Pfeil nimmt in Dresden Olympia-Limit ins Visier

Am Sonntag nimmt Valentin Pfeil seinen letzten Anlauf, das Olympia-Limit in Marathon von 2:11:30 Stunden zu unterbieten. Das prognostizierte Wetter und die Zusammensetzung des Feldes machen die Aufgabe zu einer großen Herausforderung. Trotzdem ist der Oberösterreicher optimistisch.

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  • Letzter Pfeil im Köcher für Tokio
  • Wetter und Feld als Herausforderung
  • Spannendes Marathon-Debüt von Simon Boch

 

Valentin Pfeil im Trainingslager in Spanien. © SIP
Es hat nicht lange gedauert und es hat auch nicht lange dauern dürfen, den aus seiner Sicht enttäuschend laufenden Herbst 2020 abzuschütteln. Der emotionale Rückschlag rund um das Startverbot beim Valencia Marathon und die fehlende, auch geistige, Frische beim Alternativprogramm im Rahmen der Österreichischen Meisterschaften in Wien Mitte Dezember haben insgesamt einen kräftigen Dämpfer für Valentin Pfeil (LAC Amateure) im Kampf um den Olympia-Startplatz bedeutet. Einen temporären, denn am Sonntag bietet sich im Rahmen eines Einladungswettkampfs in Dresden die Gelegenheit, vorangegangene Erlebnisse in die Vergessenheit zu rücken. Seit Monaten arbeitet der Österreicher auf dieses Ziel hin, organisierte sich den Startplatz in Dresden in der Hoffnung auf ein harmonisches Feld, das ihm beste Rahmenbedingungen für sein großes Ziel bietet: Olympia-Limit in unter 2:11:30 Stunden. Es ist der plangemäß letzte und damit entscheidende Versuch. Pfeil sieht sich bereit für den Showdown, weil ihn das Niveau im Training zuversichtlich stimmt.
 
 
Der RunAustria-Vorbericht den Halbmarathon mit Peter Herzog: Herzog fasst ÖLV-Rekord im Halbmarathon ins Auge
 
 

Herausfordernde Rahmenbedingungen

Pfeil gibt sich vor dem Marathon für eine Gruppe eingeladener Läuferinnen und Läufer im Rahmen eines Events als Alternative zum abgesagten itelligence Citylaufs Dresden vorsichtig optimistisch. Die Trainings im Rahmen zweier Trainingslager in Spanien sowie das Gefühl beim Laufen beim Finetuning vor Dresden stimmen ihn optimistisch, obwohl die Wettkampfgeneralprobe beim 10km-Lauf in Berlin (siehe RunAustria-Bericht) nur mittelprächtig gelang. Die Strecke in einem für Zuschauer abgesperrten Park ist flach und sollte für schnelles Laufen geeignet sein. „Im Herbst gab es auf dieser Strecke schnelle 10km- und Halbmarathonleistungen“, erinnert Pfeil. Gelaufen werden 16 Runden à 2,5 Kilometer und zwei kleinere Runden für die Restdistanz.
 
 
RunAustria-Tipp: Die Laufentscheidungen in Dresden werden im Livestream von MDR+ übertragen. Startzeit für Valentin Pfeil ist 10:30 Uhr.
 
 
Schwieriger könnten die weiteren Rahmenbedingungen das Unternehmen Olympia machen. Die Wetterprognose ist nämlich gar nicht frühlingshaft mit nur leichten Plusgraden und einer mittleren Regen- oder sogar Schneeschauergefahr, die Rolle des Windes ist unsicher. „Ich erlebe es seit Tagen bei mir zu Hause, wie schlagartig sich das Wetter binnen Minuten ändern kann“, hofft der 32-Jährige auf ein günstiges Wetterfenster. Auch die Taktik an der Spitze ist nicht nach der Vorliebe des WM-Teilnehmers von 2017. Die geplante Angangszeit für die Spitzengruppe von 1:04:30 für die erste Rennhälfte ist ihm „einen Zacken zu schnell und würde ein unnötiges Risiko darstellen“. Daher will Pfeil sein eigenes Tempo mit einer Durchgangszeit von rund 1:05:20 Stunden anstreben und hofft, dass sich eine Gruppe um ihn mit dieser konservativeren Haltung bildet. Ein wichtiger Baustein der Strategie ist Christian Steinhammer (ULC Riverside Mödling), der Pfeil als Tempomacher unterstützen wird. „Es ist in einer Einzelsport generell eine Erleichterung, Unterstützung von Freunden zu haben“, unterstreicht Pfeil.
Als zweiter Österreicher ist Florian Prüller (TSV Sparkasse Hartberg) auf der Startliste.
 

Marathon-Debüt für Simon Boch

Dass die Spitzengruppe etwas ambitionierter anlaufen will, liegt hauptsächlich an den Zielen von Simon Boch. Der Deutsche, bei der Halbmarathon-WM 2020 in einer Zeit von 1:01:36 Stunden Bester des DLV-Aufgebots, bestreitet sein Marathon-Debüt. Um ein Olympia-Ticket zu ergattern, reicht in Deutschland – wohl im Gegensatz zu Österreich – aber nicht nur eine Zeit unter 2:11:30 Stunden, sondern aufgrund der nationalen Konkurrenz muss man eine Leistung deutlich darunter anbieten. Amanal Petros (2:07:18), Hendrik Pfeiffer (2:10:18) und Richard Ringer (2:10:59) haben das Limit bereits in der Tasche, zudem könnten weitere Leistungen im April und Mai den Druck verschärfen. Aufgrund seiner Darbietungen in den letzten Monaten, darunter eine 10km-Bestzeit von 28:11 Minuten in Dresden im November, zählt Boch auch als Debütant zum engsten Kreis der Sieganwärter in Dresden. Das Olympia-Limit im Visier haben auch der seit 2018 für Norwegen laufende, gebürtige Äthiopier Weldu Gebretsadik, der Pole Blazej Brzezinski, der seinen letzten Marathon bei der EM in Berlin bestritten hat, sowie die Debütanten Soufiane Bouchikhi aus Belgien und Hlynur Andresson aus Island. Das Olympia-Limit in der Tasche hat bereits Camilo Santiago Gimenez aus Spanien, doch selbst mit gleich zwei Leistungen rund um 2:10 Stunden im Qualifikationszeitraum für Tokio hat man in Spanien keine Chance auf eine Nominierung.
In einer ähnlichen Ausgangsposition stand Simon Bochs Vereinskollegin Miriam Dattke, die nach tollen Vorleistungen auf Unterdistanzen mit Optimismus ihr Marathon-Debüt bestreiten wollte. Wie ihr Verein gestern auf der eigenen Website bekannt gab, vermasselten leichte muskuläre Probleme ihren Start in Dresden. Sie hofft nun auf eine Alternativmöglichkeit auf einen Marathonstart, um ihren Traum vom Olympischen Marathon in Sapporo eine weitere Chance zu geben.
 
 
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