Peter Herzog schrammt am österreichischen 10K-Rekord vorbei

Nur zwei Sekunden fehlten Peter Herzog bei einem Einladungsrennen in Berlin über zehn Kilometer auf den ÖLV-Rekord von Günther Weidlinger. Wie der Salzburger steigerte auch Timon Theuer seine persönliche Bestleistung deutlich. Valentin Pfeil absolvierte eine ordentliche Marathon-Generalprobe.

© SIP / Johannes Langer

 

  • Deutliche Bestleistung, Salzburger Landesrekord und nur zwei Sekunden hinter dem ÖLV-Rekord von Günther Weidlinger
  • Das Resultat als Zeugnis des hohen und stabilen Grundniveaus. „Sehr happy mit meiner Leistung.“
  • Timon Theuer steigert sich um über eine Minute, Valentin Pfeil mit ordentlicher Generalprobe für Dresden Marathon

 

Peter Herzog bei einer Trainingseinheit in Rif bei Salzburg. © SIP / Johannes Langer
In seinem ersten Wettkampf seit der Verbesserung des ÖLV-Rekords im Marathon in London am 4. Oktober 2020 hat Peter Herzog (Union Salzburg LA) auf dem Weg zum Olympischen Marathon von Sapporo ein starkes sportliches Statement gesetzt. Der Salzburger erzielte beim Berlin 10K Invitational III, dem dritten Event dieser Art nach zwei Einladungswettkämpfen im Jahr 2020, kontextbedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit, auf einer flachen und abgesehen von Wenden kerzengeraden Strecke in einem Park in Berlin-Schmöckwitz die zweitschnellste 10km-Zeit eines Österreichers überhaupt – 51 Sekunden schneller als seine bisherige Bestleistung aus dem Jahr 2018 und neuer Salzburger Landesrekord. Für ihn eine Überraschung, denn er ist aktuell laut eigener Einschätzung nicht in Topform, erst recht nicht in jener traumhaften Verfassung, die er in der Vorbereitung auf den London Marathon 2020 erarbeitet hat. „Ich bin mit einem gedämpften Selbstvertrauen nach Berlin gefahren, weil meine Trainings zuletzt nicht das hohe Niveau hatten wie ich mir gewünscht hätte und mich ein Infekt Anfang Februar etwas gebremst hat. Ich hätte mir ein etwas langsameres Angangstempo der Spitzengruppe erwartet, bin aber dann aktiv mitgegangen. Der Rennverlauf heute war sicherlich ideal für mich“, kommentierte Herzog, der den A-Lauf auf Rang sechs beendete. Und das zu einer Jahreszeit, die für den Pinzgauer immer ein paar Fragezeichen mitschwingen lässt. Der Wechsel zwischen intensivem Winter mit frostigen Trainingsbedingungen in seiner inneralpinen Heimat und dem frühlingshaften Rahmen bei den Trainingslagern im mediterranen Raum (heuer zweimal in Murcia) nennt er eine spezielle Herausforderung. Umso positiver stimmt ihn die Leistung von Berlin. Trainer Johannes Langer sieht mit dem heutigen Wettkampf ein wichtiges Zwischenziel auf dem Weg zu den Olympischen Spielen, Herzogs großer Karrieretraum, erreicht. „Die Leistung dokumentiert Peters Entwicklung in den letzten Monaten. Ich bin mit seiner heutigen Vorstellung sehr zufrieden, bestätigt sie doch unsere ,Road to Tokyo’“, sagt er. „Nun gilt es weiterhin den Fokus auf eine möglichst optimale Vorbereitung auf Olympia zu legen.“
 

Kenianer Simiu mit Jahresbestleistung

Der Rennsieg im A-Lauf ging an den Deutschen Samuel Fitwi in einer Zeit von 28:00 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung auf seinen Landsmann Simon Boch und drei Sekunden vor dem Somalier Ilyas Osman – alle drei erzielten persönliche Bestleistungen. In der Gesamtwertung nimmt Herzog Position sieben ein, weil der favorisierte Kenianer Daniel Simiu den Startschuss im A-Lauf verpasste und im C-Lauf einen Sololauf zur schnellsten Zeit des Tages von 27:50 Minuten absolvierte. Das Resultat aus Berlin ist gleichbedeutend mit der aktuellen Weltjahresbestenliste, in der Herzog nun auf Position sieben geführt wird. Eine schöne Momentaufnahme, auch wenn aus Pandemiegründen bisher keine 10km-Straßenläufe mit hohem Niveau in Europa stattgefunden haben. Die bisherige Jahresbestleistung hatte der Äthiopier Abe Geshahun, aufgestellt in der Höhe von Addis Abeba, in 28:20 Minuten inne.
 

