Weltrekorde im Ein-Stunden-Lauf für Farah und Hassan

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Wie viele Kilometer haben Sie das letzte Mal abgespult, als Sie exakt eine Stunde nach dem Start in Ihre Laufrunde auf ihren Trainingscomputer am Handgelenk geblickt haben? Selten eignet sich ein Vergleich zwischen Profiläufer bzw. Profiläuferin und Freizeitläufer bzw. Freizeitläufer so gut wie im Ein-Stunden-Lauf. Am Freitagabend in Brüssel schafften Mo Farah 21.330 Meter und Sifan Hassan 18.930 Meter, beides neue Weltrekorde in dieser Disziplin. Messen Sie bei Ihrer nächsten einstündigen Laufrunde Ihren Wert, am besten imitiert, wenn Sie auf den Sportplatz gehen und auf der Tartanbahn die Runden drehen. Sie werden Respekt davor haben, wie viele Stadionumläufe die weltbesten binnen einer Stunde absolvieren: 53 der Brite und 47 die Holländerin. Natürlich dürfen Sie eingeübte, gleichgeschlechtliche Tempomacher bzw. Tempomacherinnen für einen authentischen Vergleich einsetzen.
 
 

 

Farah und Abdi besser als Gebrselassie

„Es war eine sehr aufregende Rückkehr auf die Bahn. Ich wusste nach den letzten Wochen, dass ich in guter Form sein würde“, freute sich Mo Farah nach seinem ersten Weltrekordlauf überhaupt. Achtsam und konstant folgte die Gruppe der Tempomacher über den größten Teil der Distanz die grünen Wavelights auf der Innenkante der Innenbahn, die die Referenzleistung von Haile Gebrselassie aus dem Jahr 2007 simulierten. „Eine große Hilfe“, lobte der neue Weltrekordhalter später. Nach 50 Minuten erhöhte das Duo Bashir Abdi und Mo Farah das Tempo, in den letzten Minuten war längst klar, dass der Weltrekord fallen würde, die offene Frage nur, durch wen. Abdi führte, doch als das Signal für die letzte Minute ertönte, trat Farah an und beantwortete sie. Der Brite stoppte nach 21.330 Meter und schaffte damit genau acht mehr als der neue belgische Landesrekordhalter, dem immerhin eine neue Weltbestzeit im 20.000m-Lauf blieb (Durchgangszeit 56:26), und 45 mehr als Gebrselassie vor 13 Jahren. „Rekorde sind nie einfach zu brechen. Es ist nun schön, zu wissen, wie es sich anfühlt, einen Weltrekord zu brechen. Es bedeutet mir sehr viel, das in meiner Karriere noch erreicht zu haben“, kommentierte der 37-Jährige. Die Halbmarathon-Durchgangszeit lag in etwa bei 59:20 Minuten, zwölf Sekunden unter seiner offiziellen persönlichen Bestleistung, jene von Abdi deutlich unter dem belgischen Landesrekord von Mohammed Mourhit.
 

Hassan übertrumpft Weltrekord

Angesichts der Stärke des kleinen Feldes im Frauenrennen knapp zwei Stunden zuvor stand der Weltrekord von Dire Tune aus dem Jahr 2008 nie ernsthaft zur Disposition – er musste verbessert werden. Trotz des „komischen Gefühls“ aufgrund der leeren Tribünen und eingespielter Akustik und der damit verbundenen, eigenartigen Atmosphäre im Koning Boudewijn Stadion von Brüssel hatte Sifan Hassan nach einem schlechten Gefühl vor dem Start ein sehr gutes Gefühl am Rennende. Im Duell mit der hartnäckigen Rivalin und Marathon-Weltrekordhalterin Brigid Kosgei beschleunigte sie in der letzten Minute und beendete das Rennen mit einer unglaublichen Dynamik. Am Ende standen 18.930 Meter zu Buche und damit über eine Stadionrunde mehr als der bisherige Weltrekord. „Es war nicht leicht, aber ich bin sehr glücklich über den Sieg und den Weltrekord“, so Hassan. Weil Kosgei schlussendlich disqualifiziert wurde, weil sie bei ihrem ersten Rennen überhaupt auf der Bahn diese kurz verlassen hatte – übrigens unter diesen Umständen eine harte Entscheidung, nachdem ein einziger Fehltritt nach 41 Runden passierte, erbte Lonah Chemtai Salpeter mit dem Respektabstand von fast 400 Metern den zweiten Platz vor Eva Cherono aus Kenia.
 
