EMS-Training: Effektiv, aber kostspielig

© Adobe Stock / Denys Kurbatov

Fitnesscenter locken seit einiger Zeit euphorisch mit elektronischer Muskel-Stimulation (EMS) und versprechen effektives Training, Leistungssteigerung und Gewichtsreduktion. Ein höherer Kalorienverbrauch in kurzer Zeit und eine effiziente Methodik soll insbesondere für Menschen, die aus beruflichen oder anderen zeitlichen Gründen wenig Raum für Freizeitsport haben, optimal sein. Erste sportwissenschaftliche Analysen bestätigen das, allerdings nur in Kombination mit herkömmlichen Training. Viele professionelle Sportlerinnen und Sportler greifen in ihrem vielschichtigen und dezidiert geplanten Trainingsalltag auf derartige Methoden zurück, insbesondere jene, die Krafttraining in den Vordergrund stellen. Der Mehrwert dieses Booms für Freizeitläufer ist überschaubar, auch weil beachtliche Kosten damit verbunden sind und damit die wirtschaftliche Effizienz kaum der Trainingseffektivität entspricht. Empfehlenswert ist EMS-Training generell ausschließlich für absolut gesunde Menschen.
 

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Gehirn-Prozesse nachempfunden

Bei EMS-Training werden die elektrischen Signale, die das Gehirn durch Impulse die Nervenbahnen an die Muskulatur aussendet, imitiert. Hier entsteht eine Schwierigkeit, denn dadurch, dass die Muskelkontraktion durch künstliche Reize von außen angeordnet wird, wird das Gehirn ausgetrickst und es damit irritiert. Die Impulse bei EMS-Trainings sind grundsätzlich intensiver als jene des Gehirns bei sportlicher Betätigung, gesundheitsgefährdend sind sie bei richtiger Anwendung allerdings nicht.
Ein wesentlicher Unterschied zum Lauftraining oder anderen herkömmlichen Kräftigungsübungen ist, dass durch EMS-Training gezielt, wenn gewünscht, einzelne Muskeln stimuliert werden können, während bei klassischem Training ganze Muskelgruppen und beim Laufen selbst quer über den Körper verteilt zahlreiche Muskelgruppen aktiv sind. Das kann bei spezifischer Vorstellung ein Vorteil sein, z.B. bei gezieltem Abnehmen an einer Körperstelle oder gezielter Regeneration eines Muskels. Der große Nachteil: EMS-Training kann demnach herkömmliche Trainingssessions oder Übungen nicht gleichwertig ersetzen. Auch, weil durch die passive Körperaktivität Kondition und Koordination nicht trainiert werden und weil Ausdauer für die menschliche Gesundheit und Fitness ein essentieller Bestandteil ist.
 

Schnellere Regeneration

Den größten Mehrwert bringt elektrisches Muskel-Stimulationstraining durch eine Beschleunigung der Regeneration, was wiederum ein härteres Trainingsprogramm ermöglicht, weil der Körper wieder schneller für die nächste Einheit bereit ist. Durch den gezielten Einsatz fördert es die Durchblutung der beanspruchten Muskulatur und beschleunigt damit deren Erholung. Was es aber nicht kann, ist leichte Verletzungen, Schwellungen und Schäden an der Muskulatur, die bei (hartem) Training automatisch entstehen, beheben. Maximal sind eine Reduktion von Entzündungen und eine Schmerzlinderung möglich, weshalb EMS-Training auch in der Medizin oder der Physiotherapie eingesetzt wird.