Bei sich bleiben

Die vergangene Woche war für mich in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung. Bedeutung, die unter dem Gesichtspunkt der großen Herausforderungen auf unserer Erde eine Marginalie, aber halt für mich essentiell ist.
In diesem Fall heißt es, mit schwierigen Situationen im Leben umgehen zu können und trotzdem noch zu lächeln und ruhig zu bleiben. Nicht immer ist es einfach, souverän und entspannt mit alltäglichen Problemen umzugehen sowie inneres Vertrauen und Sicherheit auszustrahlen. Ein ausgedehnter, aber sehr ruhiger Dauerlauf erwies sich dann am letzten Wochenende als echter „Durchputzer“ – geistig wie körperlich. Die Seele baumelte freudig erregt in mir (diesen emotionalen Ausritt bitte zu entschuldigen!).
Die Gedanken während des langsamen Dahingleitens drehten sich um die Frage, wie dem Laufen mehr Sinn geben. Zuhause angekommen, blätterte ich im großartigen Schrifttum des Begründers der Logotherapie, Viktor E. Frankl. Sein Werk nimmt im Laufe der Jahrzehnte in meiner Bibliothek einen immer bedeutenderen Rang ein. „Wir sind es, die zu antworten haben auf die Fragen, die uns das Leben stellt. Und diese Lebensfragen können wir nur beantworten, indem wir unser Dasein selbst verantworten“, ermuntert mich der berühmte Wiener Vordenker der Resilienzforschung. Sätze, die an meine Eigenverantwortung appellieren.
Besonders dann, wenn es um Antworten auf die vielen – zum Teil neuen und uns Angst machenden – Herausforderungen geht. Aber was liegt in unserem Handlungsspielraum, um die problematische Situation zu meistern? Politisch Verantwortliche zeichnen derzeit nicht gerade ein Bild, das uns Vertrauen einflößt. Was können wir dabei tun? Wenn schon die Situation nicht zu ändern ist, deine Einstellung dazu bietet einen großen Spielraum.
Laufen funktioniert in einer gewissen Form als eine psychotherapeutische Methode vor allem zur Bewältigung von Stress, Enttäuschung oder sogar Burnout. Auch körperliche Erkrankungen, bei denen Sport nicht verboten ist, profitieren im positiven Sinne von einer ausdauernden Bewegung an der frischen Luft. Ob therapeutisch oder „einfach nur so“ bietet Laufen mit seinen Begleiterscheinungen den Beginn selbstverantwortlicher, von innen kommender Gesundheitsvorsorge.

Laufen ist eine Begegnung mit sich selbst.

In therapeutischer Dosis verabreicht, steht Laufen für ein hautsächlich langsames, mit viel Freude betriebenes Bewegen, das seine Wirkung auf Körper und Geist ausstrahlt. Kraft schöpfen, anstatt Kräfte zu lassen. Erholung anstatt Erschöpfung.
Gerade jetzt ist es wichtig, unseren Bewegungsdrang so richtig auszuleben: Gehen wir raus! Zum bewegten Waldbaden oder wie die Japaner sagen, Shinrin Yoku. Das bedeutet, die Atmosphäre des Waldes beim langsamen Gehen oder Traben erspüren. Mit Achtsamkeit die Stille und das Licht mit allen Sinnen wahrnehmen. Auch das stärkt unser Immunsystem. Wir bauen Belastendes ab, die Atemwege werden wohltuend durchlüftet – die Aerosole lösen sich praktisch in Luft auf. Die gegengleiche Bewegung von Armen und Beinen beflügelt unsere Gedankenwelt. Laufen kann uns dabei unterstützen, gelassen bei sich zu bleiben, ein inneres Vertrauen zu entwickeln, um die aktuelle Ungewissheit zu meistern. 
Geduldig zu sein, ein positives Bild von sich selbst und seiner Umgebung zu haben, hilft dir voranzukommen. Hilft dir, mit etwas Mut neue Handlungen zu setzen. Fang gleich mit dem ersten Schritt nach draußen an. Um es im Geiste Frankls zu formulieren: „Das Laufen wartet auf dich!“

Achte auf deine Gesundheit, beweg dich und lebe dein Leben!
Dein RunAustria Headcoach
Johannes Langer