Symbolkräftig

Symbolkräftiges auf dem Flugfeld Twente in Enschede: Einzigartige Symbiose aus Läuferinnen und Läufern mit den geparkten Jumbos. © NN Running Team / Johan Manders

Symbolkräftig – der Großmeister ist zurück. Eliud Kipchoge lief in einem speziell auf ihn zugeschnittenen Marathon in 2:04:30 Stunden Weltjahresbestzeit. Erstmals seit seinem Weltrekord in Berlin 2018 steht er wieder auf Platz 1. 2019 war sein Dauerkonkurrent Kenenisa Bekele (ETH) vor ihm und 2020 fehlten auf den Jahresbesten Evans Chebet (KEN) nach dem ihm weniger gut geglückten London Marathon gar 3:49 Minuten auf die Spitzenposition. „Mission accomplished“ meinte ein zufriedener Kipchoge nach seinem Befreiungsschlag. „Er ist wieder da, wo er hingehört“ titelt das kenianische Blatt TheStandard. Für die Olympischen Spiele in Japan gilt er als Topfavorit auf Gold im Marathon. Nach dem Äthiopier Abebe Bikila (1964 & 1968) und dem im DDR-Sport geförderten Waldemar Cierpinski (1976 & 1980) könnte er erst der dritte Olympiasieger werden, der seinen Titel verteidigt.

Symbolkräftig – riesige, geparkte Flugzeuge. Schon in den Vorberichten zum NN Mission Marathon, der ursprünglich in Hamburg geplant war, kurzfristig aber auf den Flughafen Twente bei Enschede verlegt werden musste, fielen mir die Jumbos im Hintergrund auf. Die Läuferinnen und Läufer wirkten bei den Streckenbesichtigungen neben den Großraumflugzeugen wie Ameisen. Sechs Boeing 747-400 waren im letzten Jahr dort abgestellt worden. Die wollte die Lufthansa wieder abholen, um sie in den USA verschrotten zu lassen. Allerdings fehlte für den Start dieser Ungetüme dem Twente Airport die dafür nötige Genehmigung: Die Maschinen waren zu schwer. Sie durften zwar landen, aber nicht mehr starten – eine Reise ohne Wiederkehr sozusagen.
Ein Bild, dass zur derzeitigen Situation im Wettkampfsport passt. Große Marathons sind kaum möglich. Somit konzentrieren sich einige Veranstalter auf Einladungsrennen oder virtuelle Ausgaben. Vergleicht man die Stimmung auf Flugfeldern wie zuletzt im italienischen Siena oder in Enschede mit dem Flair von City-Events in New York, London, Berlin oder Wien, macht uns der Vergleich sicher: In solch stimmungsloser, trostloser Atmosphäre soll schon bald niemand mehr laufen müssen. Der Laufsport eroberte in mehr als einem halben Jahrhundert weltweit die Städte. Dorthin soll er auch so bald wie möglich wieder zurückkehren. Das wünschen wir uns. Dafür scharren wir auch in Salzburg in den Startlöchern – zum Teil mit ganz neuen, spannenden Konzepten.

Symbolkräftiges auf dem Flugfeld Twente in Enschede: Einzigartige Symbiose aus Läuferinnen und Läufern mit den geparkten Jumbos.
© NN Running Team / Johan Manders

Mittlerweile erteilte in den Niederlanden die zuständige Ministerin per einmaligem Sondererlass den Jumbos eine Starterlaubnis. Auf solch Erlaubnis hoffen auch wir. So wie diese Königinnen der Lüfte bald wieder abheben dürfen, so wollen auch wir – fliegen. Mit vollbesetzten Starterfeldern dahinschweben. Das wäre doch eine symbolkräftige Handlung. Nicht wahr?
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Dein RunAustria Headcoach
Johannes Langer