Andreas Vojta bei schwedischer Premiere 39.

© ÖLV / Erik van Leeuwen

Andreas Vojta (team2012.at) hat bei seiner elften Teilnahme an Crosslauf-Europameisterschaften mit Rang 39 eine seiner besseren Platzierungen erzielt, dennoch ein zwiespältiges Fazit gezogen. „Meine Trainingsleistungen waren noch nie so gut im Dezember. Daher hätte ich mir eigentlich etwas mehr vorgenommen. Die Strecke war mir sicher nicht auf den Leib geschneidert, daher ist das Resultat in Ordnung. Im Nachhinein betrachtet war es vielleicht meine schwerste Crosslauf-EM und nicht unbedingt für große Bahnläufer gemacht.“ Der routinierte Niederösterreicher orientierte sich lange Zeit an den Top-30 und verlor in den Schlusspassagen des Rennens auf der von Gras überzogenen Strecke im Parque da Bela Vista in Lissabon noch einige Positionen. In einer Zeit von 31:52 Minuten fiel Rang 39 in die Statistik, in der zweiten Rennhälfte büßte der nach der verletzungsbedingten Absage von Luca Sinn (Union St. Pölten) einzige rot-weiß-rote Teilnehmer pro Runde (1.500m) konstant um die 25 Sekunden auf die Spitze ein.
 
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© ÖLV / Erik van Leeuwen
Erster schwedischer Crosslauf-EM-Titel

Diese Spitze dominierte in der Schlussphase Robel Fsiha, ein 2013 aus Eritrea nach Schweden geflüchteter Läufer, der sein Potenzial bereits bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften 2019 in Aarhus unter Beweis gestellt hat, als er als bester Europäer auf Rang 17 ins Ziel gekommen ist. Der 23-Jährige bestimmte von Beginn an gemeinsam mit dem Türken Aras Kaya, Crosslauf-Europameister von 2016 das Rennen. In der letzten Runde setzte er sich im Duell mit Kaya, seinem einzig verbliebenen Kontrahenten, ab und feierte in einer Zeit von 29:59 Minuten den größten Erfolg seiner Karriere. „Ich habe viel trainiert und war wirklich sehr gut vorbereitet. Daher habe ich erwartet, dass ich eine wichtige Rolle in diesem Wettkampf spielen kann. Mein Fokus war die Goldmedaille und die habe ich gewonnen. Daher bin ich sehr, sehr glücklich“, kommentierte der Sieger. Fsiha, der im Frühjahr den schwedischen Landesrekord im Halbmarathon von Napoleon Solomon lediglich um eine Sekunde verpasst hat, ist der erste Crosslauf-Europameister seines Landes. Alle Bewerbe addiert hat Schweden überhaupt erst einmal einen Crosslauf-EM-Titel feiern dürfen: Sara Wedlund im fernen Jahr 1996 bei den Frauen. Letzter schwedischer Medaillengewinner war Mustafa Mohamed, der zwischen 2006 und 2008 mitten in der Hochzeit von Rekord-Europameister Sergej Lebid und des emporkommenden Mo Farah einmal Silber und zweimal Bronze gewann.
 

Dritte Medaille für Kaya, Erwachsenen-Premiere für Crippa

Auf der wenig spektakulären, aber durch die Anstiege und eine lange Bergab-Passage sichtlich durchaus anspruchsvollen Strecke entwickelte sich bei den Männern ein klassisches Ausscheidungsrennen, das ab der dritten Runde Fahrt aufnahm. Eine neunköpfige Spitzengruppe hatte sich nach rund vier Kilometern gebildet und die erste große Überraschung des Tages war die Tatsache, dass Titelverteidiger Filip Ingebrigtsen nicht Bestandteil dieser war. Isaac Kimeli, Vize-Europameister von 2018, schaffte es mit leichter Verspätung in die Spitzengruppe, die sich nun sukzessive verkleinerte. Stets sorgten Fsiha und Kaya für das Tempo, Yemaneberhan Crippa aus Italien lief achtsam im Windschatten der beiden. Auch der Schweizer Julien Wanders, der Brite Andrew Butchart und der Deutsche Samuel Fitwi spielten in dieser Rennphase eine aktive Rolle.
Die schnellste Phase des Rennens sollte die drittletzte Runde werden, als sich auch in der Spitze die Spreu vom Weizen trennen sollte. Das Duo vorne setzte sich ab, als auch Crippa das Tempo der beiden nicht mehr halten konnte und seinen eigenen Rhythmus weiterlief. Zu diesem Zeitpunkt waren Butchart, Wanders und die anderen bereits zurückgefallen, es bildeten sich mehrere Lücken von jeweils einigen Sekunden. Als Kaya Fsihas Attacke nicht erwidern konnte, wirkte der aus Kenia stammende Türke müde, konnte aber den zweiten Platz in einer Zeit von 30:10 Minuten halten und komplettierte damit seinen Medaillensatz bei Crosslauf-Europameisterschaften: Nach Gold 2016 und Bronze 2018 gab es dieses Mal Silber. Crippa rettete in einer Zeit von 31:21 Minuten die Bronzemedaille. Nach zwei Junioren-EM-Titel und zwei Bronzemedaillen in der Altersklasse U23 schaffte es der als Kind aus Äthiopien adoptierte Norditaliener bei seinem zweiten Antreten in der Allgemeinen Klasse erstmals auf das Stockerl. „Ich bin überglücklich. Ein Monat lang in Kenia hart zu trainieren hat sich rentiert. Ich bin auf dem richtigen Weg“, strahlte der 23-Jährige, der für die erste italienische Einzelmedaille bei den Männern seit dem EM-Titel von Andrea Lalli 2012, als Daniele Meucci Bronze gewann, sorgte.
 