Am ÖLV-Rekord gekratzt, auch dank großer mentaler Leistung

Dass schlussendlich nur zwei Sekunden auf den ÖLV-Rekord von Günther Weidlinger gefehlt haben, ist für Herzog nur ein kleiner Wermutstropfen: „Ich bin mit meiner Leistung sehr happy, aber natürlich sind diese zwei Sekunden ein bisschen ärgerlich. Ich habe nicht mitbekommen, dass ich im Finale so nahe am Rekord war. Aber auf dem letzten Kilometer musste ich von der Gruppe abreißen lassen und mich alleine ins Ziel kämpfen. Mehr konnte ich nicht mehr ins Rennen hineinlegen.“ Dass Herzog im Vorfeld, den Ball flach hielt, war kein Täuschungsversuch. Tatsächlich machte er etwas verunsichert auf den Weg nach Berlin, weil er sich und seine Leistungsfähigkeit im Wettkampf nicht einschätzen konnte. Nach den harten Einheiten im Trainingslager in Murcia waren die Beine tagelang müde. Die starke Wettkampfleistung ist für ihn eine weitere Bestätigung, dass sein Weg weiter nach oben führt. „Wenn man mit so wenig Selbstvertrauen in ein Rennen geht und es kommt so eine gute Leistung heraus, zeigt mir das, dass ich ein starker Athlet bin. Mein Grundniveau ist hoch und ich profitiere von einer Stabilität. Und natürlich bekomme ich Jahr für Jahr immer mehr Erfahrung mit diesem Niveau“, analysiert der 33-Jährige. Wie im strömenden Regen der britischen Hauptstadt vor einem Jahr konnte er auch dieses Mal im Moment X 100% liefern. „In vielen, vielen Gesprächen mit meinem Trainer Hannes Langer haben wir gezielt thematisiert, jeden Moment an meine Stärken und mein Training zu glauben. In Phasen, in denen es nicht so gut läuft, wie heute im Mittelteil des Rennens, ist der Glaube sehr wichtig, um den Kampf mit sich selbst gut zu überstehen. Grundsätzlich ist das Mentale eine meiner großen Stärken, die es mir erlaubt, zu liefern, wenn es hart auf hart kommt.“
Das nächste Ziel für den Olympia-Starter im Marathon ist ein Halbmarathon in Dresden am 21. März, den er mit neuem Selbstvertrauen in Angriff nehmen wird. „In zwei Wochen wird nicht mehr viel passieren, was die Entwicklung meiner Form betrifft. Das Finetuning steht im Vordergrund. Aber das Resultat heute ist natürlich ein enormer Push für das Selbstvertrauen“, verspürt Herzog Vorfreude darauf.
 

Deutliche Bestzeit für Theuer

Als zweitbester Österreicher erreichte Timon Theuer (Union St. Pölten) das Ziel als Gesamt-16. in einer Zeit von 29:07 Minuten, womit er seine persönliche Bestleistung um 66 Sekunden steigern konnte und sich vor Andreas Vojta auf den fünften Platz der ewigen ÖLV-Bestenliste setzte. „Grundsätzlich bin ich ganz zufrieden. Ich bin kein Freund von niedrigen Temperaturen, da bin ich noch nie gut gelaufen. Und heute war es kühl, aber sonst herrschten gute Bedingungen“, berichtete der 27-Jährige. Theuer ging wie Herzog vom Start weg das Tempo der Spitzengruppe mit, die Kilometerzeiten von unter 2:50 Minuten anpeilte. „Wahrscheinlich war das einen Tick zu schnell für mich, aber ich bin trotzdem ganz gut ins Ziel gekommen. Es ist wichtig, im ersten Wettkampf des Jahres ein gutes Ergebnis zu erzielen. Das gibt Selbstvertrauen für das weitere Marathontraining.“
Da Theuers Wettkampfergebnisse im zweiten Halbjahr 2020 – hauptsächlich die Magenprobleme bei der Halbmarathon-WM und der Ausstieg bei den Österreichischen Marathonmeisterschaften, dazu das Chaos rund um Pfeils positivem PCR-Test und dem darausfolgenden Startverbot auch für Theuer beim Valencia Marathon, der sich als optimale Bühne für einen Angriff auf das Olympia-Limit entpuppt hat – mit den deutlich besseren Trainingsleistungen nicht übereinstimmten, war das Heimbringen eines guten Wettkampfergebnisses für ihn auch aus mentaler Sicht wichtig. Einen Push gab es am Freitag, als er seinen 27. Geburtstag feierte. Mit tatkräftiger Unterstützung von ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber hat der Wiener einen Startplatz bei der NN Marathon Mission in Hamburg am 11. April sicher. „Diese Nachricht war ein schönes Geburtstagsgeschenk!“, freute er sich – im Wissen, dass sich dort eine gute Möglichkeit auf die Attacke auf das Olympia-Limit von 2:11:30 Stunden ergeben könnte. Als Einstimmung darauf macht er am kommenden Wochenende beim Swiss Athletics Marathon in Bern 25 Kilometer lang das Tempo für die Spitzengruppe, die eine Zeit von 2:10 Stunden anpeilt.
 

