ÖLV-Topläufer bei 10K-Einladungsrennen in Berlin

Peter Herzog und Valentin Pfeil beim Trainingslager im Murcia. © SIP / Johannes Langer

Peter Herzog (Union Salzburg LA), Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr), Timon Theuer (Union St. Pölten) und Christian Steinhammer (ULC Riverside Mödling) versprechen einen leistungsstarken und für Lauffans spannenden österreichischen Beitrag bei einem Einladungsrennen über zehn Kilometer am kommenden Sonntag in Berlin. Denn das Quartett reist mit ansprechender Erwartungshaltung an und nimmt im Kollektiv eine Verbesserung der persönlichen Bestleistung ins Visier. In einem leistungsstarken und wohl auch harmonischen Feld bietet sich eine große Chance für eine gute Standortbestimmung für weitere Ziele.
 

Herzog und Pfeil mit gemeinsamer Saisonvorbereitung

Gleich zweimal trainierten Peter Herzog und Valentin Pfeil im noch jungen Jahr 2021 im spanischen Murcia gemeinsam. Viele Einheiten, nicht alle. „Bei spezifischen Einheiten haben wir individuell trainiert, schließlich absolvierte ich mein Marathontraining, während Peter sich auf einen Halbmarathon vorbereitet“, erzählt Pfeil. Beide werden am 21. März in Dresden bei einem Einladungsevent starten, aber eben auf unterschiedlichen Distanzen. „Das Training mit Peter hat mir sehr gut getan. Ich bin in guter Form und möchte am Sonntag unbedingt meine Bestleistung (bisher 29:15, Anm.) verbessern“, kündigt der Oberösterreicher an. „Dieser Zehner wird eine gute Belastung auf dem Weg zu meinem Marathon, ein Wettkampf im Vorfeld tut mir aus Erfahrung gut.“ Pfeil hat sich kurzfristig gegen einen Start beim Swiss Athletics Marathon am 14. März in Bern, für den der ÖLV frühzeitig Startplätze für seine Athleten reserviert hatte, und für einen Start eine Woche später in Dresden entschieden. Der 32-Jährige erwartet dort das günstigere Feld für seine Ambition, das Olympia-Limit von 2:11:30 Stunden zu unterbieten.
 

Peter Herzog und Valentin Pfeil beim Trainingslager im Murcia. © SIP / Johannes Langer
 

„Normalerweise Bestzeit“, auch dank interessanter Gruppe

Der Schnellste aus dem rot-weiß-roten Quartett auf Basis der bisherigen Leistungen über diese Distanz ist Peter Herzog, dessen Saisonplanung sich von seinen Landsleuten unterscheidet, weil er die Olympia-Qualifikation im Marathon bereits in der Tasche hat. Obwohl der Salzburger eine Steigerung seiner Bestleistung von 29:03 Minuten erwartet („wenn alles normal läuft“), ist er bemüht, die Erwartungshaltung zu dämpfen. Ein grippaler Infekt vor dem zweiten Trainingslager ab Mitte Februar macht ihn vorsichtig. „Das war ein entscheidender Zeitpunkt für die Vorbereitung, daher für einen Infekt suboptimal. Ich habe im Trainingslager gemerkt, dass ich wieder fit bin, aber bei besonders intensiven Einheiten habe ich gespürt, dass ich nicht in absoluter Topform bin. Außerdem bin ich nicht gerade spezialisiert auf diese Distanz.“
Dieser Vorsicht zum Trotz ist eine vorsichtige Rennplanung unwahrscheinlich. Denn die Startliste offenbart eine spannende Dichte an Läufern, die sich im Bereich von 28 bis 28:30 Minuten bewegt. Dazu gehört eine Gruppe starker deutscher Läufer um Simon Boch, Samuel Fitwi und Richard Ringer oder auch der Holländer Richard Douma und möglicherweise auch sein Landsmann Björn Koreman, der als Gaststarter bei den Österreichischen Marathonmeisterschaften 2020 im Wiener Prater das Olympia-Limit im Marathon realisierte. „Ich werde ambitioniert anlaufen, denn die zweite Gruppe hinter den kenianischen Favoriten könnte sehr interessant werden“, so Herzog. Mit einer 29er-Zeit wäre er nämlich nicht zufrieden.
 

Theuer steigt in den A-Lauf auf

Die Hoffnung auf eine gute Gruppe gilt nicht nur für ihn, sondern auch für Pfeil und Timon Theuer, der auf Intervention, auch mit Unterstützung des ÖLV, vom B-Lauf in den A-Lauf umgeplant wurde. „Im A-Lauf finde ich jene Rahmenbedingungen vor, die damit korrelieren, welche Leistung ich von mir erwarte“, erklärt Theuer, der am heutigen Freitag seinen 27. Geburtstag feiert. Unter 29 Minuten will der Wiener laufen, der sich nach einer kurzen Wettkampfpause nach den Österreichischen Marathonmeisterschaften, als er nach rund zwei Drittel der Distanz ausstieg, sich ausgiebig auf die neue Saison vorbereitet hat und sich bereits wieder gut in Form fühlt. Die ursprüngliche Einteilung in den B-Lauf könnte auf Theuers aktueller Bestleistung von 30:13 Minuten fußen, die jedoch bei weitem nicht seinem potenziellen Leistungslevel entspricht. Gelaufen ist er diese Zeit bei den Staatsmeisterschaften 2020 mitten in der Vorbereitung auf die Halbmarathon-WM.
 

