Joshua Cheptegei auch 10.000m-Weltrekordhalter

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54 Tage nach seinem fantastischen 5.000m-Weltrekord in Valencia hat Joshua Cheptegei in Valencia auch den Weltrekord im 10.000m-Lauf verbessert. In einer Zeit von 26:11,00 Minuten blieb er um 6,53 Sekunden unter dem alten Bestwert von Kenenisa Bekele, der seine schnellste Zeit über 10.000m am 26. August 2005 in Brüssel erzielte. „Es ist großartig, ein Traum, eine historische Leistung!“, jubelte das 24-jährige Ausnahmetalent. „Ich wollte die hohen Erwartungen erfüllen. In Zeiten der Corona-Pandemie spenden uns solche Events Hoffnung.“ Nachdem Cheptegei zwei lang überdauernde Weltrekorde verbessert hat, will er nun auch bei globalen Meisterschaftsrennen Titel sammeln, um als größter Läufer aller Zeiten in die Geschichte einzugehen. Angefangen mit den Olympischen Spielen von Tokio. Den ersten Schritt hat er 2019 mit den WM-Titeln im Crosslauf und im 10.000m-Lauf bereits gesetzt, in neun Tagen folgt sein Halbmarathon-Debüt im Rahmen der Weltmeisterschaften. Ugandas Volksheld ist erst der zehnte Läufer der Geschichte, der parallel die Weltrekorde im 5.000m- und 10.000m-Lauf hält – in der Liste finden sich Ausnahmegrößen wie Paavo Nurmi, Emil Zatopek, Lasse Viren, Haile Gebrselassie oder Kenenisa Bekele. Außerdem hält Cheptegei die Weltrekorde im 5km- und 15km-Straßenlauf (letzteres als Weltbestzeit).
 
Der RunAustria-Bericht über den Weltrekord im 5.000m-Lauf durch Letesenbet Gidey: Dibabas Weltrekord pulverisiert
 

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Unfassbare Konstanz in spannendem virtuellen Duell

Im Gegensatz zu Letesenbet Gideys Weltrekordlauf über 5.000m bewegte sich die Spitze vom Start weg zwischen grüne (Weltrekordpace) und blaue Lichter (Soll). Denn die Gruppe um Joshua Cheptegei blieb konstant einen Hauch vorne, hatte aber nie einen großen Vorsprung auf die Marschroute, die die durchschnittliche Laufzeit des 10.000m-Weltrekordes beschrieb. Auch das virtuelle Fernduell mit der 15 Jahre alten Leistung von Kenenisa Bekele blieb bis Kilometer sieben ein sehr enges Duell. Cheptegei war stets einen Hauch schneller, außer nach sechs von zehn Kilometern, als er einen Rückstand von 0,4 Sekunden auf Bekeles Referenzzeit aufwies. Auffallend war die unheimliche Konstanz Joshua Cheptegeis: Die ersten neun Kilometerzeiten befanden sich allesamt zwischen 2:37 und 2:38 Minuten.
 

Zwei merkliche Beschleunigungen

Der Holländer Roy Hoornweg und der Australier Matthew Ramsden teilten sich die ersten 3.000m auf Position eins des Rennens. Besonders auf dem dritten Kilometer verlor die Gruppe etwas an Tempo, weshalb das erste Forcing notwendig war. Und das organisierte der dritte Pacemaker, 5.000m-Weltklasseläufer Nicholas Kimeli, der bis zur Rennhälfte führte und dann das Rennen zu Ende lief um als weit distanzierter Zweiter hinter Joshua Cheptegei das Ziel zu erreichen. Trotz der merklichen Beschleunigung lag Kimeli bei Halbzeit in einer Zeit von 13:07,73 Minuten gut zweieinhalb Sekunden hinter dem Marschplan zurück, der Vorsprung auf Bekeles Referenzzeit war allerdings dank seiner Bemühungen auf 1,7 Sekunden angestiegen.
 
Joshua Cheptegeis Zwischenzeiten:
1.000m: 2:37,9 Minuten
2.000m: 5:15,0 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,1)
3.000m 7:52,79 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,79)
4.000m: 10:29,83 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,04)
5.000m: 13:07,73 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,90)
6.000m: 15:45,06 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,33)
7.000m: 18:22,00 Minuten (Kilometerzeit: 2:36,94)
8.000m: 20:59,48 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,48)
9.000m: 23:36,75 Minuten (Kilometerzeit: 2:37,27)
10.000m: 26:11,00 Minuten (Kilometerzeit: 2:34,25)
 
Nun lag es an Cheptegei selbst und der Ugander schaltete nach 6.000m einen Gang hoch. Mit einem beeindruckend langen Schritt und gleichzeitig hoher Dynamik etablierte er unter den mit Gesichtsmasken ausgestatteten Zuschauern rasch den Eindruck, dass die Weltrekordjagd erfolgreich sein würde. Sukzessive baute Cheptegei seinen Vorsprung aus, bei Kilometer neun lag er 8,3 Sekunden vor Bekeles Referenzzeit und hatte auch einen mittlerweile merklichen Vorsprung auf die grünen Lichter, die in seinem Rücken die Bahn entlang huschten. Die Zeitnehmung stoppte exakt bei einer Zeit von 26:11 Minuten, nach dem mit Abstand schnellsten Kilometer des Rennens. Da machte es nichts, dass Bekele damals in Brüssel einen fabelhaften finalen Kilometer von 2:32,4 auf die Bahn gebrannt hatte. Cheptegei feierte nicht nur eine massive Verbesserung seiner persönlichen Bestleistung, sondern auch einen deutlichen neuen Weltrekord. Auch aufgrund eines bemerkenswerten negativen Splits. Kein Läufer hielt die Weltrekorde auf den beiden Langdistanzen so lange wie Kenenisa Bekele, nun hält der Äthiopier keinen einzigen mehr – und dass er sich jenen im Marathon holt, scheint angesichts seines Alters nicht sehr wahrscheinlich. Vielleicht sind Cheptegeis Chancen darauf in ferner Zukunft größer.
 
Der RunAustria-Bericht über den Weltrekord im 5.000m-Lauf durch Letesenbet Gidey: Dibabas Weltrekord pulverisiert
 
 

Ergebnis 10.000m-Lauf der Männer

1. Joshua Cheptegei (UGA) 26:11,00 Minuten *
2. Nihcolas Kimeli (KEN) 27:12,98 Minuten
3. Shadrack Kipchirchir (USA) 27:28,97 Minuten
4. Stephen Kissa (UGA) 27:34,48 Minuten **
5. Victor Kiplangat (UGA) 28:16,40 Minuten **
6. Luuk Maas (NED) 29:17,74 Minuten **
7. Björn Koreman (NED) 29:38,44 Minuten
8. David Corrales (ESP) 31:26,60 Minuten
 
* neuer Weltrekord
** neue persönliche Bestleistung
 
 
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