13. Berglauf-Staatsmeistertitel für Mayr, vierter für Innerhofer

Andrea Mayr beim Jungfrau Marathon 2013. © SIP / Johannes Langer

Es war im Jahr 2002 in Ferleiten am Großglockner, als Andrea Mayr (SVS Leichtathletik) erstmals die Goldmedaille bei Berglauf-Staatsmeisterschaften gewann. Um das in einen Kontext zu gießen: Der damalige US-Präsident George W. Bush eröffnete im Februar die Hochsicherheits-Olympischen Spiele von Salt Lake City. Deutscher Kanzler war Gerhard Schröder, die Schweiz trat nach einer entsprechenden Volksabstimmung den Vereinten Nationen teil und in Österreich war die ÖVP erstmals seit 36 Jahren stimmenstärkste Partei bei den Nationalratswahlen und führte die schwarz-blaue Koalition in eine zweite Regierungsperiode. Am 1. Jänner 2002 veränderte die Einführung des Euro als neue Währungsunion auch in Österreich die europäische Wirtschaft nachhaltig. Heute, eine gefühlte Ewigkeit später, ist alles dies tief in der Historie verankert bzw. im Falle der Schweiz und des Euro etablierte Normalität. Und Andrea Mayr ist immer noch die beste Bergläuferin des Landes. Zum neunten Mal in Folge und zum insgesamt 13. Mal eroberte die 40-jährige Oberösterreicher den Titel in jener Disziplin, in der die Allrounderin so gut ist wie in keiner anderen.
 

Andrea Mayr beim Jungfrau Marathon 2013. © SIP / Johannes Langer
 

Neunter Berglauf-Staatsmeistertitel in Folge

Obwohl sie im laufenden Kalenderjahr aufgrund einer schweren Knieverletzung im Winter nur reduziert und selbst im Sommer teilweise unter Schmerzen trainieren konnte, hat die mehrfache Berglauf-Welt- und -Europameisterin Andrea Mayr ihre Titelserie bei Berglauf-Staatsmeisterschaften auf neun prolongiert. Auf der Ersatzstrecke in St. Johann im Pongau lief der Routinier einen klaren Erfolg in einer Zeit von 39:29 Minuten heraus. Dass die Ärztin aus dem Salzkammergut in einer guten Verfassung ins Salzburger Land reiste, demonstriert auch die Tatsache, dass lediglich zwölf Männer vor ihr das Ziel erreichten. „Ich habe mich vorsichtig in das Rennen hineingetastet und in der unteren, steilsten Passage mich hinter Sandrina eingeordnet. Ich habe mich wohlgefühlt, bin dann in Führung gegangen und konnte das Rennen gut zu Ende laufen“, erzählte die Siegerin im Ziel. „Ich bin mit diesem Wettkampf zufrieden.“ Die frisch gebackene österreichische 10km-Meisterin Sandrina Illes (Union St. Pölten) konnte den Rückstand auf die Siegerin angesichts deutlich größerer Zeitabstände, mit denen Mayr ihre Titel in Vergangenheit gewinnen konnte, mit knapp zweieinhalb Minuten in Grenzen halten und hatte im Ziel ihrerseits zwei Minuten und 43 Sekunden Vorsprung auf Berglauf-Routinier und fünffache Marathon-Staatsmeisterin Karin Freitag (LG Decker Itter), die sich über die Bronzemedaille freute. Illes war auch im vergangenen Jahr Zweite hinter Mayr. „Silber geht für mich in Ordnung, aber ich habe heute schon gemerkt, dass ich aufgrund meiner Fußverletzung im Sommer noch nicht bei 100% bin“, so Illes.
 

Innerhofer der Stärkste aus einem Quartett

Bei den Männern entwickelte sich ein Vierkampf um die Medaillen. Wie bereits bei seinen Titelgewinnen in den Jahren 2016, 2017 und 2019 erwies sich Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau), der zugleich auch Salzburger Landesmeister wurde, auf der zweiten Streckenhälfte als der Stärkste. Der Titelverteidiger attackierte in einer moderaten Steigung kurz nach dem Flachstück aus der Vierergruppe und verwaltete im Finale seinen Vorsprung. In einer Zeit von 35:05 Minuten verwies der Pinzgauer Alexander Brandner (35:45), der zum zweiten Mal in Folge die Silbermedaille gewann, und Markus Hartinger (35:48, beide Kolland Topsport Gaal) auf die weiteren Plätze. Zwölf Sekunden, nachdem die Medaillen fixiert waren, überquerte Manuel Seibald (LTV Köflach) als unglücklicher Vierter die Ziellinie.
In der Altersklasse U20 setzte sich Andreas Hetzenauer (LG Decker Itter) auf einer rund 5,3 Kilometer langen Strecke mit einer Höhendifferenz von knapp 500 Metern in einer Zeit von 30:21 Minuten mit 16 Sekunden Vorsprung auf den Salzburger Yannick Voithofer und Florian Kaswurm durch. Bei den Mädchen feierte Katharina Götschl (USKO Melk) einen überlegenen Sieg in einer Zeit von 36:27 Minuten. Wie Götschl wurde Maya Florentine Walcher (runninGraz) ihrer Favoritenrolle in der Altersklasse U18 gerecht und war auch um fast zweieinhalb Minuten schneller als sie. In einer Zeit von 34:06 Minuten verwies die Grazerin Deborah Rudolf (ARBÖ Pillerseetalbiker) um 2:23 Minuten auf den zweiten Platz, Lea Luxner (LG Decker Itter) komplettierte das Stockerl. Bei den Burschen siegte Nils Oberauer (Athletik-Klub Vasold Liezen) in einer Zeit von 29:52 Minuten vor David Fellner (LCAV Jodl packaging, 30:05) und Emil Schwaninger (TS Innsbruck, 30:22). Auch bei den Burschen war das U18-Rennen das schnellere der Nachwuchsbewerbe.
 

