„Der Cross Campaccio durfte nicht fehlen“

© Alexander Schwarz

Irgendwie fast heimlich still und leise hat sich die europäische Crosslauf-Saison im Winter 2020/21 den bekannten Rahmenbedingungen rund um die Pandemie gebeugt und ist ausgefallen. Eliterennen in dieser Disziplin sind nicht rentabel. Die ganze Saison? Nein! Nicht ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf, sondern ein von der Bedeutung seines Events offenbar sehr überzeugtes Organisationsteam des Cross Campaccio in San Giorgio su Legnano vor den Toren der norditalienischen Metropole Mailand hörte nicht auf, den Umständen zum Trotz Widerstand zu leisten. Und fand eine Möglichkeit, das Event, eines der bekanntesten Laufevents Italiens, auch 2021 durchzuführen. Und zwar nicht am angestammten Termin zu Drei König, sondern am Wochenende des 20. und 21. März, inklusive Live-Übertragung der wichtigsten Bewerbe im italienischen Fernsehen.
 

Symbolfoto, Crosslauf © Alexander Schwarz
 

Hochmotivierter Veranstalter, entschlossene Politiker

Bei der Präsentation des Events vor einigen Wochen stand auch die Politik geschlossen hinter dem Event. „Wir wollen zeigen, dass Sportausübung in sicherem Umfeld möglich ist. Deswegen haben wir alles dafür getan, die Organisation zu ermöglichen.“ Vize-Bürgermeister Claudio Ruggeri äußerte die Hoffnung, dass die Durchführung des Cross Campaccio ein Signal für die Wiederöffnung der Schulen sein wird. In der Region Lombardei sind aktuell die Schulkinder zum Daheimbleiben verdonnert. In eine ähnliche Kerbe schlug Claudio Pastori, Präsident des veranstaltenden Vereins: „Der Cross Campaccio durfte nicht fehlen. Er ist wichtig, um den Sport zu kultivieren. Auch für das Wohlbefinden unserer Jungen.“
 

Kiplimo Star des Events, Faniel und Battocletti die stärksten Italiener

Für spannende Eliterennen sorgt die spitzensportliche Besetzung. Star der Veranstaltung ist Crosslauf-Vize-Weltmeister Jacob Kiplimo. Die Topgruppe komplettieren seine Landsleute Oscar Chelimo, ein Halbbruder Kiplimos, und Joel Ayeko, Vorjahressieger Mogos Tuemay aus Äthiopien und Italiens Topläufer Eyob Faniel. Der italienische Rekordhalter im Marathon und frisch gebackene Rekordhalter auch im Halbmarathon hatte in der Saisonplanung den RAK Halbmarathon und den Taipei City Marathon vorgesehen, beide wurden abgesagt, wie er in einem Interview mit dem Veranstalter erzählte. Aus dem Trainingslager in Kenia ist er in Topform zurück nach Europa gekommen. Mit Ilias Aouani, frisch gebackener italiensicher Meister, Yohanes Chiappinelli sowie den Berglauf-Spezialisten Cesare Maestri und Francesco Puppi sind weitere starke Italiener am Ablauf.
Das Rennen der Frauen wird angeführt von der Kenianerin Lilian Rengeruk, die 2017 bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften am Stockerl war. Sie gewann den Cross Campaccio im Jahr 2018. Die Äthiopierinnen Tsehay Gemechu, Tsege Haileslase und Addisalem Belay, Winfred Yavi aus dem Bahrain sowie Francine Niyomukunzi aus Burundi wollen ebenfalls aufs Stockerl laufen. Beste Italienerin ist die frisch gebackene, italienische Crosslauf-Meisterin Nadia Battocletti, im Vorjahr Sechste. Zuletzt hatte die 21-Jährige Probleme mit der Achillessehne, kann aber seit einigen Tagen wieder voll trainieren, wie sie in einem Interview mit dem Veranstalter verraten hat. „Dieser Winter war ein harter für das Training auf 1.000m Meereshöhe“, sagt sie – nicht nur wegen der Einschränkungen, sondern auch aufgrund der enormen Schneemengen in Norditalien, die ihresgleichen in der Vergangenheit suchen.
 

Gezielte Sicherheitsmaßnahmen laut FIDAL-Konzept

Um die Durchführung des Cross Campaccio an die Sicherheitsanforderungen der Zeit anzupassen, werden gezielte Maßnahmen durchgeführt, die sich an den Vorgaben des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL) halten. Alle, die das Eventgelände im Stadio Angelo Alberto betreten möchten, brauchen eine ausgefüllte und unterschriebene Selbsterklärung für ein etwaiges Contact Tracking. Für das Betreten des Areals gibt es einen strengen Zeitplan mit aussgewiesenen, engen Time Spots im Call Room. So werden Begegnungen zwischen Teilnehmern verschiedener Bewerbe verhindert, es dürfen maximal 100 Personen (plus ein 10%ige Toleranzbereich) sich zur gleichen Zeit am selben Ort aufhalten. Es herrscht Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, verpflichtende Einhaltung der interpersonalen Abstandsempfehlungen, es wird Fieber gemessen, Zuschauer sind von der Veranstaltung ausgeschlossen. Die Startaufstellung für die Athletinnen und Athleten wird in die Breite gezogen, die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht endet erst 500 Meter nach dem Start. Um alles in ein Programm zu gießen, wurde dieses enorm entzerrt und auf zwei Wettkampftage ausgedehnt. Schließlich stehen nicht weniger als 15 Rennen, neben den Eliterennen auch etliche für Nachwuchs- und Mastersklassen auf dem Programm. Startberechtigt sind, ähnlich der Regelung in Österreich, nur Athletinnen und Athleten ab einem bestimmten Leistungsniveau und Vereinszugehörigkeit.
 

Anmelderekord beim 40. Geburtstag trotz Pandemie

Der Cross Campaccio ist nicht die einzige Laufveranstaltung, die am Sonntag in Italien über die Bühne geht. Die 40. Auflage des Biella-Piedicavallo, einem 18,7km-Lauf mit einem Höhenunterschied von 615 Metern, kann inmitten der Pandemie mit einem Kuriosum aufwarten. Über 400 Anmeldungen sorgen ausgerechnet 2021 für einen neuen Veranstaltungsrekord. Knapp 150 Läuferinnen und Läufer gehen außerdem bei einem 7km-Lauf an den Start.
 
 
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