Wichtige Standortbestimmung für Steinhammer

Wie Theuer sucht auch Christian Steinhammer noch intensiv nach einer Marathon-Startmöglichkeit im Frühjahr. Das Problem: Die Nachfrage in Europa ist hoch, das Angebot kontextbedingt ein marginales. Der Niederösterreicher startet als einziger Österreicher im B-Lauf, für ihn kein Problem, auch weil der B-Lauf ebenfalls gut besetzt ist. „Ich freue mich sehr auf den Wettkampf. Es wird mein erster seit der Halbmarathon-WM im Oktober und letztendlich sind ja Wettkämpfe das, wofür wir alle tagtäglich trainieren“, so der 32-Jährige, der in Dresden für Valentin Pfeil die Tempoarbeit erledigen wird. Auch wenn Steinhammer bewusst ist, dass er eine entsprechendes Resultat für sich braucht („Ich habe einfach nix stehen aktuell“), verspürt er keinen Druck vor Sonntag. „Ich bin fit, habe gute Trainingsleistungen gezeigt. Der Wettkampf passt gerade gut hinein, um zu sehen, wo ich wirklich stehe. Daher bin ich zuversichtlich, dass eine Bestleistung raus kommt.“ Die steht bei Steinhammer bei einer Zeit von 29:54 Minuten.
 

Viele starke deutsche Läuferinnen und Läufer

Designierter Sieger des Events ist der Kenianer Daniel Simiu, der die Meldeliste mit deutlichem Vorsprung anführt. Vor einer Woche absolvierte der 25-Jährige einen flotten 5.000m-Lauf in der Höhe von Nairobi, als 10km-Bestleistung hat er eine Zeit von 27:12 Minuten stehen. Das breite deutsche Aufgebot, zu dem auch Routinier Arne Gabius gehört, wird angeführt von Samuel Fitwi und Simon Boch. Fitwi kommt mit der Empfehlung eines neuen deutschen 5km-Rekords und strebt eine Verbesserung seiner 10km-Bestzeit von 28:11 Minuten an. Boch zeigte im letzten Jahr mehrere starke Leistungen, u.a. als stärkster DLV-Athlet bei der Halbmarathon-WM 2020. Auch seine Bestleistung steht bei 28:11 Minuten, aufgestellt im November bei einem Einladungsrennen in Dresden. von Richard Ringer, dessen Zeit auf der Bahn noch nicht lange zurückliegt, ist ebenfalls einiges zu erwarten.
Das Rennen der Frauen geht ohne österreichische Beteiligung über die Bühne, ist aber aus deutscher Sicht interessant. Miriam Dattke führt die Meldeliste mit einem Bestwert von 32:20 Minuten an und bereitet wie ihr Regensburger Kollege Simon Boch das Marathon-Debüt in Dresden vor. Domenika Meyer, Deborah Schöneborn, ihre Zwillingsschwester Rabea, Fabienne Königstein und Laura Hottenrott komplettieren die prominente Gruppe heimischer Läuferinnen. Stärkste internationale Gäste sind die Kroatin Bojana Bjeliac, die Belgierin Nina Lauwaert und ihre Landsfrau Hanne Verbruggen.
 

Flache, schnelle Strecke – lange Anreise

Gelaufen wird in einem Park in Berlin-Schmöckwitz auf einer Geraden mit Wenden. Als einziger Österreicher kennt Peter Herzog die Begebenheiten, auf dieser Strecke hat er im Sommer 2020 ein Einladungsrennen über fünf Kilometer gewonnen. Dem Vergleich mit der Prater Hauptallee widerspricht der Pinzgauer nicht ganz, „aber die Strecke ist enger und besser abgeschirmt durch die Bäume“. Insgesamt ist die flache Strecke aber sehr gut geeignet für schnelle Zeiten, findet er.
Die Reise der Österreicher bringt eine kleine Kuriosität mit sich, die auf die Pandemie zurückzuführen ist. Alle reisen mit dem Auto in die deutsche Hauptstadt. „Nicht unbedingt das, was ich mir unter perfekt vorstelle“, meint Herzog, dessen zeitlicher Mehraufwand sich allerdings durch seinen Start im inneralpinen Salzburger Land nicht drastisch vergrößert. Um das lange Sitzen „herauszulaufen“, reisen alle bereits zwei Tage vor dem Rennen an.
Die Austragung des Rennens stand zuletzt in Frage, ist nun aber bestätigt. Alle Läuferinnen und Läufer müssen in Besitz eines negativen COVID-19-Tests anreisen, vor Ort herrschen recht strikte Verhaltensregeln aufgrund der örtlichen Vorgaben.