Wetterbedingt Plan B

Am Freitag hatten sich die Blicke der Verantwortlichen sorgenvoll Richtung des tiefgrauen Himmels gerichtet. Der prognostizierte Wintereinbruch in den Alpen fiel drastisch aus. Rund ein halber Meter Neuschnee blieb bis Samstagvormittag auf dem Gernkogel liegen, der starke Wind hatte für massive Schneeverwehungen gesorgt. Ein Lauf auf das intendierte Ziel am Gernkogel war ausgeschlossen, so dass das Veranstalterteam um Franz Wielandner Plan B aus der Schublade holte. Die ÖLV-Staatsmeisterschaften im Berglauf 2020 wurden auf einer rund 7,5 Kilometer langen Strecke mit einer Höhendifferenz von 710 Metern von St. Johann im Pongau auf die Kreistenalm ausgetragen – knapp die Hälfte der Strecke bildete ein Forst-, den Rest ein Wanderweg. Die Nachwuchs- und Mastersklassen absolvierten die letzten 5,3 Kilometer der Strecke mit einer Höhendifferenz von knapp 500 Metern, ebenfalls mit Ziel auf der Kreistenalm. „Ich habe ausschließlich positives Feedback von den Athleten zur neuen Strecke vernommen“, erzählte ÖLV-Berglaufreferent Helmut Schmuck. Am Wettkampftag wurde der sehr bemühte Veranstalter, der von Schmuck ein großes Lob für die qualitative Eventumsetzung trotz der notwendig gewordenen Improvisation erhielt, mit einer erheblichen Wetterbesserung und azurblauem Himmel belohnt, allerdings bei für diesen September ungewohnt kühlen Vormittagstemperaturen. Die „weiße Pracht“ lieferte auf letzten Streckenpassage eine zarte Kulisse, dank der Wetterbesserung war der Untergrund aber nicht rutschig.
Aufgrund der gesellschaftlichen Restriktionen rund um die COVID-19-Pandemie wurde der Internationale Gernkogellauf auf die Austragung der ÖLV-Staatsmeisterschaften im Berglauf reduziert.
 
 

Ergebnisse ÖLV-Staatsmeisterschaften im Berglauf 2020
Männer

Gold: Manuel Innerhofer 35:05 Minuten
Silber: Alexander Brandner 35:45 Minuten
Bronze: Markus Hartinger 35:48 Minuten
4. Manuel Seibald 36:01 Minuten
5. Markus Lemp 36:54 Minuten
6. Jakob Herrmann 37:25 Minuten
7. Robert Süßbauer 37:54 Minuten
8. Bruno Schumi 38:03 Minuten
9. Andreas Englbrecht 38:11 Minuten
10. Lukas Gärtner 38:50 Minuten
 

Frauen

Gold: Andrea Mayr 39:29 Minuten
Silber: Sandrina Illes 41:59 Minuten
Bronze: Karin Freitag 44:42 Minuten
4. Claudia Rosegger 45:14 Minuten
5. Romana Slavinec 46:38 Minuten
6. Carina Wasle 47:09 Minuten
7. Anna Gleck 47:44 Minuten
8. Michaela Zwerger 47:57 Minuten
9. Kerstin Draschwandtner 48:57 Minuten
10. Sarah Riffel 50:08 Minuten
 

U 20, Burschen

Gold: Andreas Hetzenauer 30:21 Minuten
Silber: Yannick Voithofer 30:37 Minuten
Bronze: Florian Kaswurm 31:24 Minuten
 

U20, Mädchen

Gold: Katharina Götschl 36:27 Minuten
Silber: Hannah Sieberer 39:04 Minuten
Bronze: Alina Hrnecek 54:47 Minuten
 

U18, Burschen

Gold: Nils Oberauer 29:52 Minuten
Silber: David Fellner 30:05 Minuten
Bronze: Emil Schwaninger 30:22 Minuten
 

U18 Mädchen

Gold: Maya Florentine Walcher 34:06 Minuten
Silber: Deborah Rudolf 36:29 Minuten
Bronze: Lea Luxner 37:06 Minuten
 
 
Österreichischer Leichtathletik-Verband
Internationaler Gernkogellauf