BOclassic und San Silvestre Vallecana mit starken Elitefeldern

Mit dem Silvesterlauf BOclassic in Bozen und der San Silvestre Vallecana in Madrid finden zwei Silvesterläufe mit hochkarätigen Eliterennen. Dabei werden etliche nationale und internationale Rekorde anvisiert. Massenrennen finden keine statt, viele Silvesterläufe fallen aufgrund der Pandemie gänzlich aus.

 

  • Bozen: Crippa auf der Jagd nach dem Europarekord, Frauen-Weltrekord im Blick
  • Madrid: Hochklassiges Duell zwischen Yehualaw und Chepngetich
  • Zahlreiche Absagen wegen der Pandemie

 

© Pixabay
Ein Jahr, nachdem Eyob Faniel als erster Italiener nach 31 Jahren beim BOclassic gewinnen konnte, soll auch in der heurigen Auflage des traditionsreichen Silvesterlaufs in Bozen ein Italiener die Hauptrolle spielen. Yemaneberhan Crippa bejubelte im Corona-Jahr 2020 seine bisher stärkste Wettkampfsaison, der 24-Jährige verbesserte die italienischen Rekorde im 3.000m-Lauf und 5.000m-Lauf, die jeweils aus dem alten Jahrhundert stammten. Nun nimmt der junge Athlet mit äthiopischen Wurzeln, der als Kleinkind gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern von einem Mailänder Paar adoptiert wurde und nun im Trentino lebt, den ersten Höhepunkt der neuen Wettkampfsaison ins Visier. Er soll in der Südtiroler Hauptstadt unter Beweis stellen, dass er seine gute Form aus der letzten Wettkampfsaison über den Aufbau für die Olympische Saison konserviert hat, und den Europarekord im 5km-Lauf attackieren. Dieser liegt bei einer Zeit von 13:18 Minuten, markiert vom Franzosen Jimmy Gressier Mitte Februar in Monaco. Crippas italienischer 5.000m-Rekord hält bei einer Zeit von 13:02,26 Minuten, gelaufen Anfang September in Ostrava in jenem Rennen, in dem auch Andreas Vojta (team2012.at) seine persönliche Bestleistung deutlich steigern konnte.
 

Vieles eine Ausnahme

Üblicherweise stehen in Bozen ein 10km-Lauf für die Männer und ein 5km-Lauf für die Frauen auf einem Rundkurs mit engen Kurven und viel Kopfsteinpflaster durch die Altstadt auf dem Programm. Heuer drehte der Veranstalter die Bewerbe um: die Männer laufen fünf, die Frauen zehn Kilometer. Auch abgesehen davon ist vieles anders als in den 45 Auflagen davor. Gelaufen wird nicht im Stadtzentrum, sondern im Südtiroler Fahrsicherheitszentrum im kleinen Ort Pfatten vor den Toren der Stadt – auf einem flachen Rundkurs, der schnelle Zeiten ermöglichen soll, und unter Ausschluss von Zuschauern. Konkurrenz, die schnell laufen wird, findet Crippa übrigens vor. Favoriten sind die Äthiopier: Muktar Edris ist zweifacher 5.000m-Weltmeister und dreifacher Sieger beim BOclassic, zuletzt trainierte er allerdings nicht spezifisch für die Mittelstrecke, sondern für sein sehr gelungenes Halbmarathon-Debüt in Neu Delhi (59:04). Telahun Bekele hat noch eine Rechnung mit Bozen offen. Im letzten Jahr musste er sich überraschend Eyob Faniel geschlagen geben. Der dritte starke Äthiopier im Bunde ist Tadese Worku, Vize-Junioren-Weltmeister im Crosslauf von 2019. Albert Chemutai und Oscar Chelimo, in Aarhus Dritter hinter Worku, sowie der Marokkaner Abdelaati Iguider komplettieren das starke Elitefeld, in dem auch etliche Italiener stehen.
 

