800m-Stars bei nationalen Meisterschaften geschlagen

Dieses Wochenende stand im Zeichen der nationalen Hallen-Meisterschaften. Während die 800m-Stars Adam Kszczot und Pierre-Ambroise Bosse als Zweite ins Ziel kamen, wurden viele Läuferinnen und Läufer in ihren Meisterschaftsrennen ihren Favoritenrollen gerecht.

© Free Photos / Pixabay

 

  • Nur Silbermedaillen für Adam Kszczot und Pierre-Ambroise Bosse
  • Chiara Scherrer verbessert Schweizer Hallenrekord über 3.000m
  • Hallen-Europameister Alvaro de Arriba mit Achtungszeichen bei spanischen Meisterschaften

 

© Free-Photos / Pixabay
RunAustria fasst das europäische Hallen-Meisterschaftswochenende zusammen:
 

Polen: Kszczot überraschend geschlagen

Je dreimal hat Adam Kszczot den Europameistertitel im Freien und in der Halle gewonnen, gestern musste er bei den polnischen Hallenmeisterschaften am EM-Austragungsort in Torun überraschend mit der Silbermedaille Vorlieb nehmen. Patryk Dobek überflügelte ihn unerwartet mit einer persönlichen Bestleistung von 1:47,12 Minuten, der amtierende U23-Europameister Mateusz Borkowski komplettierte das Siegerfoto. Polens zweiter Laufstar, Marcin Lewandowski gab sich im 1.500m-Lauf keine Blöße und setzte sich in einer Zeit von 3:40,14 Minuten knapp gegen Michal Rozmys durch. Rozmys, 2018 noch im EM-Finale von Berlin über 800m, gewann den 3.000m-Lauf in einer Zeit von 7:58,78 Minuten.
Bei den Frauen siegte die wieder erstarkte Joanna Jozwick in einer Zeit von 2:01,90 Minuten über 800m vor Angelika Cichocka. Die Titel auf den längeren Strecken gingen an Martyna Galant (4:24,04) und Beata Topka (9:17,30).
 
 
Der RunAustria-Bericht über die österreichischen Hallen-Staatsmeisterschaften: Vojtas Solo, Kamenschaks Premiere und Pallitschs Comeback
Der RunAustria-Bericht über die deutschen Hallen-Meisterschaften: Krause gewinnt 1.500m-Lauf, Überraschungen über 800m
 
 

Frankreich: Auch Bosse holt nur Silber

Kszczots langjährigem Dauerrivalen Pierre-Ambroise Bosse ereilte bei den französischen Meisterschaften in Miramas ein vergleichbares Schicksal. Der Weltmeister von 2017 musste über 800m in einer Zeit von 1:46,16 Minuten seinem Landsmann Benjamin Robert den Vortritt lassen, der eine Zehntelsekunde schneller lief. Die Bronzemedaille ging an Gabriel Tual. Im 1.500m-Lauf siegte Djilali Bedrani in einer Zeit von 3:40,27 Minuten vor Azzedine Habz und Baptiste Mischler, die Top-Drei waren lediglich durch 0,04 Sekunden getrennt. Jimmy Gressier musste sich mit Rang vier zufrieden geben. Im 3.000m-Lauf lief Hugo Hay zum Titel in einer Zeit von 7:52,42 Minuten.
Die neuen französischen Meisterinnen auf den Laufdistanzen sind Lena Kandissounon (2:05,56), Claire Palou (4:12,62) und Alice Finot (9:12,33).
 
