Jake Robertson stellt sich in Houston Weltklasse-Konkurrenz

© Adobe Stock / Alizada Studios

Als Jake Robertson den Aramco Houston Halbmarathon, seit Jahren ein mit dem Golden Label des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) ausgezeichnet, im Jahr 2018 gewinnen konnte, war die Überraschung darüber nicht allzu groß. Der Neuseeländer zählt seit einigen Jahren zu den schnellsten nicht aus Afrika stammenden Langstreckenläufer und ist einer der wenigen nicht auf dem Schwarzen Kontinenten geborenen Läufer, die jemals einen Halbmarathon unter einer Stunde absolviert haben. Das schaffte der heute 30-Jährige, der mit seinem Zwillingsbruder Zane seit über einem Jahrzehnt in der afrikanischen Höhenlage wohnt und seit kurzem mit der kenianischen Topläuferin Magdalyne Masai verheiratet ist, für ihn ärgerlicherweise nicht in der NASA-Metropole, wo nur eine Sekunde auf diese Marke fehlte, sondern 2018 auf der nicht für offizielle statistische Einträge tauglichen Strecke des Great North Runs (Punkt-zu-Punkt-Strecke). Beim ersten bedeutenden Halbmarathon der WM-Saison 2020 wird der Ozeanier in Houston erneut versuchen, um den Sieg mitzukämpfen und an der für nicht aus Ostafrika stammende Läufer nach wie vor magischen Marke der einen Stunde zu kratzen. Der Wettkampf ist für Robertson sehr bedeutend, nachdem er die gesamte Wettkampf-Saison 2019 verpasst hat. Dementsprechend muss er bei seinem Frühjahrsmarathon auch noch das Olympia-Limit liefern.
 

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Ein äthiopischer Rekordhalter, dem das Siegen fremd ist

Das erst genannte Unterfangen wird dabei das deutlich schwierigere. Denn mit Jemal Yimer steht der äthiopische Rekordhalter über diese Distanz und damit einer der schnellsten Halbmarathonläufer aller Zeiten an der Startlinie. Der 23-Jährige musste sich im Vorjahr etwas überraschend seinem Landsmann Shura Kitata geschlagen geben, das könnte für zusätzliche Motivation sorgen. Bei seinen weiteren Halbmarathons in Manama und Valencia blieb er jeweils unter einer Stunde und landete auf dem Stockerl, gewinnen konnte er noch nie. Dieser fehlende letzte Schritt zieht sich beim Äthiopier wie ein roter Faden durch seine Karriere: Auf den beliebten Distanzen 10.000m, 10km und Halbmarathon ist er in seiner Karriere noch ohne jeden Sieg, landete aber bei praktisch allen Rennen in den Top-Vier. Eine Ausnahme bildete das WM-Rennen über 10.000m von London 2017, als Yimer beim Triumph von Mo Farah Fünfter wurde. Selbst bei seinem äthiopischen Landesrekord in Valencia 2018 (58:33) war einer noch schneller, allerdings wurde dieser Läufer (Abraham Kiptum) wenige Monate später des Dopings überführt und es erscheint daher fraglich, ob er sich beim Valencia Halbmarathon an die Spielregeln gehalten hatte.
 

Ngeno und Kitata als Herausforderer

Insgesamt haben fünf Läufer eine bessere Bestleistung als Jake Robertson, allesamt unter 59:30 Minuten. Das sind neben Yimer die Kenianer Bernard Ngeno und Abel Kipchumba sowie die Äthiopier Andamlak Belihu und Shura Kitata. Ngeno hatte einen spektakulären Herbst mit zweiten Plätzen beim Kopenhagen Halbmarathon und beim Valencia Halbmarathon in Leistungen von 59:16 und 59:07 Minuten. Außerdem siegte der Kenianer 2019 bei den Halbmarathons im marokkanischen Safi und im kalifornischen San Diego. Dank dieser Top-Form ist Ngeno gemeinsam mit Vorjahressieger Kitata, der 2019 eine Zeit von 1:00:11 Stunden lief und in erster Linie ein Marathon-Spezialist ist, der Hauptkonkurrenz für Jemal Yimer.
Der 21-jährige Belihu gewann zuletzt zweimal den New Delhi Halbmarathon, Kipchumba den Neapel Halbmarathon 2018. Der Kenianer zählt aber nicht zum engeren Kreis der Yimer-Herausforderer. Seit 2012 wurde trotz der schnellen Strecke und starken Feldern in Houston keine Siegerzeit unter einer Stunde mehr erreicht.
 
RunAustria-Tipp: Der Houston Marathon und Houston Halbmarathon wird live im US-amerikanischen Fernsehen und im Livestream auf Youtube übertragen. Der Startschuss fällt am Sonntag um 7:01 Uhr Ortszeit (14:01 Uhr MEZ).
 

