aber eine Sekunde schneller als jene von Hoare und fast drei Sekunden schneller als die Schlussrunde von Knight.
 

Tracey und die Überraschung des Abends

Wer auf ein schnelles 800m-Rennen aufgrund der starken Besetzung gesetzt hatte, irrte sich. Kurz vor dem Start einsetzender Regen könnte ein Grund für die viel vorsichtigere Herangehensweise des Feldes gewesen sein, Tempomacherin Alexa Efraimson bemühte sich für die Galerie. Dabei hatte sie die erste Runde nur in 59,33 Sekunden absolviert, „nur“ im Vergleich zur vorher kommunizierten 57er Zeit. Dennoch war sie allein auf weiter Flur, Sammy Watson folgte fast zweieinhalb Sekunden später. Angesichts dessen liefen die Top-Fünf einen für diese Disziplin untypischen Negativ-Split. Es entwickelte sich das erwartete Duell zwischen Raevyn Rogers und Jemma Reekie. Die Britin platzierte sich auf der Gegengerade innen, die Vize-Weltmeisterin setzte sich daneben und die Kanadierin Melissa Bishop, die eigentlich das Olympia-Limit von 1:59,50 Minuten attackieren wollte, touchierte fast Bahn drei. So kompakt war die Gruppe nach 550 Metern noch.
Reekie verteidigte die Innen- und Spitzenposition und führte das Feld auf die Zielgerade. Die US-Amerikanerin ging früh ins Hohlkreuz, auf Bahn zwei laufend kam sie nicht mehr näher an die Schottin heran. Diese sah wie die sichere Siegerin aus, gewann aber nicht. Mit einem potenten Schlussspurt saugte sich die in den USA lebende Britin Adelle Tracey auf der Innenbahn heran, kreuzte nach dem Überholmanöver gegen Rogers auf die zweite Bahn und streckte ihre Brust gerade so an Reekie vorbei. 2:03,25 zu 2:03,26, ein knapper Sieg, der erst im Fotofinish deutlich wurde.
Die eine Hundertstelsekunden war übrigens 1.000 US-Dollar Wert, denn bei Meetings der World Athletics Continental Tour Gold, in dessen Serie der USATF Grand Prix von Eugene das erste Meeting der Saison war, gibt es 3.500 US-Dollar für die Siegerin, 2.500 für die Zweite, 1.500 für die Dritte. Außerdem verdienen auch die Positionierten von vier bis sechs noch 1.100, 800 und 600 US-Dollar Preisgeld. Rogers sicherte sich in 2:03,89 Minuten übrigens gerade noch vor Bishop und Baker den dritten Platz, bleibt aber im direkten Duell mit Reekie sieglos (0:3).
 
 

Siegreiches und windiges Time Trial für Muir

Im 1.500m-Lauf der Frauen wartete Laura Muir erst gar nicht auf Tempomacherin Laurence Cote und wählte ihr eigenes Tempo für einen für einen Saisoneinstieg eindrucksvollen Sololauf zum Sieg. Am Ende fiel eine Zeit von 4:01,54 Minuten in die Wertung, die zweitschnellste Leistung der Saison hinter Linden Hall. Im Kampf um den Sieg hatte die Schottin, die nachher sagte, dass bei diesem Wind keine sub-4-Zeit möglich war, aber keine Fragezeichen aufkommen lassen, bereits in der zweiten Runde hatte sie einen klaren Vorsprung, zur Halbzeit lagen rund vier Sekunden zwischen der Führenden und der für die Verfolgerinnen arbeitende Pacemakerin. Obwohl die Schlussrunde die sichtlich erschöpfte 27-Jährige an ihre Grenze brachte, wurde der Abstand kaum geringer. Helen Schlachtenhaufen (4:04,36) und Cory McGee (4:05,00) belegten die Ränge zwei und drei, Jennifer Simpson konnte in ihrem ersten 1,500m-Lauf seit 14 Monaten nicht überzeugen und wurde in einer Zeit von 4:10,07 Minuten desolate Neunte.
 

McColgan dominiert nach Hulls Ausstieg

Einen schottischen Sieg gab es auch im 5.000m-Lauf durch Eilish McColgan. Nachdem die favorisierte, in Oregon stationierte Australierin Jessica Hull ziemlich genau zu Halbzeit des Rennens als vom ersten Meter an Führende aufgab, vollendete die 30-Jährige, die Hull bis dato auf den Fersen blieb, einen Alleingang in einer Zeit von 14:52,44 Minuten – ihre schnellste Zeit seit den Weltmeisterschaften von Doha, als sie Rang zehn erreichte. Zu Rennmitte hatte die Schottin etwa drei Sekunden Vorsprung auf ihre britische Landsfrau Amy-Eloise Markovc, der Abstand vergrößerte sich rasch auf acht Sekunden nach 3.000 Metern. McColgan hatte noch Energie übrig für den schnellsten Kilometer ihres Rennens – 2:52,06 für den finalen. Abby Cooper, die die Hallen-Europameisterin im 3.000m-Lauf gut eineinhalb Kilometer vor dem Ziel überholte, wurde in 15:13,27 Minuten Zweite.
Einen ereignisreichen Wettkampf brachten die zwei Stadionrunden bei den Männern. Sam Ellison warf den Federhandschuh hin, als er am Ende der ersten Runde als einziger versuchte, dem Tempo des Pacemakers zu folgen. Isaiah Harris ließ sich locken und setzte sich in den Windschatten. Doch auch Harris, der in der letzten Kurve die Führung übernahm, war nicht der Sieger. Mit dem deutlich besten Endspurt setzte sich der Kenianer Michael Saruni in einer Zeit von 1:46,64 Minuten vor Harris (1:46,92) durch. Der Australier Charlie Hunter wurde in persönlicher Freiluft-Bestleistung von 1:47,20 Minuten Dritter, er war in der Halle bereits deutlich schneller gelaufen.
 

