Tsegay läuft drittschnellste 3.000m-Zeit in der Halle

Nach dem Weltrekordlauf über 1.500m und einer überzeugenden 800m-Leistung überzeugte Gudaf Tsegay zum Abschluss der World Athletics Indoor Tour Gold in Madrid mit einem starken Auftritt über 3.000m. Die Siege in der Gesamtwertung gingen in allen drei Laufdisziplinen an Äthiopier.

© Falco / Pixabay

 

  • Gudaf Tsegay prolongiert Dominanz auf den Laufdistanzen in diesem Winter
  • Marcin Lewandowski entgleitet der Gesamtsieg in der World Athletics Indoor Tour
  • Deutliche Siege in den 800m-Läufen durch Alemu und Garcia

 

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Das Selbstbewusstsein für einen Angriff auf den Hallen-Weltrekord der ursprünglich angekündigten, aber schlussendlich in Madrid abwesenden Genzebe Dibaba, der bei einer Zeit von 8:16,60 Minuten liegt, hat sich Gudaf Tsegay in dieser Hallensaison nun wirklich angeeignet. Sie ist, wenn man so will, die Winterkönigin des Jahres. Einer Superleistung in der Höhe von Addis Abeba (Freiluft) im Jänner folgte der irre Weltrekordlauf von Liévin im 1.500m-Lauf (sagenhafte 3:53,09 Minuten – auf einer Hallenbahn) und der starke 800m-Auftritt von Val de Reuil (1:57,52). Was noch fehlte war ein starker 3.000m-Lauf, eine Distanz, auf der die Mittelstreckenläuferin in den letzten Jahren langsamere Fortschritte gemacht hat als auf den kürzeren. Dort gelangen regelmäßige Leistungssprünge bis hin zur WM-Bronzemedaille von Doha im 1.500m-Lauf und nach einem weiteren kräftigen zur Topform dieses Winters. Und im Alter von 24 Jahren ist Gudaf Tsegay noch nicht am Zenit angekommen. Die Zeit von 8:22,65 Minuten, die drittschnellste je in der Halle erzielte hinter den beiden schnellsten Läufen von Genzebe Dibaba, könnte demnach noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.
 

Die Nummer eins bei Pineda

Als Teil der in Madrid ansässigen Pineda Sports Agentur rund um Manager Juan Pedro Pineda de la Losa verbringt Tsegay öfters Zeit in Spanien. Der Manager hat eine hochkarätige Truppe, hauptsächlich bestehend aus ostafrikanischen und spanischen Athleten sowie einigen aus der Karibik, aber quer durch alle Leichtathletik-Disziplinen, zusammengebastelt. Genzebe Dibaba zählt zur Gruppe, das aktuelle Nummer-eins-Pferd im Rennstall ist aber Tsegay. Wie der Kommentator im Livestream von World Athletics verriet, stammt die 24-Jährige aus der nordäthiopischen Region Tigray, wo sie auf dem Plateau der bergigen Landschaft die Ausbildung als Läuferin erfuhr. Seit Jahren lebt sie nicht mehr in ihrer Heimatregion, die sich gerade im militärischen Konflikt mit der Zentralregierung befindet, sondern in der Hauptstadt Addis Abeba, vor deren Toren zahlreiche der äthiopischen Topstars ihr Trainingszentrum haben.
Dass Tsegay im Gallur Sports Centre nicht noch näher an den Weltrekord heranlaufen konnte, lag an einer vergleichsweise nicht ganz so rasanten Phase im zweiten Rennviertel. Bis in der letzten Runde konnte sich Lemlem Hailu, bis dato in Besitz der Weltjahresbestzeit, in Tsegays Windschatten klemmen, erst auf den letzten 200 Metern ging die Lücke auf. Tsegay siegte in 8:22,65 Minuten, die 19-Jährige verbesserte ihre persönliche Bestleistung leicht auf 8:29,28 Minuten. Ausreichend, um die Gesamtwertung der World Athletics Indoor Tour mit 27 Punkten zu gewinnen, was eine Zusatzprämie von umgerechnet rund 8.250 Euro ergab. Ausgenommen der drittplatzierten Kenianerin Beatrice Chebet überrundete Tsegay übrigens das gesamte Feld.
 