Kipkirui Favoritin bei den Frauen

Bei den Frauen fehlt Titelverteidigerin Brigid Kosgei, die mittlerweile Weltrekordhalterin im Marathonlauf ist und beim nicht für die Rekordbücher geeigneten Great North Run die schnellste Halbmarathon-Zeit der Geschichte markiert hat. Mit ihrer kenianischen Landsfrau Caroline Kipkirui ist dennoch eine der schnellsten Halbmarathonläuferinnen der Geschichte am Start. Mit ihrer beim RAK Halbmarathon 2018 erzielten Bestleistung von 1:05:07 Stunden ist die 25-Jährige die Nummer sechs der ewigen Bestleistung und damit automatisch die Favoritin auf den Sieg beim Houston Halbmarathon. Die stärkste Gegenwehr dürfte aus Äthiopien kommen in persona von Gelete Burka, die ihren ersten Halbmarathon seit eineinhalb Jahren (damals Sieg in Valencia) bestreitet, und Ruti Aga, die 2017 triumphierte. Auch der Kenianerin Brillian Kipkoech ist einiges zuzutrauen, die angekündigte Israelin Lonah Chemtai Salpeter hat dagegen zurückgezogen.
 

Huddle führt die Garde der Amerikanerinnen an

Vom Zeitpunkt her, sechs Wochen vor den US-Trials im Marathon in Atlanta, ist der Houston Halbmarathon der ideale Termin für einen Vorbereitungswettkampf, doch bei weitem nicht die gesamte US-Elite steht am Start. Die prominenteste Lokalmatadorin ist Molly Huddle, die nach einigen Enttäuschungen in den letzten Jahren vor einem bedeutenden Jahr ihrer Karriere steht. Sie ist bereits 35, vielleicht ist Sapporo ihre letzte Olympia-Chance im Marathon und für den erhofften und von Vorleistung angekündigten Durchbruch im Marathonlauf bleibt auch nicht mehr viel Zeit. Houston wird eine wichtige Standortbestimmung für sie und für alle, die sie intensiv beobachten.
Die zweite US-amerikanische Top-Läuferin ist Sara Hall. Die 36-Jährige hat sich mit ihrem fünften Platz beim Berlin Marathon 2019 in einer persönlichen Bestleistung von 2:22:16 Stunden ins Gespräch für einen Olympia-Startplatz gebracht. Auch für Aliphine Tuliamuk und Laura Thweatt ist dieser Wettkampf ein wichtiger Test. Jordan Hasay muss nach ihrer beim Chicago Marathon erlittenen Muskelverletzung passen. Weniger spektakulär ist das heimische Aufgebot der Männer. Die Besten sind noch Jared Ward, Sam Chelanga und Diego Estrada. Einzige europäische Top-Läuferin ist die Schottin Stephanie Twell, deren nächster Marathon der London Marathon (siehe RunAustria-Kurzmeldung) sein wird. Dafür reist die Spitze des kanadischen Halbmarathonlaufs in den Süden des Kontinenten: Landesrekordhalterin Rachel Cliff, Natasha Wodak und die überraschende kanadische Marathon-Meisterin Dayna Pidhoresky bei den Frauen sowie Cam Levins bei den Männern werden um persönliche Bestleistungen kämpfen.
 
 

Houston Marathon: Eshetu greift nach viertem Sieg

Im Gegensatz zum zum 18. Mal ausgetragenen Halbmarathon war der Chevron Houston Marathon, der in seine 48. Auflage geht, in den letzten Jahren „nur“ eine Silber-Label-Veranstaltung, hat sich aber heuer erstmals das Golden Label vom Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) verdient. Bei den Frauen steckt Bruktayit Eshetu ihren Kopf nach einem historischen Erfolg. Sie gewann den Houston Marathon in den Jahren 2016, 2018 und 2019 und könnte mit ihrem vierten Erfolg in der texanischen Metropole einen neuen Veranstaltungsrekord aufstellen. Drei Siege in Houston gelangen bisher der Ukrainerin Tetgana Posdnjakowa Ende der 90er-Jahre und der Britin Veronique Marot ein Jahrzehnt vorher bei den Frauen sowie den Kenianern Stephen Ndungu und David Cheruiyot und dem Äthiopier Bazu Worku bei den Männern. Mit einer persönlichen Bestleistung von 2:22:40 Stunden, erzielt bei ihrem zweiten Platz beim Toronto Waterfront Marathon 2019, ist die 29-Jährige, die in ihrer Karriere bereits über 30 Marathons bestritten hat, die Favoritin. Auch die Herausforderinnen kommen aus Äthiopien: Askale Merachi, die ehemalige VCM-Siegerin Shuko Genemo, Muluhabt Tsega, Meseret Belete und Bekelech Gudeta. Angesichts der anstehenden Trials sind keine US-Top-Athletinnen und -Athleten am Start.
 

El Abbassi gegen Gezahegn

Das Männer-Feld wird von zwei großen Namen angeführt. Der aus Marokko stammende Bahraini El Hassan El Abbassi ist in einer Bestleistung von 2:04:43 Stunden Inhaber des asiatischen Kontinentalrekords. Sein Widersacher ist Kelkile Gezagen aus Äthiopien, der in seiner Karriere bereits die prestigeträchtigen Marathons in Frankfurt und Ljubliana gewonnen hat. Neben den beiden Top-Favoriten auf den Sieg befinden sich noch neun weitere Läufer auf der Startliste mit Bestleistungen unter 2:10 Stunden. Dazu gehören Tariku Bekele, der jüngere Bruder des wesentlich erfolgreicheren Kenenisa, und Dominic Ondoro aus Kenia, der auf US-amerikanischen Boden bereits mehrere tolle Marathon-Resultate eingefahren hat.
 
 
Chevron Houston Marathon