Rekordflut bei den Millrose Games in New York

© NYRR Millrose Games / Kirby Lee

© NYRR Millrose Games / Kirby Lee
Drei US-amerikanische Rekorde in den Laufbewerben bei den außergewöhnlich hochklassigen Millorse Games brachten das heimische Publikum in New York zum Staunen. Völlig unerwartet kam die Leistungsexplosion von Elinor Purrier im Meilenrennen der Frauen. Standesgemäß schienen die Leistung von 800m-Weltmeister Donavan Brazier, der sich im vergangenen Jahr auch den US-amerikanischen Freiluftrekord unter den Nagel gerissen hat und nun seine eigene nationale Bestleistung steigerte, sowie jene von Ajee Wilson bei den Frauen. Auch aus europäischer Sicht lieferte das Meilenrennen der Frauen erstaunliche Ergebnisse: Sowohl Konstanze Klosterhalfen als auch Jemma Reekie markierten neue Landesrekorde für Deutschland und Großbritannien.
 

Purrier erreicht neue Leistungsdimension

Auf dem 1.609 Meter langen Weg der „Wannamaker Mile“ stellte sich vom Start weg absolutes Vollgas ein. Konstanze Klosterhalfen, die sich vor zwei Wochen beim World Athletics Indoor Meeting in Boston noch der diesmal abwesenden Australierin Jessica Hull geschlagen geben musste (1.500m-Lauf) übernahm die Führung nach dem Ausstieg der hervorragenden Tempomacherin Megan Mansy. Das Tempo in diesem Rennen war so schnell, dass die 22-jährige Deutsche nach 3:59,87 Minuten die Zwischenzeit bei 1.500m erreichte, damit eine neue Weltjahresbestzeit auf dieser Distanz markierte und sich auf Platz drei der ewigen europäischen Bestenliste für Hallen-Rennen über die „metrische Meile“ einordnete. Klosterhalfen war zu diesem Zeitpunkt knapp drei Sekunden schneller als im vergangenen Jahr an selber Stelle und in selben Umständen, um exakt diese Differenz pulverisierte sie nun ihren deutschen Landesrekord im 1.500m-Lauf.
Doch das Beste kam erst und Klosterhalfen wurde sensationell von Elinor Purrier übertrumpft, die als Vierte und Letzte der Spitzengruppe 250 Meter vor der Ziellinie in Angriffshaltung über ging. Nun folgte eine Sensation, denn die US-Amerikanerin schloss eine Lücke zur führenden Klosterhalfen auf der Gegengerade spielend und spurtete 40 Meter vor dem Ziel an ihrer Kontrahentin vorbei. In einer Siegerzeit von 4:16,85 Minuten ist Elinor Purrier nun die zweitschnellste Hallen-Meilen-Läuferin der Geschichte hinter Genzebe Dibaba. Die 24-Jährige torpedierte ihre bisherige persönliche Bestleistung um sage und schreibe acht Sekunden und nahm dem bisherigen US-Rekord von Mary Tabb fast vier Sekunden ab. Unglaubliche 38 Jahre lang hatte diese Bestmarke Bestand gehabt.
 

Vier Landesrekorde über die Meile

Auch hinter der völlig unerwarteten Siegerin purzelten die Rekorde. Konstanze Klosterhalfen, die sich in einem Interview vor dem Meeting auf dem „richtigen Weg“ Richtung Olympische Spiele wähnte, wurde in einer Zeit von 4:17,26 Minuten Zweite und verbesserte ihren eigenen, vor einem Jahr ebenfalls bei den Millrose Games aufgestellten deutschen Rekord um 2,72 Sekunden. Die 22-Jährige ist nun die Nummer zwei der ewigen europäischen Bestenliste, nur 0,12 Sekunden hinter der Rumänin Doina Melinte, und die Nummer vier der ewigen Bestenliste von World Athletics. Jemma Reekie, die bereits vor einer Woche in Glasgow mit einem britischen 800m-Hallen-Rekord für Aufsehen gesorgt hat (siehe RunAustria-Bericht) und offenbar wie Purrier nun zur Mittelstrecken-Weltklasse gehört, verbesserte als Dritte in einer Zeit von 4:17,88 Minuten den britischen Meilen-Rekord für Hallen-Rennen von Laura Muir um knapp eine Sekunde und ist nun die Nummer drei der ewigen europäischen Bestenliste respektive die Nummer fünf der ewigen Bestenliste von World Athletics. Auch den britischen 1.500m-Rekord ihrer schottischen Trainingspartnerin verbesserte sie beim Durchlauf. Den vierten Landesrekord des Rennens schnappte sich die Kanadierin Gabriela Debues-Stafford, Trainingspartnerin von Reekie, in einer Zeit von 4:19,73 Minuten. Damit war die 24-Jährige fünf Sekunden schneller als in Boston 2019. Satte persönliche Bestleistungen gab es auch im Mittelfeld, das angeführt wurde von der fünftplatzierten US-Amerikanerin Nikki Hiltz, immerhin WM-Teilnehmerin von Doha 2019.
 