 

Schweiz: Nationaler Rekord für Scherrer, Hoffmann schlägt Büchel

Bei den Schweizer Meisterschaften in Magglingen vor den Toren der Hauptstadt Bern bestach eine Laufleistung am ersten von zwei Wettkampftagen. Chiara Scherrer, im Hauptberuf 3.000m-Hindernisläuferin, die aber stets einen gewissen Fokus auf Flachdistanzen gelegt hat, verbesserte im 3.000m-Lauf den Schweizer Hallenrekord von Astrid Leutert aus dem Jahr 2014 um über sechs Sekunden auf eine Zeit von 9:10,33 Minuten. Bitter: Das Hallen-EM-Limit für Torun ging sich um 0,33 Sekunden nicht aus. Lauf-Highlight des zweiten Wettkampftages war das Duell zwischen Selina Rutz-Büchel und Lore Hoffmann über 800m. Herausforderin Hoffmann übernahm eingangs der zweiten Rennhälfte das Kommando und verteidigte bis zur Ziellinie die Attacken der zweifachen Hallen-Europameisterin. Damit feierte die 24-Jährige ihren ersten Schweizer Hallentitel in einer Zeit von 2:03,89 Minuten vor Rutz-Büchel, die eine Zeit von 2:04,42 Minuten verzeichnete. Die Bronzemedaille ging an die 17-jährige Valentina Rosamilia, die eine Zeit von 2:05,52 Minuten verbuchte. Délia Sclabas verzichtete auf eine Final-Teilnahme aufgrund eines Infekts. Den 1.500m-Lauf gewann Jocelyne Wind in einer Zeit von 4:32,98 Minuten – auch für sie war es eine Titelpremiere.
Bei den Männern schaffte Michael Curti das Doppel über 3.000m und 1.500m. Am Samstag wurde er im 3.000m-Lauf zwar nur Zweiter hinter dem kenianischen Sieger Dominic Lokinyomo (8:11,41), war aber bester von zwei Schweizern. Am Sonntag setzte er sich in einer Zeit von 4:01,60 Minuten in einem schaumgebremsten Rennen gegen Marc Bill durch. Nur drei Läufer waren dabei, Laurent Guillaume, der sich gut eine Stunde zuvor im 800m-Lauf in einem spannenden Duell während der letzten Runde gegen den favorisierten Jonas Schöpfer durchgesetzt und in einer Zeit von 1:50,44 Minuten Gold geholt hatte, nahm Bronze mit.
 
 

Italien: Herzschlagfinale im 800m-Lauf der Frauen

Selten schrieben die italienischen Hallenmeisterschaften in Ancona so große Schlagzeilen wie in diesem Jahr. Gianmarco Tamberi übersprang die Marke von 2,35 Metern, Larissa Iapichino flog zu einem neuen Weitsprung-Junioren-Weltrekord in der Halle. Auf den Laufdistanzen gab es ein Fotofinish um die Goldmedaille im 800m-Lauf der Frauen: Elena Bellò hatte nach Überprüfung der Videobilder die Nase knapp vor Irene Baldessari, beide wurden mit einer Zeit von 2:03,45 Minuten gewertet. Eleonora Vandi hatte im Kampf um Bronze 0,02 Sekunden Vorsprung auf Serena Troiani (2:04,04). Gaia Sabbattini gewann den 1.500m-Lauf überraschend klar in 4:13,70 Minuten, Giulia Aprile dominierte den 3.000m-Lauf in 9:09,26 Minuten. Bei den Männern gelang Pietro Arese das Doppel über 1.500m und 3.000m, wo er sich in 8:04,03 Minuten mit dem hauchdünnen Vorsprung von 0,06 Sekunden gegen Yassin Bouih durchsetzte. Im 800m-Lauf wurde Simone Barontini seiner Favoritenrolle gerecht und siegte klar in 1:47,51 Minuten.
 
 

Spanien: Achtungszeichen vom Hallen-Europameister

Der amtierende Hallen-Europameister Alvaro de Arriba hat sich bei den spanischen Hallen-Meisterschaften in Madrid Selbstvertrauen für die anstehende Titelverteidigung geholt. Der 26-Jährige setzte sich im 800m-Lauf in einer Zeit von 1:47,91 Minuten gegen Pablo Sanchez-Valladares und Mariano Garcia durch. Die Titel auf den weiteren Laufdistanzten gingen an Jesus Gomez (1.500m) und Adel Mechaal (3.000m). Bei den Frauen holte sich Esther Guerrero den Titel im 1.50mm-Lauf (4:07,48), über 3.000m war Marta Garcia die Schnellste, über 800m Lora Ibarzabal.
 
