Laufen darf Spaß machen

© RunUp / Johannes Langer

Furchterregend! Unlängst kommt mir auf dem Treppelweg an der Salzach ein heftig schnaufendes, fast röchelndes Wesen mit hochrotem Kopf entgegen, das aufgrund der enormen Vorlage bei jedem Laufschritt hinzufallen droht. Ob sich dieses sich dahin quälende Wesen bewusst ist, das Laufen auch ein Vergnügen sein darf?

Laufen macht Spaß. Würde diese Feststellung auf mich als Hobbyläufer nicht zutreffen, würde etwas grundlegend falsch laufen. Ein freudvolles Laufen soll vielseitig ausgerichtet sein. Das betrifft die Wahl der Trainingsstrecken, vor allem aber die inhaltliche Ausrichtung. Wer die immer gleiche Runde im immer gleichen Tempo bewältigt, spürt bald, das die Bewegungslust kaum gesteigert wird, sondern eher stark nachlässt.

Am schönsten ist es, einfach loszulaufen und die direkte Umgebung auf immer neuen Streckenvarianten zu entdecken. So mache ich es. Ich variiere die Strecken und gleichzeitig die Distanzen. Was ich hin und wieder damit gerne verbinde, sind kleine intervallartige Belastungen, die sich manchmal durch das Gelände, manchmal durch bewusste Tempowechsel ergeben. Diese Abwechslung genieße ich genauso wie die ganz „normalen“ Dauerläufe oder die langsamen, langen Läufe. Viele können sich das gar nicht mehr vorstellen, aber das geht sogar ohne Pulsuhr oder irgendeinen anderen „Bordcomputer“. Achtung, jetzt wird’s noch schlimmer! Ich laufe selten, aber manchmal im Baumwoll-Shirt. Einfach so. Und natürlich ist Funktionsware sinnvoller.

Was ich aber bin, ich bin ein großer Freund des Aufwärmens vor dem Lauf. Eine kleine WarmUp-Routine einzubauen reicht dafür schon. Einfach ein wenig beugen und strecken, die Beine ein bisschen ausschwingen. Es tut gut, es langsam anzugehen und dann ein bisschen dynamischer zu werden: fünf Minuten flott gehen, dann ein bisschen aktivierende Übungen und loslaufen. Perfekt!

Was mir trotz allem Wissen immer wieder passiert, dass ich manchmal viel zu schnell unterwegs war. Obwohl ich diesen Umstand schon verbessern konnte, mit der Geschwindigkeit habe ich auch heute noch meine liebe Mühe. Gar nicht so leicht, absichtlich langsam zu laufen. Da sehe ich nicht nur ein gewisses Leistungspotential für mich, sondern auch eine zusätzliche gesundheitliche Komponente. Zum Einbremsen und individuell Einpendeln sind die von mir vorhin gescholtenen Tracker dann doch wieder gut.

Die Herausforderung, ruhig laufen zu können, habe ich in unserem Club RunAustria für diesen April als „sub130-Challenge“ ausgerufen. Dabei lade ich alle ClubFreunde ein, eine Dreiviertelstunde ganz ruhig zu laufen. Bei vielen Läuferinnen und Läufern entwickeln solch ökonomische Einheiten ganz neue Fähigkeiten. Ich weiß schon, 130 sind nicht für alle eine gute Richtzahl. Es geht aber ums ruhig laufen. Gerade für die besonders Ehrgeizigen ist das eine ganz schwierige Prüfung. Die Effekte fördern aber oft Überraschendes zutage. 

Das alles ist nicht so schlecht, aber: hinterfrag nicht immer, ob du zu schnell oder zu langsam bist? Denn, wenn man versucht Spaß zu haben, macht man schon viel richtig. Dann läuft man nicht automatisch zu schnell, man läuft erstmal locker und überhaupt: „es läuft!“ Wer sich zu viele Gedanken über das eigene Tun macht, bewegt sich nicht locker genug. Man spürt dann auch nicht so intensiv, wie toll das Laufen an sich ist. Es ist besser, erst einmal bei sich zu bleiben. Wenn ich merke, ich ringe mit der Luft, dann gehe ich halt einfach und genieße die Natur bei wohltuender Bewegung. Und dann laufe ich wieder ein Stück weiter. 

Was man aber nie aus den Augen verlieren soll: Abwechslung tut gut und entwickelt uns weiter. Um vielseitig zu trainieren und nicht im Vielerlei die Orientierung zu verlieren, kann eine Zusammenarbeit mit Trainern sehr sinnvoll und zielführend sein. Nach einem persönlichen Trainingsplan zu laufen bringt oft die positivsten Effekte. Laufen kann mit Plan mitunter sogar noch mehr Spaß machen. Zumindest sorgt er für eine regelmäßige Abwechslung und lässt einen immer neue Erfahrungen machen. Der eine oder andere Wettkampf kann dann ebenfalls gut ins persönliche Konzept passen.

Aber, zunächst gilt: In Bewegung bleiben hat oberste Priorität. Mit oder ohne Plan, Marathon oder Juxrennen, bei Regen oder Sonnenschein. Nichts wie runter von der Couch und ab in die Natur. Nur, wenn wir In Bewegung bleiben, tun wir unserem Körper einen Gefallen. Hinzu kommt das gute Gefühl im Kopf, etwas Sinnvolles und meist Gesundes zu tun. Wenn man mit sich selbst glücklich ist, hat man außerdem eine gute Voraussetzung, sich zu verbessern. 

Achte auf deine Gesundheit, beweg dich und lebe dein Leben!
Dein RunAustria Headcoach
Johannes Langer