Problemzone Achillessehne

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Zu häufiges oder falsches Training setzt der Achillessehne zu  – Verletzungen der Achillessehne stehen bei Läufern weit oben. Das Spektrum reicht von Schwellungen im Verlauf der Achillessehne über chronische Entzündungen bis hin zum Riss.
 
 
Die Unfallchirurginnen und Expertinnen für Stoßwellentherapie Dr. Stella Prosquill und Dr. Sabine Streubel sowie der Diplom Lauftrainer Markus Sethaler erklären, warum zu häufiges oder falsches Training der Achillessehne zusetzt und geben Tipps, was man als Läufer tun kann, um präventiv entgegenzuwirken.*

 

Symbolbild. © Adobe Stock / Lars Zahner
 

Anzeichen erkennen

Leitsymptom einer Achillessehnenentzündung (Achillodynie) sind ziehende Schmerzen, oftmals schon in der Früh beim Aufstehen. Schwellungen und spindelförmige Verdickungen gelten als weitere charakteristische Symptome. „Beim Sport können die Schmerzen anfangs stark sein und zwischenzeitlich besser werden. Nach der körperlichen Belastung fühlt es sich dann meist wieder sehr unangenehm an“, erklären die Unfallchirurginnen Dr. Prosquill und Dr. Streubel, die sich unter anderem auf Sportverletzungen spezialisiert haben.
„Bei akutem Auftreten von Achillessehnenbeschwerden sofort mit dem Laufen aufhören, den betroffenen Fuß zu Hause auf der Couch hochlagern und mit Kühlpads erstversorgen, damit die Blutzirkulation gefördert wird“, empfiehlt der diplomierte Lauftrainer Markus Sethaler. Wichtig ist eine zeitnahe medizinische Abklärung. Mittels Ultraschall lassen sich Rupturen gut abchecken, manchmal braucht man zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Ausschluss einer Teilruptur.
 

Trainingsfehler vermeiden

„Die Gründe für die Überbeanspruchung der Achillessehne liegen meist in Trainingsfehlern“, weiß der Laufexperte. Eine schlechte Lauftechnik wie etwa zu viel „Vorfußlaufen“ beansprucht die Achillessehne. Inkonsequenz beim Aufwärmen und Dehnen sowie eine zu hohe Belastung der Wadenmuskulatur durch Bergläufe oder Laufen auf hügeligem Terrain sind ebenfalls riskant. Auch Laufanfänger sind durch die ungewohnte Tätigkeit besonders gefährdet. Gesünder ist es, die Streckenlänge langsam zu steigern, und Regenerationszeiten einzuhalten, damit sich der Körper an die neue Belastung Schritt für Schritt gewöhnen kann.
„Falsches Schuhwerk darf man auch nicht unterschätzen. Also Laufschuhe, die schlecht gefedert und zu steif von der gesamten Struktur des Gewebes sind, erachte ich als problematisch. Damit nicht jeder Schritt zur Qual wird, beim Kauf von Schuhen deshalb besonders auf den hinteren Schaft achten, denn der kann die Achillessehne zu stark belasten“, so Sethaler. „Vor allem bei Menschen mit einer vermehrten Supination, bei der sich der Fuß zu sehr nach außen wegdreht oder bei einer sogenannten Überpronation, bei der sich die Füße sehr stark nach innen drehen, sind gute Schuhe das A und O“, ergänzen Dr. Stella Prosquill und Dr. Sabine Streubel. Läuft man regelmäßig, sollte man mindestens zwei bis drei Paar Laufschuhe im Wechsel verwenden, um der Fußmuskulatur neue Reize zu setzen.
 

Dr. Stella Prosquill (links) und Dr. Sabine Streubel. © Fotos: Moni Fellner, grafische Zusammenstellung: RunAustria
 

Konservative Therapie auch bei chronischen Verläufen

Achillessehnenentzündungen werden in der Regel mit Physiotherapie und Kryotherapie behandelt. „Bewährt hat sich in chronischen Stadien überdies die fokussierte Stoßwellentherapie. In der Akutphase wird primär die RICE-Therapie (Rest/Ice/Compression(Tapen)/Elevation) mit mehrmals täglicher Dehnung empfohlen“, erläutern die beiden Medizinerinnen, die mit der Stoßwelle schon so manchem Hobby- und Profisportler in ihrer Ordination wieder auf die Sprünge geholfen haben. Durch die Tiefenwirkung kommt es im Körper zum Bioengineering. Es werden Wachstumsfaktoren freigesetzt und die Einsprossung von neuen Blutgefäßen beginnt. Diese verbesserte Durchblutung fördert die Geweberegeneration und somit die Ausheilung der Entzündung.
 

© Markus Sethaler
Wesentlich ist eine anfängliche Sportkarenz. „Wir empfehlen konsequente Dehnungsübungen und nach und nach sanfte Bewegung, wie etwa Schwimmen oder Radfahren“, so Dr. Prosquill und Dr. Streubel. Sethaler setzt auf die sogenannte Stufenübung. Dazu versucht man auf Zehenspitzen auf einer Stiege für etwa 30 Sekunden die Balance zu halten, danach nach oben spreizen (30 Sekunden) und nach unten spreizen – ebenfalls 30 Sekunden lang. Anschließend zurück in die Ausgangsstellung. „Diese Übung langsam durchführen und bis zu dreimal täglich wiederholen“ so der Lauftrainer. Er empfiehlt auch die Kombination aus Ausdauer und Kraftsport, um die Muskulatur im Fuß- und Zehenbereich nach einer Achillessehnenverletzung langsam wieder aufzubauen.
Im Falle eines Achillessehnenrisses muss man den Patienten je nach Ultraschallbefund die Option eines konservativen Prozedere besprechen – dies ist jedoch nur möglich, wenn die gerissenen Sehnenenden sehr nahe beieinander liegen. Ansonsten muss man mit dem Patienten das operative Vorgehen durchbesprechen und ihn genau aufklären. In beiden Fällen wird das Bein sechs bis acht Wochen im Gips oder einer Schiene fixiert, anfangs in Spitzfußstellung.
 

Vorbeugende Behandlung

Vor längeren Läufen wie etwa einem Marathon kann die Stoßwellentherapie auch kurzfristig fit machen. Die Stoßwelle hat einen schmerzlindernden Effekt, zumindest für einige Stunden. Das bedeutet, eine Behandlung etwa der Achillessehne am Vortag eines Laufs kann dazu führen, dass etwaige Schmerzen erst wesentlich später auftreten. So kann es durchaus sein, dass der Läufer erst bei Kilometer 30, statt bei Kilometer 10 die ersten Beschwerden verspürt.
Die Stoßwellentherapie kann zwar keine Wunder bewirken, die deutlich größere Leistungssteigerung wird auch weiterhin durch einen Mix aus regelmäßigem Training und Regenerationsphasen erzielt. Dennoch kann die Stoßwellentherapie für viele Läufer eine Möglichkeit sein, Schmerzen zu lindern und dauerhaft zu bekämpfen.
 
 
* Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit zwischen den Unfallchirurginnen, Stoßwellenexpertinnen, Sporttraumatologinnen, Gründerinnen der Ordination Arthrowaves Dr. Stella Prosquill, Dr. Sabine Streubel, Diplom Lauftrainer Markus Sethaler und dem Laufmagazin RunUp.