Äthiopische Siege beim Xiamen Marathon

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Der erste Marathonlauf in der Geschichte mit dem für das Jahr 2020 vom Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) eingeführten Platinum Label für den neuen, verkleinerten elitären Kreis der Marathon- und Straßenläufe der Welt ist mit zwei äthiopischen Siegen zu Ende gegangen. Medina Armino wiederholte ihren Vorjahressieg in der südostchinesischen Hafenmetropole erfolgreich und siegte als elfte Äthiopierin in Folge beim Xiamen Marathon. Bei den Männern bedeutete der Erfolg von Birhanu Nebedew den vierten äthiopischen Sieg in Serie. Beide waren nicht als Top-Favoriten ins Rennen gegangen.
 

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Entscheidung auf der Zielgerade

Die Vorentscheidung beim ersten wichtigen Marathonlauf des neuen Jahres fiel bei Kilometer 38, als die Äthiopierin Mesera Hussen das Tempo verschärfte und sich alleine Richtung Ziellinie aufmachte. Medina Armino, im Vorjahr noch Überraschungssiegerin, folgte ihr mit einem kleinen Abstand und wies bei der Zwischenzeit bei Kilometer 40 einen Rückstand von vier Sekunden auf. Die Titelverteidigerin hatte ihre Kräfte aber bestens eingeteilt, schaffte den Anschluss und besiegte die auf den letzten Metern völlig erschöpfte Hussen mit einer Attacke 500 Meter vor dem Ziel. Armino, die vierte Mehrfachsiegerin der Eventhistorie, siegte in einer Zeit von 2:26:12 Stunden, eine persönliche Bestleistung um 1:13 Minuten, mit 16 Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau. Hussen, die 2018 den Dublin Marathon gewinnen konnte, verbesserte ihren „Hausrekord“ um zwei Minuten und eine Sekunde. Auf den ersten neun Plätzen landeten äthiopische Läuferinnen, Afera Godfay komplettierte in einer Zeit von 2:26:42 Stunden das Stockerl vor der ehemaligen Hindernisläuferin Hiwot Ayalew, die ebenfalls unter 2:27 Stunden blieb und ihre persönliche Bestleistung nur knapp verpasste.
 

Favoritin nur Fünfte, Europameisterin hinterlässt Fragezeichen

Das von männlichen Tempomachern unterstützte Elitefeld der Frauen lief den Xiamen Marathon in einem ausgeglichenen Tempo an, dass allerdings keinen Weltklasse-Durchgangszeiten entsprach. Nach 1:14:01 Stunden war der erste Halbmarathon absolviert. Vermeintlich war diese Pace optimal für die chinesische Topläuferin Li Zhi Xuan und Europameisterin Volga Mazuronak. Doch beide hatten zu diesem Zeitpunkt bereits deutlichen Rückstand. Die Lokalmatadorin verlor den Anschluss an die Spitzengruppe noch im ersten Viertel, wies bei Halbzeit einen Rückstand von eineinhalb Minuten auf und beendete den Marathon in einer letztendlich eher enttäuschenden Zeit von 2:32:45 Stunden auf dem zehnten Platz. Nicht viel besser ging es ihrer ebenfalls höher eingeschätzten Landsfrau He Yin Li, die eine knappe Minute später ins Ziel kam. Etliche Fragezeichen hinterließ die Weißrussin, die von Beginn an das Tempo der Spitzengruppe nicht mitging und ab Kilometer 15 noch einmal deutlich langsamer wurde. Die Europameisterin von Berlin 2018 erreichte das Ziel in massiv unterdurchschnittlichen 2:49:10 Stunden auf Rang 16. Damit war sie hinter der Ungarin Nora Szabo (Zwölfte) nur die zweitbeste Europäerin.
Länger an der Spitze agierte die Äthiopierin Yebrgual Melese, die als klare Favoritin auf den Sieg galt. Doch die 29-jährige Siegerin des Shanghai Marathon 2019 erwischte keinen guten Tag und konnte in der finalen Phase nicht zusetzen. Eine Zeit von 2:27:03 Stunden reichte am Ende lediglich zu Rang fünf.
 

Nebedew diktiert das Finale

Auch das Männer-Rennen entschied sich in der finalen Phase, als nach Kilometer 35 im Kampf um den Sieg die schnellste Rennphase eröffnet wurde. Stets am Kommando zeigte sich in dieser entscheidenden Phase der spätere Sieger Birhan Nebedew. Der Vorjahres-Dritte setzte sich kurz vor der Zwischenzeit bei Kilometer 40 von seinen Kontrahenten Reuben Kerio und Girmay Birhanu ab und siegte in einer Zeit von 2:08:16 Stunden, womit er die schnellste Siegerzeit beim Xiamen Marathon seit dem Streckenrekordlauf von Moses Mosop im Jahr 2015 erzielte. Es war die zweitschnellste Marathonzeit in der Karriere des 25-jährigen Äthiopiers. Der gleichaltrige Kerio, der 2019 den Madrid Marathon gewann und in Eindhoven als Zweiter über die Ziellinie lief, finishte mit exakt einer halben Minute Rückstand auf Position zwei. Das Stockerl komplettierte der 32-jährige Girmay Birhanu, der zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder unter 2:10 Stunden lief (2:08:52).
In Abwesenheit des angekündigten Shura Kitata hielt der zweifache Titelverteidiger Dejene Debela in einem mit konstantem Tempo geführten Rennen (Halbmarathon-Split 1:04:03 Stunden) bis Kilometer 35 mit der Spitzengruppe durch. Danach verlor er den Anschluss und musste sich in einer Zeit von 2:11:07 Stunden mit Position fünf zufrieden geben. Der lange Zeit aktiv laufende Marokkaner Mohamed Ziani folgte acht Sekunden später auf Rang sieben, als bester Chinese erreichte Yang Ding Hong das Ziel in einer Zeit von 2:13:51 Stunden als Neunter.
 
 

Ergebnisse Xiamen Marathon 2020

Männer
1. Birhan Nebedew (ETH) 2:08:16 Stunden
2. Reuben Kerio (KEN) 2:08:46 Stunden
3. Girmay Birhanu (ETH) 2:08:52 Stunden
4. Duber Abdisa (ETH) 2:10:21 Stunden *
5. Dejene Debela (ETH) 2:11:07 Stunden
6. Robert Kwambai (KEN) 2:11:10 Stunden
7. Mohamed Ziani (MAR) 2:11:15 Stunden
8. Anderson Seroi (KEN) 2:13:47 Stunden **
9. Yang Ding Hong (CHN) 2:13:51 Stunden
10. Solomon Kipsang (KEN) 2:17:41 Stunden
 
Frauen
1. Medina Armino (ETH) 2:26:12 Stunden *
2. Mesera Hussen (ETH) 2:26:28 Stunden *
3. Afera Godfay (ETH) 2:26:42 Stunden
4. Hiwot Ayalew (ETH) 2:26:54 Stunden
5. Yebrgual Melese (ETH) 2:27:03 Stunden
6. Birhan Gebrekidan (ETH) 2:27:20 Stunden **
7. Tsehay Gebre (ETH) 2:27:22 Stunden *
8. Zinash Debebe (ETH) 2:27:41 Stunden
9. Limeneh Getachew (ETH) 2:28:52 Stunden
10. Li Zhi Xuan (CHN) 2:32:45 Stunden

16. Volga Mazuronak (LR) 2:49:10 Stunden
 
* persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt
 
 
Xiamen Marathon