Barega Geamtsieger über 1.500m

Bei einem Meeting, bei dem der neue Hallen-Weltrekord von Grant Holloway im Hürdensprint vieles in den Schatten stellte, hätte Marcin Lewandowski ein zweiter Platz zum Sieg in der Gesamtwertung der diesjährigen World Indoor Tour gereicht. Doch dieser blieb für den amtierenden Hallen-Weltmeister außer Reichweite, weil Lokalmatador Jesus Gomez dank eines starken Auftritts den zweiten Platz belegte und Lewandowski damit die Suppe versalzte.
Wie erwartet zog Selemon Barega von Beginn an einsame Kreise und feierte in einer Meetingrekordzeit von 3:35,43 Minuten einen Start-Ziel-Sieg, der für den Gesamtsieg reichte. Weniger erwartbar war, dass Gomez die Lücke in der zweiten Rennhälfte beachtlich weit schließen konnte und vor dem Ertönen der Glocke sogar Kontakt zum Äthiopier hatte. Doch der Vize-Weltmeister über 5.000m ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, der Hallen-EM-Dritte steigerte sich auf Rang zehn der ewigen spanischen Bestenliste im 1.500m-Lauf unter dem Hallendach.
 
 

 

Alleingang von Alemu

Im 800m-Lauf der Frauen, der chronologisch ersten der drei zur World Athletics Indoor Tour zählenden Laufentscheidung, hat Habitam Alemu mit einem erwartbaren Alleingang ihren zweiten Sieg im Laufe dieser Wintersaison bei Goldmeetings nach jenem in Torun gefeiert und damit neuerlich eine Topzeit erzielt. In einer Leistung von 1:58,94 Minuten verbesserte die 23-jährige Äthiopierin den zugegebenermaßen nicht sehr hoch qualitativen Meetingrekord von Esther Guerrero aus dem Jahr 2018 um fast vier Sekunden und verteidigte den Gesamtsieg in der World Athletics Indoor Tour, der bekanntermaßen zweijährlich pro Disziplin ausgefochten wird.
Von außen wirkte der Lauf von Alemu in Madrid aufreizend mühelos. Einer schnellen Eingangsrunde folgte eine etwas schaumgebremste zweite Runde, was zu einer Durchgangszeit von 58,33 Sekunden nach 400 Metern führte. Das hatte zur Folge, dass die Irin Nadia Power noch an Alemu dranhing. Die 23-Jährige musste aber in der dritten Runde auf der Jagd nach dem irischen Hallenrekord, der ihr am Wochenende abhanden gekommen ist, ins Hohlkreuz, weil Alemu noch einmal das Tempo erhöht hat und sich folglich absetzen konnte. Der Sieg der Afrikanerin war nie gefährdet und fiel mit über zwei Sekunden Vorsprung klar aus. In der letzten Runde verkleinerte Guerrero eine davor entstandene Lücke zu Platz zwei, pirschte sich an Power heran und schnappte sich die Irin noch auf der der Zielgerade. Mit einer Zeit von 2:01,13 Minuten liegt sie auf Rang zwei der ewigen spanischen Bestenliste hinter Mayte Martinez, die allerdings gleich zwölfmal in der Halle schneller gelaufen ist als Guerrero in Madrid 2021.
 