 

Niederlande: Lobles dominiert über 800m

Bei den holländischen Hallen-Meisterschaften in Apeldoorn unweit von Amsterdam hat Djoao Lobles den 800m-Lauf dominiert. In einer Zeit von 1:46,65 Minuten hatte er über eine Sekunde Vorsprung auf Thijmen Kupers. Mike Foppen lief zu einem ungefährdeten Titel im 3.000m-Lauf (7:52,97). Bei den Frauen siegte Britt Ummels im 800m-Lauf in einer Zeit von 2:05,01 Minuten hauchdünn vor Bregje Sloot, über 3.000m lief Maureen Koster als Solistin zum Titel in 8:56,69 Minuten.
 
 

Schweden: Zwei Medaillen für 15-Jährige

Bei den schwedischen Hallen-Meisterschaften in Malmö durfte sich die erst 15 Jahre alte Alice Millan über zwei Medaillen freuen. Sie wurde Dritte über 800m, wo Lovisa Lindh in einer Zeit von 2:03,77 Minuten einen klaren Sieg feierte, und Zweite hinter Samrawit Mengsteab (4:20,33) im 1.500m-Lauf. Im 3.000m-Lauf musste sich Mengsteab mit Silber hinter Meraf Bahta (9:08,56) zufrieden geben. Bei den Männern wurde Andreas Kramer seiner Favoritenrolle im 800m-Lauf gerecht (1:49,19), Johan Rogestedt und Vidar Johansson holten die Titel auf den weiteren Laufdistanzen.
 
 

Ungarn: Doppelsieg von Viktoria Wagner-Gyürkes

Bei den ungarischen Hallen-Meisterschaften in Budapest zeigte Viktoria Wagner-Gyürkes abermals, dass sie sich im Winter 2021 in Topform befindet. Sie siegte im 1.500m-Lauf in einer Zeit von 4:14,88 Minuten vor der erst 17 Jahre alten Greta Varga und Lili Ana Toth sowie im 3.000m-Lauf in einer Zeit von 9:07,90 Minuten mit einem deutlichen Vorsprung von 18 Sekunden auf Toth. Über 800m war Bianka Bartha-Keri in 2:03,21 Minuten nicht zu schlagen. Bei den Männern wurde Balazs Vindics seiner Favoritenrolle im 800m-Lauf gerecht und siegte in einer Zeit von 1:46,86 Minuten vor Istvan Szögi, der den 1.500m-Lauf in einer Zeit von 3:41,60 Minuten klar für sich entscheiden konnte.
 
 

Tschechen, Belgien, Finnland, Litauen

In Ostrava holte sich Tomas Vystrik überraschend den tschechischen Hallen-Meistertitel im 800m-Lauf in einer Zeit von 1:48,75 Minuten zeitgleich mit Filip Snejdr, Lukas Hodbod gewann Bronze. Filip Sasinek wurde seiner Favoritenrolle im 1.500m-Lauf gerecht, er erzielte eine Zeit von 3:46,15 Minuten. Jakob Holusa musste sich im 3.000m-Lauf hinter Jan Fris (7:57,72) einordnen. Bei den Frauen siegte Diana Mezulianikova über 1.500m klar in 4:20,24 Minuten. Bei den belgischen Hallen-Meisterschaften in Louvain-la-Neuve gingen die Titel in den 800m-Läufen an Eliott Crestan (1:46,83) und Renée Eykens (2:02,24). Bei den finnischen Hallen-Meisterschaften in Jväskälä holten sich Joonas Rinne und Sara Kuivisto jeweils beide Goldmedaillen auf den Mittelstrecken. Topi Raitanen, Spezialist für 3.000m-Hindernisläufe, sicherte sich den Titel im 3.000m-Lauf. Zwei Titel gewann auch Simas Bertasius bei den litauischen Hallen-Meisterschaften in Klaipeda, nämlich über 1.500m und 3.000m.