Hochklassiger Valencia Marathon mit sechs WMM-Siegern

Gleich sechs Sieger von World Marathon Majors und sage und schreibe neun Läufer mit Bestleistungen unter 2:05 Stunden treten am Sonntag beim Valencia Marathon an. Neben Valentin Pfeil und Timon Theuer nehmen auch drei Deutsche das Olympia-Limit ins Visier, darunter Debütant Richard Ringer.

Die Strecke des Valencia Marathon 2020. © Valencia Marathon

 

  • Sechs World-Marathon-Major-Sieger um Sieg beim Valencia Marathon
  • Özbilens erster Marathon seit dem Europarekord
  • Drei Deutsche kämpfen um Olympia-Limit – Marathon-Debüt von Richard Ringer

 
Die Sehnsucht nach einem Marathonstart im Herbst 2020 war in der Welt der Profimarathonläufer spürbar. Das Hoffen auf eine Realisierung des Valencia Marathon als Eliterennen groß. Und seit kurzem ist der Event auch endgültig bestätigt. Der Valencia Marathon kann am kommenden Sonntag über die Bühne gehen und das als mit deutlichem Abstand best besetzten Auflage der eigenen Geschichte, die 40. Obwohl sich die Gerüchte rund um einen Start von Kenenisa Bekele, der nach seinen muskulären Problemen vor dem London Marathon längst wieder trainiert, (bisher) nicht bestätigten, befinden sich neun Läufer mit Bestleistungen unter 2:05 bzw. fünf weitere mit Bestleistungen unter 2:06 Stunden auf der Startliste. Ein großer Name reiht sich hinter den nächsten, nicht weniger als bei World Marathon Majors siegreiche Athleten befinden sich darunter.
 
 
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Legese und Cherono führen die Favoritenliste an
Die Strecke des Valencia Marathon 2020. © Valencia Marathon
Schnellster Läufer im Feld ist Birhanu Legese, der den Berlin Marathon 2019 in einer Zeit von 2:02:48 Stunden abschloss und damit hinter Kipchoge und Bekele die Nummer drei der ewigen Bestenliste im Marathonlauf ist. Der 26-Jährige überzeugte im Februar mit seinem Sieg beim Tokio Marathon in einer Zeit von 2:04:15 Stunden, womit er seinen Titel in der japanischen Hauptstadt erfolgreich verteidigte. Legese führt die Phalanx der Äthiopier an, der Zweitschnellste im Feld laut Vorleistung ist sein Landsmann Kinde Atanaw. Der 27-Jährige agiert in Valencia als Titelverteidiger, praktisch aus dem Nichts stürmte er im Vorjahr zur schnellsten je auf spanischem Boden erzielten Marathonzeit von 2:03:51 Stunden. Nun bietet sich ihm die Gelegenheit nachzuweisen, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege war. Die weiteren starken Äthiopier im Rennen sind Leul Gebresilase, der vor einem bescheideneren Marathonjahr 2019 2018 in Valencia gewinnen konnte, Hayle Lemi, in seinem besten Jahr 2016 Sieger des Boston Marathon, der amtierende Weltmeister Lelisa Desisa und Abebe Negewo, im Vorjahr Vierter. Desisa ist der erfahrenste der Siegkandidaten und kann bereits auf Triumphe beim Boston Marathon (2013 und 2015) und New York City Marathon (2018) verweisen.
Ebenfalls bereits zwei verschiedene World Marathon Majors hat der Kenianer Lawrence Cherono gewonnen, nämlich in Boston und Chicago 2019. Seinen schnellsten Marathon lief er allerdings 2018 in Amsterdam in 2:04:06 Stunden. „Ich freue mich unheimlich auf Sonntag. Für einen professionellen Läufer war es eine Tortour, so lange auf den nächsten Marathon warten zu müssen. Heute habe ich ein Lächeln auf den Lippen, weil ich in Valencia an den Start gehen werde“, kann es der 32-Jährige laut eines Berichts der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“ kaum erwarten. Cherono, der seine Siegchancen trotz hochkarätiger Konkurrenz aus Äthiopien intakt sieht, ist der einzige kenianische Siegkandidat, für Spitzenplätze oder nicht prognostizierbare Sensationen kommen Reuben Kiprop, Sieger des Abu Dhabi Marathon 2019, Evans Chebet, Sieger des Buenos Aires Marathon 2019 und des Lake Biwa Marathon 2020, Philemon Rono, Sieger des Toronto Marathon 2019, WM-Bronzemedaillengewinner Amos Kipruto, der ehemals zweifache Weltmeister Abel Kirui und der Weltmeister von 2017, Geoffrey Kirui in Frage. Dank seiner hervorragenden Leistung in Doha war Amos Kipruto Teil des ursprünglichen Marathon-Teams der Kenianer für Tokio. „Der Sieg hat für mich keine Priorität in Valencia, ich will meine persönliche Bestleistung verbessern und mich damit in eine gute Position für eine Olympia-Nominierung zu bringen“, sagte der 28-Jährige der kenianischen Newsplattform „The Star“.
 
 
RunAustria-Tipp: Der Valencia Halbmarathon kann auf der Website des Valencia Marathon und auf dessen Youtube-Kanal ab 8 Uhr im Livestream (Start um 8:30 Uhr) verfolgt werden. Ebenfalls überträgt der Eurosport Player.
 
