Tanui erstaunt, Ringer überzeugt

Angela Tanui pulverisierte auf dem Flugplatz von Ampugnano die schnellste je auf italienischem Boden erzielte Marathonzeit. Bei den Männern beeindruckte Richard Ringer, der dank einer starken zweiten Marathon-Hälfte eine deutliche Bestleistung schaffte.

© Grana / Tuscany Camp

 

  • Angela Tanui brilliert mit schnellster je auf italienischem Boden erzielter Marathonzeit
  • Halbmarathon-Star Eric Kiptanui gewinnt Marathon der Männer
  • Richard Ringer gelingt großer Schritt zu den Olympischen Spielen

 

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Eine halbe Stunde verlegte der Veranstalter den Start aus wettertechnischen Gründen nach hinten – besser sollte es nicht werden. So viel Flexibilität hatte er aufgrund der Prognose mit Wind und Regen von den Athletinnen und Athleten präventiv eingefordert. Es mag geholfen haben, aber während aus einer Jagd auf die schnellste je auf italienischem Boden erzielte Marathonzeit bei den Männern nichts wurde, fabrizierte der Wettkampf auf einem rund fünf Kilometer langen Rundkurs auf dem Gelände des Flugplatzes Ampugnano nahe Siena eine fantastische Siegerzeit bei den Frauen. Wie so oft bei schwierigen Bedingungen, profitieren die meist klein gewachsenen Eliteläuferinnen von den breiten Rücken der männlichen Tempomacher im Unterschied zu männlichen Eliteläufern enorm, weil sie besser und flächengrößer vom Wind geschützt sind. 2:20:08 Stunden – damit schaffte Angela Tanui einen Leistungssprung um über fünf Minuten. Neun Minuten schneller als bei ihrem ersten Marathon in diesem Jahr, Mitte Jänner in Dhaka, als sie ebenso als Erste im Ziel war.
 
 
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Der lang ersehnte Durchbruch mit Topzeit

Seit Jahren ließ die mittlerweile 28-Jährige, 2019 Zweite beim Vienna City Marathon in 2:25:37 Stunden, auf ihren Durchbruch warten. Nämlich seit sie beim Halbmarathon Rom-Ostia 2016 eine Halbmarathonzeit von 1:07:16 Stunden markierte. Irgendwie erwischte die Kenianerin aber nie den richtigen Tag: weder beim Venedig Marathon 2018 noch beim Napoli City Halbmarathon 2019. Dieses Mal gelang der Durchbruch im Marathon dafür um so krachender – trotz neuerlicher schwieriger Bedingungen.
Satte 2:38 Minuten legte die überlegene Siegerin, die die schnellste je auf italienischem Boden erzielte Marathonzeit (Vivian Kiplagat, Mailand Marathon 2019) um 2:17 Minuten pulvierisierte, zwischen sich und der zweitplatzierten Landsfrau Purity Changwony, die wie auch die drittplatzierte Gebiyanesh Gedamu auf Äthiopien ebenfalls eine deutliche persönliche Bestleistung lief.
 

Jubel bei Steyn, Enttäuschung bei Straneo

Zu den Glücklichsten in Siena gehörte sicherlich die achtplatzierte Gerda Steyn, die in einer Zeit von 2:25:28 Stunden einen neuen Landesrekord für Südafrika aufstellte. Die 31-Jährige verbesserte ihre persönliche Bestleistung vom London Marathon 2020 um eine Minute und 23 Sekunden und übertrumpfte damit dem vom Berlin Marathon 1996 herrührenden Landesrekord von Colleen De Reuck um 70 Sekunden. Damals gewann De Reuck, die bei diversen Top-Marathons Ende der 90er-Jahre am Stockerl stand, übrigens in der deutschen Hauptstadt.
Weniger glücklich war Valeria Straneo, der auch der letzte Angriff auf das Olympia-Limit von 2:29:30 Stunden knapp missglückte. Sie erreichte das Ziel als beste der wenigen Europäerinnen im Rennen als 20. in einer Zeit von 2:30:33 Stunden. „Ich habe alles gegeben und habe mir nichts vorzuwerfen. Mehr als das konnte ich heute nicht leisten, aber natürlich bin ich enttäuscht“, wird die 45-jährige, italienische Rekordhalterin auf der Website des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL) zitiert. „Bis zu Kilometer 37 habe ich an das Limit geglaubt, danach hat einfach etwas gefehlt. Schade, dass die Wetterbedingungen nicht ideal waren.“
 

