Kein Tag ohne Laufen?

© Adobe Stock / Kim

Anatomisch ist der Mensch zum Laufen gemacht. Er ist geboren, um zu laufen. Unsere Vorfahren, zumindest die männlichen, taten dies vor Jahrtausenden de facto auch jeden Tag und zwar zwecks der Beschaffung von tierischer Nahrungsmittel für die Sippe mit strategisch essentieller Motivation. Heute wissen wir, dass dasselbe regelmäßige Laufen, nur mit gänzlich anderer Motivation inmitten des modernen Lebens, einen hervorragenden Einfluss auf die menschliche Gesundheit nehmen und positive Auswirkungen auf Dynamiken im alltäglichen Verhalten unseres gesellschaftlichen Systems entfachen kann.
 

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Jeden Tag laufen?

Umfragen und Beobachtungsstudien zeigen, dass das Laufen in Zeiten der Einschränkung rund um die Bekämpfung gegen jenes Virus, das unser Leben umorganisiert hat, an Beliebtheit gewonnen hat. Naheliegend ist, dass in den letzten Wochen und Monaten mehr Menschen auch jeden Tag die Laufschuhe geschnürt haben. Welch Wunder, war doch das Laufen neben dem Spazierengehen der laut Kommunikationsstrategie der österreichischen Regierung einzige Grund zum Verlassen der eigenen vier Wände, der mit Vergnügen und daher positiven Gefühlen assoziiert werden konnte. Laufen – in Österreich im Gegensatz zu manch südeuropäischem Land immerhin erlaubt – gab in der Zeit der Einschränkungen alltägliche Struktur und konnte leicht ein wertvoller, alltäglicher Fixtermin werden.
Trainingswissenschaftlich ist das tägliche Laufen aber nicht empfehlenswert, da das Risiko, der Erholungszeit zu wenig Platz zu schenken, groß ist. Auf einer höheren Ebene wäre eine Sportsucht als Spätfolge täglichen Trainings ein psychologisches Risiko. Abwechslung in der Trainingsform – also nicht immer Laufen – bewahrt Frische und Vergnügen in einem freizeitsportlichen Leben. So bleiben Motivation zum Laufen und Genuss beim Laufen locker aufrecht. Wenn eine angemessene Anzahl von Tagen keine harten Trainingssession, sondern viel mehr aktive Regeneration enthalten, erhalten Körper und Geist auch ihre notwendige Balance zwischen Be- und Entlastung.
 

Weniger ist oft mehr

Besonders in der gezielten Verbesserung der Leistungsfähigkeiten sind Ruhe- und Erholungszeiten essentiell. Sie geben dem Körper Zeit und Raum, Trainingsreize zu verarbeiten und sich sportlich weiterzuentwickeln. Gelingt diese Verbesserung nicht, entsprechen aufgezeichnete Herzfrequenzraten nicht dem eigentlichen Soll, stimmen das Laufgefühl und der Erschöpfungsgrad nicht mit den Erwartungen überein, ist die Gefahr eines Übertrainings groß. Zu hartes Training bedeutet gleichzeitig immer unzureichende Regeneration und die verloren gegangene Fähigkeit, Optimalleistungen abzurufen. Und es wirft einen Sportler bzw. eine Sportlerin auf diversen Ebenen aus einer gesunden Balance. Die sich extrem erhöhende Verletzungsgefahr und die Schwächung des Immunsystems durch Überbelastung können gesundheitlich unwillkommene Ereignisse begünstigen. Diese Argumente sollten stark genug sein, zwischendurch auch einmal die Laufschuhe in der Ecke liegen zu lassen.