Wichtiger Test für den Dresden Marathon

Valentin Pfeils (LAC Amateure Steyr) großes Frühjahrsziel ist der Einladungsmarathon in Dresden am 21. März, wo er seinen letzten Versuch auf das Olympia-Limit von 2:11:30 Stunden startet. Der 10km-Lauf in Berlin war ein wichtiger Test auf diesem Weg, den der Oberösterreicher als wichtig und gut einstuft. „Ich hätte mir eine etwas schnellere Zeit erwartet, aber es war ein solides Rennen. Schließlich ist der Trainingsaufbau für den Marathon für mich aktuell wichtiger und da war der Wettkampf heute ein guter Test“, erklärte Pfeil, der in einer Zeit von 29:18 Minuten auf Gesamtrang 18 finishte. Er blieb damit drei Sekunden über seiner Bestleistung. „Ich habe den Sprung in die erste Gruppe nicht gewagt, denn die ist mir zu schnell losgelaufen. Dann musste ich in der zweiten Gruppe selbst viel in die Tempoarbeit investieren“, erzählte er aus dem Renngeschehen und blickt mit gemischten Gefühlen Richtung Dresden Marathon. „Es ist jetzt kein Schub für das Selbstvertrauen in dem Ausmaß, wie ich es mir erhofft hatte. Aber es ist in Ordnung, ich will dieses Resultat nicht überbewerten. Der Weg zum Marathon steht im Vordergrund“, so der Marathon-WM-Teilnehmer von 2017.
Christian Steinhammer (ULC Riverside Mödling) war als einziger des heimischen Quartetts im B-Lauf gelistet, stieg jedoch nach rund einem Drittel wegen Unwohlsein aus.
 

Weltjahresbestleistung für Miriam Dattke

Im Rennen der Frauen verbesserte Miriam Dattke, die beim Dresden Marathon 2021 ihr Debüt über diese Distanz geben wird, die eine Woche alte Weltjahresbestleistung von Lisa Weightman aus Australien um zwölf Sekunden auf eine Zeit von 31:38 Minuten. Damit unterbot die 22-jährige ihre bisherige 10km-Bestleistung um satte 42 Sekunden und schob sich auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste hinter Irina Mikitenko und Alina Reh. Auch Bojana Bjlejac aus Kroatien, die in 32:12 Minuten ihren kroatischen Landesrekord um 43 Sekunden verbesserte, die drittplatzierte Laura Hottenrott (32:13) und die Holländerin Jill Holtermann (33:35) verbesserten ihre persönliche Bestleistungen deutlich.
 
 

Ergebnisse des Berlin 10K Invitational III

Männer (Gesamtwertung)
1. Daniel Simiu (KEN) 27:50 Minuten (im C-Lauf gestartet)
2. Samuel Fitwi (GER) 28:00 Minuten *
3. Simon Boch (GER) 28:01 Minuten *
4. Ilyas Osman (SOM) 28:03 Minuten **
5. Philimon Kipchumba (KEN) 28:04 Minuten ****
6. Richard Douma (NED) 28:08 Minuten *****
7. Peter Herzog (AUT) 28:12 Minuten *
8. Nils Voigt (GER) 28:23 Minuten *
9. Bart van Nunen (NED) 28:24 Minuten *
10. Sebastian Hendel (GER) 28:35 Minuten *

16. Timon Theuer (AUT) 29:07 Minuten *
18. Valentin Pfeil (AUT) 29:18 Minuten
DNF Christian Steinhammer (AUT) (im B-Lauf gestartet)
Frauen
1. Miriam Dattke (GER) 31:38 Minuten *
2. Bojana Bjeljac (CRO) 32:12 Minuten ***
3. Laura Hottenrott (GER) 32:13 Minuten *
4. Jill Holtermann (NED) 32:15 Minuten *
5. Domenika Mayer (GER) 32:34 Moinuten *
6. Rabea Schöneborn (GER) 32:55 Minuten *
7. Blanka Dörfel (GER) 33:00 Minuten *
8. Nina Lauwaert (BEL) 33:20 Minuten
9. Kristina Hendel (GER) 34:18 Minuten
10. Christina Gerdes (GER) 34:18 Minuten
 
* neue persönliche Bestleistung
** neuer somalischer Landesrekord im 10km-Straßenlauf
*** neuer kroatischer Landesrekord im 10km-Straßenlauf
**** 10km-Debüt
***** persönliche Bestleistung eingestellt
 
 
Berlin 10K Invitational III