Bestleistung für Halbmarathon-Star

Das mag sich auch Eric Kiptanui gedacht haben. Denn der 30-Jährige, mit einer Bestleistung von 58:42 Minuten einer der schnellste Halbmarathonläufer aller Zeiten, fand sich in der Toskana endlich mit einer sehr guten Marathonform ein. Doch die Jagd auf eine Zeit weit unter 2:05 Stunden wurde angesichts der Verhältnisse auch nicht angesteuert. Er gewann das Rennen in einer persönlichen Bestleistung von 2:05:47 Stunden, exakt eine halbe Minute schneller als bisher. Alle anderen großen Namen im Feld erreichten das Ziel nicht – mit Ausnahme des ehemaligen Weltmeisters Ghirmay Ghebreslasie, der nach mageren Jahren als Zehnter immerhin sowohl eine persönliche Bestleistung als auch das Olympia-Limit schafften. Daher reihten sich hinter Kiptanui Läufer, die teilweise beträchtliche Verbesserungen ihrer Marathonleistungen schafften: Abdi Fufa aus Äthiopien, der fünf Kilometer vor dem Ziel attackiert hatte und im Finale von Kiptanui abgekocht wurde, Othmane El Goumri aus Marokko und Ghebreslasies eritreeischer Landsmann Yohanes Ghebregergis.
 

Richard Ringer steigert sich auf unter 2:09 Stunden

Einer der Sieger des Tages war Richard Ringer, der seine Marathon-Bestleistung um über zwei Minuten auf eine Zeit von 2:08:49 Stunden und damit in der nationalen Reihenfolge innerhalb des Olympia-Qualifikationszeitraums von Rang vier auf Rang zwei hinter Amanal Petros rückt. Ringer, der in guter Form und mit viel Selbstvertrauen anreiste, hatte sich in etwa diese Leistung im Vorfeld vorgestellt. Er ging das Rennen konservativer an und lag lange Zeit in jener Gruppe, in der auch Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr) lief. Anfangs der zweiten Hälfte wurde der Deutsche initiativ, weil er sich gut fühlte, wie er in einem auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes veröffentlichten Bericht sagt. Mit einer starken Leistung im letzten Drittel und insbesondere auf den letzten Kilometern schaffte es der 32-Jährige noch zu dieser Topzeit, die ihn – Wunder ausgeschlossen – zu den Olympischen Spielen führen wird und ihn auf Rang vier der aktuellen deutschen Bestenliste positioniert. Ersteres sollte endgültig am nächsten Sonntag feststehen, wenn die letzten deutschen Topläufer ihren Frühlingsmarathon 2021 in Enschede bestreiten. Nicht in Sapporo dabei sein wird Arne Gabius, der bei seiner letzten Olympia-Chance bereits nach wenigen Kilometern so weit zurücklag, dass er nach einem guten Rennviertel ausstieg. Gegenüber dem DLV bestätigte er, keinen weiteren Versuch Richtung Olympia-Quali zu starten.
 
 

Ergebnisse Xiamen Marathon & Tuscany Camp Global Elite Race

Männer
1. Erick Kiptanui (KEN) 2:05:47 Stunden *
2. Abdi Fufa (ETH) 2:05:57 Stunden *
3. Othmane El Goumri (MAR) 2:06:18 Stunden *
4. Yohanes Ghebregergis (ERI) 2:06:28 Stunden *
5. Kebede Wami (ETH) 2:06:32 Stunden **
6. Solomon Yego (KEN) 2:06:41 Stunden
7. Abdi Kebede (ETH) 2:06:43 Stunden *
8. Limenih Getachew (ETH) 2:06:47 Stunden *
9. Samel Tsegay (ERI) 2:06:53 Stunden *
10. Ghirmay Ghebreslasie (ERI) 2:07:11 Stunden *

17. Richard Ringer (GER) 2:08:49 Stunden *
41. Valentin Pfeil (AUT) 2:15:14 Stunden
DNF Arne Gabius (GER)
 
Frauen
1. Angela Tanui (KEN) 2:20:08 Stunden * / ***
2. Purity Changwony (KEN) 2:22:46 Stunden *
3. Gebiyanesh Gedamu (ETH) 2:23:23 Stunden *
4. Hailu Desse (ETH) 2:23:52 Stunden *
5. Antonina Kwambai (KEN) 2:24:20 Stunden *
6. Delvine Meringor (KEN) 2:24:32 Stunden **
7. Rahma Tusa (ETH) 2:25:09 Stunden
8. Kuftu Tahir (ETH) 2:25:21 Stunden
9. Gerda Steyn (RSA) 2:25:28 Stunden ****
10. Gladys Chepkirui (KEN) 2:26:33 Stunden **

20. Valeria Straneo (ITA) 2:30:33 Stunden
 
* neue persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt
*** schnellste je auf italienischem Boden erzielte Marathonzeit
**** neuer südafrikanischer Landesrekord