 

Özbilen: Jahr eins nach seinem Europarekord

Die große Überraschung des letzten Jahres in Valencia war der zweitplatzierte Kaan Kigen Özbilen, der in einer Zeit von 2:04:16 Stunden den damals gut ein Jahr alten Europarekord von Mo Farah steigerte. Der kenianisch-stämmige Türke, der auf kontinentaler Ebene einmal Crosslauf-Europameister wurde, steht mit diesem Bestwert inmitten der afrikanischen Elite und wird beim Valencia Marathon 2020 auch an diesem Wert gemessen, schließlich ist auch sein zweiter Platz beim Rotterdam Marathon 2019 ein absolutes Weltklasseresultat. Bei der Halbmarathon-WM in Gdynia, seine sportliche Generalprobe für Valencia, zeigte sich der 34-Jährige allerdings noch nicht in Topform und erzielte lediglich eine Zeit von 1:02:53 Stunden.
Der zweite europäische Topläufer im Feld ist der niederländische Rekordhalter Abdi Nageeye, der 2019 starke Marathons in Rotterdam und Amsterdam gelaufen ist, seither aber nicht mehr am Start war. Die weiteren europäischen sub-2:10-Läufer sind der Spanier Hamid Ben Daoud, der im Februar in Sevilla eine Zeit von 2:07:33 Stunden gelaufen ist, seine Landsleute Ayad Lamdassem und Ivan Fernandez, der Türke Polat Kemboi Arikan, der Israeli Yimer Getahun sowie der Franzose Hassan Chahdi. Die Gruppe jener vorzüglich aus europäischen aber auch amerikanischen Nationen stammenden Läufer, die eine Erbringung des Olympia-Limits von 2:11:30 Stunden anstreben, ist beachtlich groß. Dazu gehören auch die Österreicher Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr) und Timon Theuer (DSG Wien) (siehe eigenen RunAustria-Bericht).
 

Hohe Ziele für Debütant Ringer

Im riesigen Elitefeld der Männer befinden sich auch vier deutsche Läufer. Richard Ringer gibt sein mit Spannung erwartetes Marathondebüt, das er spätestens ab seinem spätsommerlichen Trainingslager in St. Moritz unter der Leitung seines neuen Trainers Wolfgang Heinig vorbereitete. Gleich bei der Premiere soll die Olympia-Qualifikation her, vor Monaten berichteten deutsche Medien von sub-2:10 als Ziel. In der unmittelbaren Vorschau auf den Valencia Marathon nahm der Halbprofi den Fuß vom Gas. „Ich habe gut trainiert und glaube an mich. Ich will die richtige Gruppe finden und ein ruhiges Tempo laufen. Ich bin auf einem guten Weg“, wird er in einem Bericht von Race News Service zitiert. 2018 startete Ringer in Frankfurt bereits einmal bei einem Marathon, um Tempo für Arne Gabius zu machen. Damals habe er Lust auf diese Disziplin bekommen.
Das Olympia-Limit haben sich Philipp Pflieger und Tom Gröschel vorgenommen. Pflieger, der unter der Leitung von Renato Canova gemeinsam mit Sondre Nordstad Moen in Sestrière trainiert hat, jagt bereits seit fünf Jahren seiner persönlichen Bestleistung von 2:12:50 Stunden nach. Seinen letzten Marathon finishte er vor zweieinhalb Jahren in Hamburg, seither zeigte er im Halbmarathon ziemliche Konstanz rund um 1:03 Stunden. Gröschel müsste seine persönliche Bestleistung um über zwei Minuten steigern, um das Olympia-Ticket zu schaffen.
Stärkster Deutscher im Feld ist voraussichtlich Amanal Petros. Die Generalprobe in Gdynia ging allerdings in die Hose. Rang 100 war allerdings auch durch einen Sturz in der Anfangsphase mitbegründet. Vor einem Jahr schaffte er in Valencia bei seinem Marathon-Debüt in einer Zeit von 2:10:29 Stunden die Qualifikation für die Olympischen Spiele, bisher als einziger deutscher Marathonläufer.
 

Aufgrund der Pandemie: Qualität statt Quantität

Der Valencia Marathon Trinidad Alfonso EDP feiert just im Corona-ihr 2020 seine 40. Auflage, die mit 30.000 verkauften Anmeldungen ausverkauft gewesen wäre. Der Teilnehmerrekord realisiert sich nicht, weil der Veranstalter aufgrund der Einschränkungen rund um die Pandemie frühzeitig auf reine Eliterennen setzen musste. Dafür nahm er einen Halbmarathon ins Programm auf, der am 25. Oktober mit 20.000 gemeldeten Läuferinnen und Läufer abgesagt werden musste.
Obwohl der Veranstalter stets Selbstvertrauen zeigte und Sicherheit ausstrahlte, war die Austragung des Valencia Marathon im Kontext zahlreicher Absagen von Herbst-Marathons lange Zeit fraglich. Doch der Veranstalter blieb standhaft, zeigte Entschlossenheit, den Event durchführen zu wollen und sah dabei auch die Chance, eine unheimliche Qualität ins Starterfeld zu bekommen. Schließlich ist die Nachfrage nach Startmöglichkeiten so groß wie nie. Und tatsächlich ist die Qualität in der Breite historisch, wie die US-amerikanische Läuferplattform „Let’s Run“ festhält: Neun Läufer mit Bestleistungen unter 2:05, 14 unter 2:06, 25 unter 2:08 Stunden hat es jeweils noch nie gegeben – auch das Elitefeld der Frauen stellt Rekorde ein oder neue auf.
Athleten aus 43 Nationen reisen nach Spanien, um ihre Marathonziele für 2020 doch noch zu erfüllen. Möglich gemacht wird das sicherheitstechnisch dank eines strengen Hygiene- und Sicherheitskonzepts für alle Beteiligten. Gelaufen wird auf der pfeilschnellen Originalstrecke der Halbmarathon-WM 2018, die für die Marathon-Distanz zweimal zu absolvieren ist.
 
 
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