Marc Reuther besiegt „Mr. Düsseldorf“

© PSD Bank Meeting Düsseldorf / facebook

Nur zwei Tage nach seiner fabelhaften Leistung beim Indoor Meeting in Erfurt, als er die zweitschnellste 800m-Hallenzeit eines deutschen Läufers der Geschichte erzielt hat (1:45,39 Minuten, siehe RunAustria-Bericht), hat Marc Reuther seine hervorragende Form auch im direkten Duell mit hochkarätiger internationaler Konkurrenz unter Beweis gestellt und damit die Leistung aus Erfurt bestätigt. Beim PSD Bank Leichtathletik Meeting in Düsseldorf, Station drei der diesjährigen World Athletics Indoor Tour, widerstand der Lokalmatador der Attacke des polnischen Mehrfach-Europameisters Adam Kszczot und siegte in einer Zeit von 1:46,13 Minuten. Der 23-Jährige setzte sich selbstbewusst an die Spitze und führte das Feld auch zu jenem Zeitpunkt an, als der Tempomacher das Rennen verließ. Hinter Reuther, der seit kurzem in Leipzig in einer Trainingsgruppe mit Landsmann Robert Farken trainiert, postierten sich die Favoriten Kszczot und Amel Tuka. Während der WM-Medaillengewinner von Doha in der Schlussrunde abreißen lassen musste, agierte der Pole auf der Gegengerade in der optimalen Position und lancierte ausgangs der letzten Kurve seine Attacke. Doch das Tempo des Deutschen war zu hoch, Kszczot kam nicht vorbei und musste den Erfolg seines Konkurrenten neidlos anerkennen. In einer Zeit von 1:46,42 Minuten platzierte sich der 30-Jährige auf Platz zwei vor Tuka (1:47,29) – ein ungewohntes Gefühl für Kszczot, schließlich hat er den 800m-Lauf beim Hallen-Meeting in Düsseldorf bereits sage und schreibe siebenmal gewonnen. Dritter in der Gesamtwertung wurde übrigens sein Landsmann Marcin Lewandowski, der den ersten von zwei Läufen in einer Zeit von 1:47,23 Minuten gewann.
 

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Filip springt in die Bresche

Aufgrund einer bei der Crosslauf-EM im Dezember erlittenen Verletzung hat Jakob Ingebrigtsen die Hallen-Saison abgesagt und konnte daher seinen Vorjahressieger in Düsseldorf im 1.500m-Lauf trotz einer Einladung des Veranstalters nicht verteidigen. Für den Youngster sprang sein älterer Bruder Filip Ingebrigtsen in die Bresche, der das nicht zur Gesamtwertung der World Athletics Indoor zählende Rennen auf eindrucksvolle Art und Weise dominierte und in einer Zeit von 3:36,32 Minuten eine neue Weltjahresbestleistung aufstellte. Der 26-Jährige war in Düsseldorf um fast eine Sekunde schneller als Josh Thomson in Boston und verbesserte seine eigene persönliche Hallen-Bestleistung um über zwei Sekunden.
Ingebrigtsen übernahm die Führung nach rund 1.000m und ließ den Kenianern Vincent Kibet und Boaz Kiprugut mit seinem Tempodiktat im letzten Renndrittel keine Chance. Bereits zu Beginn der Schlussrunde war der Vorsprung des Norwegers so groß, dass die Entscheidung gefallen war. Am Ende spurtete der Belgier Ismael Debjani mit einer Hallen-Bestleistung von 3:39,05 Minuten noch an Kibet vorbei, um Position zwei zu übernehmen – der Rückstand auf den Sieger betrug aber fast drei Sekunden. Bester Deutscher war dank eines großartigen Finals Marius Probst, der eine persönliche Hallen-Bestleistung von 3:39,70 Minuten erzielte und Vierter wurde. Zwei Positionen später folgte Timo Benitz, der nach einer von Verletzungen durchzogenen Saison 2019 wieder nach vorne blickt.
 

