Schottische Siege ohne Rekordleistungen in Glasgow

© World Athletics / Getty Images / Dan Vernon

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Die Zuschauer in der ausverkauften Emirates Arena von Glasgow sind bei Station fünf der World Athletics Indoor Tour zwar mit zwei schottischen Siegen auf den Laufdistanzen belohnt worden, mussten aber auf den Extra-Applaus für neue Rekorde verzichten. Im programmierten Höhepunkt des Abends misslang der Angriff von Laura Muir auf den Hallen-Weltrekord über 1.000m von Maria Mutola (2:30,94 Minuten, Stockholm 1999) letztendlich doch deutlich. Und so lenkten die Scheinwerfer trotz der Heimbühne für Laura Muir und 1.500m-Siegerin Jemma Reekie auf Stabhochspringer Armand Duplantis, der das Meeting mit einer neuerlichen Verbesserung des Hallen-Weltrekords krönte.
 

Unrundes Rennen

Bei der zweifachen Hallen-WM-Medaillengewinnerin von Birmingham 2018 und zweifachen Hallen-Europameisterin in eben dieser Halle von 2019 lief es von Beginn an nicht rund. Das Timing zwischen Pacemakerin Anna Dobek aus Polen und Laura Muir passte nicht, die Osteuropäerin legte etwas zu ungeduldig los und die Lokalmatadorin benötigte über 300 Meter, um die Idealposition in ihrem Rücken zu finden. Ab 550 Meter war Muir dann auf sich alleine gestellt und finishte das Rennen mit großen Vorsprung in einer Zeit von 2:33,47 Minuten, auf den angestrebten Weltrekord fehlten aber über zweieinhalb Sekunden und selbst ihren eigenen britischen Hallen-Rekord verfehlte sie deutlich um über eineinhalb Sekunden. Anschließend erklärte die 26-Jährige, sie hätte alles gegeben, aber es wäre nicht mehr drin gewesen. Selbst wenn sie freilich gerne schneller gelaufen wäre.
Hinter Muir belegte Landsfrau Adelle Tracey (2:37,95) den zweiten Platz knapp vor der Deutschen Katharina Trost, die 0,01 Sekunden später die Ziellinie überquerte und einen starken dritten Platz herauslief. Über zwei Sekunden Vorsprung hatte sie im Ziel vor der ehemaligen 1.500m-Europameisterin Angelika Cichocka auf Position vier.
 

Reekie besiegt Seyaum im Finale

Nach den Wunderleistungen von New York eine Woche zuvor war die Erwartungshaltung vor dem 1.500m-Rennen der Frauen sehr hoch. Das Rennen in Glasgow war ein schnelles, aber nicht ein ultraschnelles und Reekie überließ in der entscheidenden Phase erst Dawit Seyaum, Hallen-WM-Medaillengewinnerin von 2016, die Initiative. Die im letzten Jahr nicht überzeugende Äthiopierin zeigte einen starken Saisoneinstieg und musste sich erst in der letzten Kurve des Rennens von der Lokalmatadorin überholen lassen. Die 21-jährige Reekie siegte in einer Zeit von 4:04,07 Minuten knapp vor Seyaum (4:04,24) und der Marokkanerin Rababe Arafi (4:05,34). Damit war Reekie um dreieinhalb Sekunden langsamer als bei ihrer Durchgangszeit im Meilenrennen von New York, sorgte aber dennoch für die beachtliche, viertschnellste Hallen-Zeit einer Britin über 1.500m.
Die Überraschung des Rennens war die slowenische 3.000m-Hindernislauf-Spezialistin Marusa Mismas, die als Vierte in einer Zeit von 4:05,72 Minuten nur knapp am slowenischen Hallen-Rekord von Jolanda Ceplak aus dem Jahr 2002 vorbeischrammte. Unerwartet nur Sechste wurde dagegen Reekies kanadische Trainingspartnerin Gabriela Debues-Stafford (4:05,89), die zuletzt in New York noch einen kanadischen Meilen-Rekord für die Halle markiert hat. Als Fünfte holte Axumawit Embaye zwar keine Punkte für die World Athletics Indoor Tour, sie büßte in Glasgow aber keinen ihrer sieben Zähler Vorsprung ein.
 

Kszczot meldet sich mit Sieg zurück

Im 800m-Lauf hat Adam Kszczot seine Spitzenposition in der Gesamtwertung der World Athletics Indoor Tour nach zwei zweiten Plätzen in Düsseldorf und Torun mit einem Sieg in Glasgow auf elf Punkte ausgebaut. Der 30-Jährige war in den letzten Jahren der beste und konstanteste 800m-Läufer Europas, konnte in der Saison 2019 aber nur ein einziges internationales Rennen gewinnen (bei der Team-EM). Der Auftritt in Glasgow war der beste seit langem, weil der Pole sich bereits früh im Rennen auf die zweite Position hinter dem Kenianer Cornelius Tuwei schob und seine Krallen bereits nach 600 Metern erstmals ausfuhr. In gewohnter Kszczot-Topform-Manier schob sich der amtierende Hallen-Weltmeister auf der Zielgerade an Tuwei vorbei und siegte in einer Zeit von 1:46,34 Minuten mit 0,18 Sekunden Vorsprung. Als Dritter schaffte der Brite Guy Learmonth an der Spitze eines britischen Trios in einer Zeit von 1:47,16 Minuten den Sprung aufs Stockerl.
 

Hattrick für Birgen

Im 1.500m-Lauf der Männer feierte Bethwel Birgen nach Boston und Karlsruhe (jeweils 3.000m) seinen dritten Sieg im Laufe dieser Hallen-Saison. Der Kenianer setzte sich eingangs der letzten Runde deutlich ab und siegte in einer Zeit von 3:36,22 Minuten. Ähnlich wie sein Landsmann Kszczot lief auch Marcin Lewandowski von Beginn an aktiv und positionierte sich weit vorne. Doch der Antritt Birgens öffnete eine zu große Lücke, die der Hallen-Europameister mit seinem gefürchteten Endspurt nicht mehr schließen konnte. In einer Zeit von 3:37,13 Minuten sicherte er eher den zweiten Platz gegen den spanischen Hallen-EM-Medaillengewinner Jesus Gomez ab.
 

 
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