 

 

Kipyegons Weltrekordversuch scheitert

Die beiden erträumten Weltrekorde im Ein-Stunden-Lauf konnte der Veranstalter des Memorial van Damme realisieren, nicht jedoch das Triple mit einem Weltrekord im 1.000m-Lauf der Frauen komplettieren. Faith Kipyegon, gepact von Noélie Yarigo und wenig überraschend in einer eigenen Liga, lag bei der Durchgangszeit bei 800 Metern von 1:59,19 Minuten noch in Schlagdistanz zur Weltrekordmarke von Svetlana Masterkova, die 1996 ebenfalls in Brüssel eine Zeit von 2:28,98 Minuten erzielt hat. Der Kenianerin, die vor drei Wochen in Monaco nur knapp an dieser Marke gescheitert war, konnte in Brüssel nach einem Blitzstart auf dem letzten 200 Metern nicht mehr zulegen und musste sich mit der fünftbesten Zeit der Geschichte von 2:29,92 Minuten zufrieden geben. „Keine Enttäuschung, ich habe alles gegeben“, gab die 26-Jährige zu Protokoll. Fast sechs Sekunden Vorsprung hatte sie im Ziel auf die in guter Form befindlichen Spanierin Esther Guerrero.
 
 

 

Lang ersehnte Premiere für Ingebrigtsen

In Abwesenheit von Timothy Cheruiyot, den er bisher noch nie besiegen konnte, demonstrierte Jakob Ingebrigtsen seine Stärke im 1.500m-Lauf. Ungewohnterweise arbeiteten die Pacemaker für ihn und bereiteten ein gutes Rennen vor, das bereits beim Glockenton zur letzten Runde entschieden war. Der junge Norweger hatte bereits zu diesem Zeitpunkt einen großen Vorsprung und vergrößerte die Lücke zur Konkurrenz in der Schlussrunde noch. In einer Zeit von 3:30,69 Minuten verwies der 19-Jährige bei seinem ersten Diamond-League-Sieg den Spanier Jesus Gomez, weiterhin in guter Form, um vier und den Kenianer Boaz Kiprugut um über sieben Sekunden auf die weiteren Plätze. „Endlich!“, seufzte der Europameister nach dem Rennen, das er gut bewertete. Gerne wäre er schneller gelaufen, aber „im Finale hat einer gefehlt, der mich gepuscht hätte. Es ist unmöglich, superschnell zu laufen, wenn man auch sich alleine gestellt ist. Daher mein nicht optimales Finish.“ Lokalmatador Ismael Debjani wurde Vierter, der Deutsche Marius Probst nach einem ordentlichen Auftritt Siebter.
 
 

 

Ergebnisse Diamond-League-Meeting in Brüssel 2020

 

Ein-Stunden-Lauf der Männer

1. Mo Farah (GBR) 21.330 Meter *
2. Bashir Abdi 21.322 Minuten **
3. Emil Millan de la Oliva (SWE) 20.128 Meter **
4. Mohamed Ali (NED) 20.055 Meter
5. Abdi Hakin Ulad (DEN) 19.985 Meter **
 

Ein-Stunden-Lauf der Frauen

1. Sifan Hassan (NED) 18.930 Meter *
2. Lonah Chemtai Salpeter (ISR) 18.571 Meter **
3. Eva Cherono (KEN) 18.341 Meter **
4. Helen Bekele (ETH) 17.974 Meter
5. Sarah Lahti (SWE) 17.955 Meter **
6. Marta Galimany (ESP) 17.546 Meter

9. Nina Lauwaert (BEL) 17.315 Meter **
DQ Brigid Kosgei (KEN)
 

1.000m-Lauf der Frauen

1. Faith Kipyegon (KEN) 2:29,92 Minuten
2. Esther Guerrero (ESP) 2:35,64 Minuten ***
3. Lindsey Butherworth (CAN) 2:37,26 Minuten
4. Elise Vanderelst (BEL) 2:37,86 Minuten ***
5. Eleonora Vandi (ITA) 2:38,48 Minuten
6. René Eykens (BEL) 2:39:15 Minuten ***
 

1.500m-Lauf der Männer

1. Jakob Ingebrigtsen (NOR) 3:30,69 Minuten ****
2. Jesus Gomez (ESP) 3:34,64 Minuten
3. Boaz Kiprugut (KEN) 3:37,93 Minuten
4. Ismael Debjani (BEL) 3:38,00 Minuten
5. Charlie Da’Vall Grice (GBR) 3:38,22 Minuten
6. Saul Ordonez (ESP) 3:38,38 Minuten
7. Markus Probst (GER) 3:38,50 Minuten
8. Isaac Kimeli (BEL) 3:38,54 Minuten
 
* neuer Weltrekord im Ein-Stunden-Lauf
** neuer Landesrekord im Ein-Stunden-Lauf
*** neue persönliche Bestleistung
**** erster Sieg in der Diamond League
 
 
AG Memorial van Damme
Wanda Diamond League