Meetingrekord von Barega

Für eine der stärksten Leistungen an einem stimmungsvollen Abend in der ausverkauften Arena am Düsseldorfer Messegelände, der überstrahlt wurde von der Stabhochsprung-Show von Armandis Duplantis, sorgte Selemon Barega in einem spannenden 3.000m-Lauf der Männer. Der aktuell klar Führende in der Gesamtwertung, Bethwel Birgen demonstrierte sein Selbstbewusstsein nach Siegen in Boston und Karlsruhe und übernahm in der entscheidenden Rennphase mit einer Attacke die Führung von Hindernislauf-Spezialist Getnet Wale. Barega folgte ihm auf Schritt und Tritt, als der Kenianer in der Schlussrunde aus Erschöpfungsgründen bereits in einen hölzernen Laufstil überging. Der junge Äthiopier, Vize-Weltmeister von Doha über 5.000m und Vize-Weltmeister in der Halle über 3.000m von 2018, hatte das Rennen jedoch stets im Griff und setzte ausgangs der letzten Kurve die entscheidende Attacke zur Wende. In einer starken Zeit von 7:35,71 Minuten steigerte er seine persönliche Hallen-Bestleistung um knapp eine Sekunde, den sechs Jahre alten Meetingrekord des Kenianers Caleb Ndiku um über zweieinhalb Sekunden und die Weltjahresbestleistung von Karlsruhe-Sieger Birgen um fast drei Sekunden. Der Kenianer musste übrigens kurz vor der Ziellinie noch Wale passieren lassen und wurde Dritter. Der viertplatzierte Birhanu Balew aus dem Bahrain markierte in einer Zeit von 7:38,67 Minuten einen neuen Asien-Indoor-Rekord. Eine starke Leistung lieferte der Schweizer Jonas Raess als Sechster ab, der in einer Zeit von 7:45,67 Minuten die schnellste Zeit des Jahres eines europäischen Läufers und überdies eine klare persönliche Hallen-Bestleistung erzielte. Damit liegt der 25-Jährige nur noch gut eine Sekunde hinter dem 41 Jahre alten und in Wien aufgestellten Schweizer Landesrekord von Markus Ryffel. Als bester Deutscher überquerte Maximilian Thorwirth die Ziellinie als Achter knapp vor Marcel Fehr.
 

Chepkoech schlägt mit Landesrekord zurück

Vier Tage nach ihrem Auftritt unter den Erwartungen in Karlsruhe, als nur Rang vier herausschaute, meldete sich Hindernislauf-Weltrekordhalterin Beatrice Chepkoech bei ihrer „Winter-Passion“, dem 1.500m-Lauf mit einer eindrucksvollen Leistung zurück. Dank eines hervorragenden Auftritts insbesondere auf der zweiten Hälfte, als sie bis auf Karlsruhe-Siegerin Axumawit Embaye das gesamte Feld deklassierte, steigerte die 28-Jährige in einer Siegerzeit von 4:02,09 Minuten die bisherige Weltjahresbestleistung von Boston-Siegerin Jessica Hull um zwei Sekunden, ihren eigenen Meetingrekord aus dem Jahr 2018 ebenfalls um zwei Sekunden und ihren eigenen kenianischen Hallen-Rekord um 0,12 Sekunden. Mit knapp einer Sekunde Rückstand wurde Embaye Zweite und verteidigte ihre Gesamtführung in der World Athletics Indoor Tour mit 17 Punkten, vier Punkte vor Chepkoech und fünf Punkte vor Winnie Nanyondo, die nach Rang zwei in Karlsruhe in Düsseldorf in einer Zeit von 4:06,13 Minuten Dritte wurde. Als beste Europäerin überquerte Lokalmatadorin Hanna Klein die Ziellinie auf Rang sechs (4:08,87).
 
 
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