Grandioses Rennen von Garcia über 800m

Die herausragende Laufleistung aus spanischer Sicht demonstrierte Mariano Garcia im 800m-Lauf der Männer. Der 23-Jährige, der bei den letzten Hallen-Europameisterschaften in Glasgow nur knapp an den Medaillen vorbeigeschrammt war, übernahm die Führung in der dritten Runde und setzte sich mit einer Tempoverschärfung am Ende einer ersten Rennhälfte, die etwas schneller als im Urpsrungsplan vorgesehen absolviert wurde, bereits deutlich vom Rest des Feldes ab. Pierre-Ambroise Bosse und Amel Tuka, beide zu den weltbesten 800m-Läufer gehörend, konnten die Lücke trotz starker letzter Runde nicht mehr schließen. Beide erzielten in einer Zeit von 1:45,95 Minuten neue individuelle Hallen-Bestleistungen, der spurtstarke Bosnier hatte im Kampf um Platz zwei knapp die Nase vorne. Doch der große Sieger des Tages war der Lokalmatador, der sich mit einer tollen Leistungssteigerung um über einer Sekunde seines bisherigen Hallen-Bestwerts auf 1:45,66 Minuten auf Rang drei der ewigen spanischen Bestenliste im 800m-Lauf unter dem Hallendach schob und außerdem den ein Jahr alten Meetingrekord von Collins Kipruto verbesserte. Nichts zu holen gab es dagegen für den amtierenden Hallen-Europameister Alvaro de Arriba, der nur Fünfter wurde.
Im 1.500m-Lauf der Frauen konterte die 20-jährige Äthiopierin Hirut Meshesha die Attacke der spanischen Vizemeisterin Marta Perez eingangs der Schlussrunde und siegte in 4:09,42 Minuten. Gesa Felicitas Krause erreichte das Ziel als Dritte in 4:12,02 Minuten – eine Position, die sie praktisch das gesamte Rennen über inne hatte.
 
 

Ergebnisse World Athletics Indoor Tour in Madrid 2021

3.000m-Lauf der Frauen
1. Gudaf Tsegay (ETH) * / ** / ***
2. Lemlem Hailu (ETH) 8:29,28 Minuten *
3. Beatrice Chebet (KEN) 8:37,06 Minuten *
4. Quailine Kiprop (KEN) 9:01,94 Minuten
5. Meraf Bahta (SWE) 9:15,12 Minuten
6. Cristina Espejo Nunez (ESP) 9:23,24 Minuten
 
1.500m-Lauf der Männer
1. Selemon Barega (ETH) 3:35,42 Minuten **
2. Jesus Gomez (ESP) 3:36,32 Minuten *
3. Sergio Paniagua (ESP) 3:39,09 Minuten *
4. Marcin Lewandowski (POL) 3:39,36 Minuten
5. Andrew Coscoran (IRE) 3:39,61 Minuten
6. Llorenc Sales (ESP) 3:40,66 Minuten *
7. Jakub Holusa (CZE) 3:42,71 Minuten
 
800m-Lauf der Frauen
1. Habitam Alemu (ETH) 1:58,94 Minuten **
2. Esther Guerrero (ESP) 2:01,13 Minuten *
3. Nadia Power (IRE) 2:01,55 Minuten
4. Louise Shanahan (IRE) 2:05,62 Minuten
5. Natalia Romero (ESP) 2:05,74 Minuten
6. Lorea Ibarzabal (ESP) 2:05,74 Minuten *
 
800m-Lauf der Männer
1. Mariano Garcia (ESP) 1:45,66 Minuten * / **
2. Amel Tuka (BIH) 1:45,95 Minuten *
3. Pierre Ambroise Bosse (FRA) 1:45,95 Minuten *
4. Adrian Ben (ESP) 1:46,88 Minuten
5. Alvaro de Arriba (ESP) 1:46,93 Minuten
6. Filip Snejdr (CZE) 1:46,97 Minuten
 
1.500m-Lauf der Frauen
1. Hirut Meshesha (ETH) 4:09,42 Minuten
2. Marta Perez (ESP) 4:10,34 Minuten
3. Gesa Felicitas Krause (GER) 4:12,02 Minuten
4. Federica Del Buono (ITA) 4:13,44 Minuten
5. Lindsey De Grande (BEL) 4:19,27 Minuten
 
* neue persönliche Bestleistung
** neuer Meetingrekord
*** neue Weltjahresbestleistung
 
 
World Athletics Indoor Tour Meeting in Madrid
World Athletics Indoor Tour