Überraschungssieg über die Hindernisse

Neun der zehn besten Läufer bei den US-Meisterschaften 2019 traten im 3.000m-Hindernislauf der Männer an und zwei Runden vor Schluss schien das Rennen den normalen Verlauf zu nehmen. Hillary Bor, der den US-Titel damals gewann, übernahm die Führung. Das Blatt wendete sich mit dem Glockenton, als Isaac Updike mit einer Beschleunigung in Führung ging und diese Position bis zum Ziel nicht mehr hergab. In einer klaren Weltjahresbestleistung von 8:17,74 Minuten blieb er wie der zweitplatzierte Mason Ferlic (8:18,49) deutlich unter dem Olympischen Limit von 8:22 Minuten, beide freuten sich über deutliche persönliche Bestleistungen. Updike steigerte sich um siebeneinhalb Sekunden gegenüber seiner Bestleistung aus dem Jahr 2018, Ferlic verbesserte seinen fünf Jahre alten Bestwert um drei Sekunden. Bor musste sich mit Rang drei, Stanley Kebenei, wie Bor WM-Teilnehmer 2019, gar mit Rang sieben zufrieden geben. Das Timing war für die Hindernisläufer perfekt – unmittelbar nach ihrem Wettkampf setzte der Regen ein.
 

Leichtathletik modern in Eugene

Über 100 Jahre lang reifte das Hayward Field in Eugene zu einem der ehrwürdigsten Sportstadien der Welt. Vom nostalgischen Stadion ist nun nicht mehr viel übrig. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, die laut Informationen des Wall Street Journal knapp 225 Millionen Euro gekostet haben, ist das Hayward Field nun eine moderne Leichtathletik-Arena, die bei den Weltmeisterschaften 2022 unter Einsatz von temporären Tribünen bis zu 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz geben wird (bei knapp 13.000 fixen Tribünenplätzen). Auch ansonsten wird am Komplex viel geboten, die College-Studierenden der University of Oregon dürften sich in einem Paradies fühlen. Finanziert wurde das Projekt übrigens ausschließlich durch private Spenden. Das im US-Bundesstaat Oregon ansässige Sportartikelimperium Nike dürfte daran nicht unbeteiligt gewesen sein.
 
 

Ergebnisse USATF Grand Prix 2021 in Eugene

800m-Lauf der Frauen
1. Adelle Tracey (GBR) 2:03,25 Minuten
2. Jemma Reekie (GBR) 2:03,26 Minuten
3. Raevyn Rogers (USA) 2:03,89 Minuten
4. Melissa Bishop (CAN) 2:04,18 Minuten
5. Olivia Baker (USA) 2:04,23 Minuten
6. Kate Grace (USA) 2:04,55 Minuten
 
800m-Lauf der Männer
1. Michael Saruni (KEN) 1:46,64 Minuten
2. Isaiah Harris (USA) 1:46,92 Minuten
3. Charlie Hunter (AUS) 1:47,20 Minuten *
4. Erik Sowinski (USA) 1:47,73 Minuten
5. Sam Ellisson (USA) 1:47,75 Minuten
6. Guy Learmonth (GBR) 1:48,22 Minuten
 
1.500m-Lauf der Frauen
1. Laura Muir (GBR) 4:01,54 Minuten
2. Helen Schlachtenhaufen (USA) 4:04,36 Minuten
3. Cory McGee (USA) 4:05,00 Minuten
4. Dani Jones (USA) 4:05,27 Minuten *
5. Nikki Hiltz (USA) 4:05,84 Minuten
6. Lucia Stafford (CAN) 4:08,25 Minuten

9. Jennifer Simpson (USA) 4:10,07 Minuten
11. Marta Pen Freitas (POL) 4:20,56 Minuten
 
1.500m-Lauf der Männer
1. Oliver Hoare (AUS) 3:33,54 Minuten *
2. Justyn Knight (CAN) 3:35,85 Minuten *
3. Donavan Brazier (USA) 3:37,58 Minuten
4. Sam Prakel (USA) 3:37,74 Minuten
5. Talem Franco (USA) 3:39,19 Minuten
6. Hobbs Kessler (USA) 3:40,46 Minuten
7. John Gregorek (USA) 3:40,89 Minuten
8. Geordie Beamish (NZL) 3:41,84 Minuten
9. Bryce Hoppel (USA) 3:42,62 Minuten *
 
3.000m-Hindernislauf der Männer
1. Isaac Upbike (USA) 8:17,74 Minuten * / **
2. Mason Ferlic (USA) 8:18,49 Minuten *
3. Hillary Bor (USA) 8:22,55 Minuten
4. Obsa Ali (USA) 8:22,81 Minuten *
5. John Gay (CAN) 8:23,96 Minuten *
6. Alex Rogers USA) 8:27,29 Minuten *
7. Stanley Kebenei (USA) 8:30,57 Minuten
 
5.000m-Lauf der Frauen
1. Eilish McColgan (GBR) 14:52,44 Minuten
2. Abbey Cooper (USA) 15:13,27 Minuten
3. Amy-Eloise Markovc (GBR) 15:17,13 Minuten
4. Edna Kurgat (USA) 15:18,35 Minuten *
5. Natalia Hawthorn (CAN) 15:18,67 Minuten *
6. Sara Hall (USA) 15:22,55 Minuten

DNF Jessica Hull (AUS)
 
* neue persönliche Bestleistung
** neue Weltjahresbestleistung
 
 
US-amerikanischer Leichtathletik-Verband
World Athletics Continental Tour