Brazier glänzt in zweiter Rennhälfte

Im 800m-Lauf der Männer deutete anfänglich wenig darauf hin, dass die US-amerikanische Hallen-Rekordzeit von Donavan Brazier (1:44,41) fallen würde. Der Weltmeister lag zur Halbzeit des Rennens in einer Zwischenzeit von 53,04 Sekunden lediglich auf Rang fünf und hatte überdies bereits über eine Sekunde Rückstand auf den offensiv laufenden Erik Sowinski. Doch mit einer schnellen dritten Runde von 26,29 Sekunden hievte sich der 22-Jährige an die Spitze und ließ einen irren finalen Umlauf von 24,89 Sekunden folgen. In einer Endzeit von 1:44,22 Minuten blieb er knapp unter seinem eigenen Rekord und übernahm natürlich auch die Führung in der Weltjahresbestenliste von World Athletics. Mit knapp eineinhalb Sekunden Rückstand wurde Bryce Hoppel knapp vor Isaiah Harris Zweiter, beide mit persönlichen Bestleistungen.
 

Auch Wilson steigert ihren eigenen Rekord

Ähnlich wie Brazier kurz davor ließ auch Ajee Wilson im 800m-Lauf der Frauen erst die Konkurrentinnen austoben. Als Tempomacherin LaTavia Thomas, die die ersten 400 Meter in einer Zeit von 56,22 Minuten absolviert hatte, ausstieg, übernahm die Französin Cynthia Anais die Führung mit rund einer Sekunde Vorsprung auf Wilson. Doch kurze Zeit später war die schlussendlich vor der abgeschlagenen Hallen-Europameisterin Shelayna Oskan-Clarke viertplatzierte Europäerin von Natoya Goule und Wilson eingeholt und die Jamaikanerin übernahm das Kommando. Auf der Gegengerade der letzten Runde zog die US-Amerikanerin mit ihrem kraftvollen Laufstil außen an der kleinen Goule vorbei und siegte in einer Zeit von 1:58,29 Minuten – 0,31 Sekunden unterhalb ihres eigenen US-amerikanischen Hallen-Rekords im 800m-Lauf. Goule (1:59,35) und Olivia Baker aus den USA (2:02,86) komplettierten das Stockerl.
 

Ingebrigtsen nur Siebter

Im Meilen-Rennen der Männer erlitt der lange Zeit in Führung liegende Filip Ingebrigtsen eine empfindliche Niederlage. Der Norweger musste sich in einer Zeit von 3:56,99 Minuten mit dem siebten Platz zufrieden geben, vor ihm kamen etwa die recht unbekannten Carlos Villarreal aus Mexiko oder Geordie Beamish aus Neuseeland ins Ziel. Ingebrigtsen ging als Spitzenreiter in die für ihn ernüchternde Schlussrunde. Der Schotte Chris O’Hare übernahm die Führung und ließ sich die Butter mit einem energischen Kick nicht mehr vom Brot nehmen. In einer Zeit von 3:55,61 Minuten siegte er mit einem Vorsprung von knapp einer Sekunde auf den Australier Ollie Hoare und Rob Napolitano aus den USA. Altmeister Nick Willis belegte den vierten Platz.
Die Siege in den 3.000m-Läufen gingen an die US-Amerikanerin Alle Ostrander (8:48,94) und den Kanadier Justyn Knight (7:46,36).
 
 
NYRR Millrose Games