Weltrekord für reine Frauenrennen im Blick

Für den 10km-Bewerb der Frauen hat Athletenkoordinator Gianni Demadonna eine Attacke auf den Weltrekord für reine Frauenbewerbe ausgegeben. Diesen hält die Marokkanerin Asmae Leghzaoui seit 18 Jahren in einer Zeit von 30:29 Minuten. Angeführt wird das Elitefeld von Margaret Kipkemboi, eine 5.000m-Spezialistin, die den BOclassic im vergangenen Jahr mit einer starken Leistung gewonnen hat. Die stärksten Herausforderinnen sind ihre kenianischen Landsfrauen Janet Kisa, 2014 Siegerin in Bozen, Norah Jeruto, eine Spezialistin für 3.000m-Hindernisläufe, und Dorcas Tuitoek, eine Halbmarathonläuferin. Die stärksten Europäerinnen im Rennen sind die in Italien lebende Ukrainerin Sofia Yaremchuk und die frisch gebackene italienische Marathon-Meisterin Giovanna Epis, die allerdings noch mitten in der Erholung dieses Rennens ist.
 

Yehualaw gegen Chepngetich in Madrid

Ein traditionell sehr schneller Silvesterlauf findet in Madrid statt, die Corrida de San Silvestre Vallecana, die auch heuer zahlreiche prominente Läuferinnen und Läufer anlockt. Gelaufen wird nicht auf der üblichen Strecke, die etwas abschüssig und daher nicht rekordtauglich ist, sondern auf einem zweieinhalb Kilometer langen Rundkurs. Grund dafür sind die Einschränkungen rund um die Pandemie, die auch wie in Bozen die Absage des Massenrennens bewirkt haben.
Angeführt wird das Feld der Männer vom Kenianer Daniel Simiu, der über eine 10km-Bestleistung von 27:18 Minuten verfügt. Der US-Amerikaner Paul Chelimo will in die Region des US-amerikanischen Rekords von Bernard Lagat (27:48) laufen. Die prominentesten Europäer im Feld sind der Italiener Eyob Faniel, der mit seinen Bestleistungen im Halbmarathon und im Marathon (2:07:19, gleichzeitig italienischer Rekord), gelaufen jeweils in Sevilla in den ersten Wochen des Jahres 2020, beste Erinnerungen an Spanien hat und den italienischen Rekord von Daniele Meucci (28:08), den er bereits zweimal knapp verpasste, attackieren will, sowie die Lokalmatadoren Ouassim Oumaiz, Neuzugang im NN Running Team, Antonio Abadia, Javier Guerra, Fernando Carro und Ayad Lamdassem, frisch gebackener spanischer Marathon-Rekordhalter. An der absoluten Spitze besser besetzt ist der Lauf der Frauen, wo sich Yalemzerf Yehualaw, seit ihrem Sieg beim Delhi Halbmarathon zweitschnellste Halbmarathonläuferin der Geschichte, und die kenianische Marathon-Weltmeisterin Ruth Chepngetich duellieren. Beide ziehen ihre 10km-Bestleistungen aus Zwischenzeiten von Halbmarathons bzw. Marathons, daher sind Verbesserungen zu erwarten.
 
 

Zahlreiche Absagen

Normalerweise ist der 31. Dezember einer jener Tage im Jahr, an dem zahlreiche Laufveranstaltungen stattfinden. Aufgrund der Pandemie ist es dieses Mal gänzlich anders. Der Silvesterlauf in Peuerbach wurde bereits frühzeitig abgesagt, auch die meisten Silvesterläufe in Deutschland und der traditionelle Neujahrsmarathon in Zürich fallen aus. Der Silvesterlauf in Trier findet als virtueller Spendenlauf für die Opfer einer Amokfahrt vom 1. Dezember statt. Die deutschen Top-Läufer Gesa Krause, Amanal Petros, Richard Ringer, Katharina Steinruck, Homiyu Tesfaye, Miriam Dattke und Elena Burkard haben ihre Teilnahme auf individuell gewählten Laufstrecken (5km für die Frauen, 8km für die Männer) genauso zugesagt wie die ehemaligen deutschen Laufstars Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt. Auch Nada Pauer (SVS Leichtathletik) steht auf der Startliste. Die äthiopische Lauflegende Haile Gebrselassie nimmt auf einem Laufband in Addis Abeba an der Aktion teil.
 

Corrida de Sao Silvestre verschoben

Nicht am traditionellen Termin am letzten Tag des Jahres stattfinden wird der älteste aller Silvesterläufe, die Corrida de Sao Silvestre in Sao Paolo. Die 96. Auflage des Events wurde aufgrund der Pandemie auf den 11. Juli 2021 verlegt.
 
 
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