Julien Wanders bei Crosslauf-Comeback Vierter

Mehrfach wechselten zwischen Julien Wanders und Andrew Butchart in den letzten Runden die Positionen. Der Schweizer, der wie Crippa zuletzt in Iten trainiert hatte, konnte zwischenzeitlich das Tempo des Italieners nicht mitgehen. Zwar holte der 23-Jährige im Finale noch einiges auf, blieb aber vier Sekunden jenseits des Podests. Dass der Westschweizer, der rund zwei Drittel des Jahres in Iten lebt, damit der beste gebürtige Europäer war und dass er bei seiner ersten Teilnahme an der Crosslauf-EM in der Allgemeinen Klasse das bisher historisch beste Schweizer Resultat von Christian Belz bei der Heim-EM 2001 in Thun (5.) toppte, waren ein schwacher Trost. Neben insgesamt drei vierten Plätzen war aus Schweizer Sicht das Abschneiden in der Nationenwertung bei den Männern ärgerlich. Denn Jonas Raess lief ein herausragendes Rennen und kam überraschend als Zehnter über die Ziellinie. Leider verhagelte der dritte Schweizer Christoph Graf mit Position 73 ein weit besseres Abschneiden für die Eidgenossen in der Teamwertung als Platz neun. So gewann Spanien trotz eines enttäuschenden Abschneidens – zum zweiten Mal in Folge erreichte die bei den Männern mit Abstand erfolgreichste Nation bei Crosslauf-Europameisterschaften keinen Top-Ten-Platz die Bronzemedaille in der Nationenwertung hinter den ausgeglichenen Briten und den starken Belgiern. Ein weiterer Mitgrund für die spanische Ehrenrettung war der spektakuläre Einbruch des ehemaligen Europameisters Ali Kaya, der die Türken noch vom sicher geglaubten Podium bugsierte.
 

Fitwi starker Sechster

Ein Blick in die Top-Ten des Endresultats demonstriert die hohe Qualität in diesem Rennen. Neben Jonas Raess die vielleicht zweitgrößte Überraschung im Spitzenfeld war der Deutsche Samuel Fitwi, der mit Rang sechs einen insgesamt enttäuschenden Crosslauf-EM-Tag für den DLV mit einem Highlight abrundete. Im letzten Jahr gewann der 23-Jährige noch die Silbermedaille im Rennen der Altersklasse U23, den Übergang zu den Erwachsenen schaffte er zumindest in dieser Disziplin nahtlos und krallte sich auf Anhieb im Spitzenfeld fest. „Ich bin voll zufrieden!“, gestand er nach dem Rennen. Auch Simon Boch konnte mit Rang 15 überzeugen, er verlor lediglich zehn Sekunden auf den entthronten Titelverteidiger Filip Ingebrigtsen, der letztendlich Zwölfter wurde. Wie bei den Schweizern fehlte auch den Deutschen ein starkes drittes Resultat für ein gutes Abschneiden in der Nationenwertung.
 
 
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Ergebnis Crosslauf-EM 2019 der Männer (10,225 km)

Gold: Robel Fsiha (Schweden) 29:59 Minuten
Silber: Aras Kaya (Türkei) 30:10 Minuten
Bronze: Yemaneberhan Crippa (Italien) 30:21 Minuten
4. Julien Wanders (Schweiz) 30:25 Minuten
5. Andrew Butchart (Großbritannien) 30:48 Minuten
6. Samuel Fitwi (Deutschland) 30:39 Minuten
7. Soufiane Bouchikhi (Belgien) 30:41 Minuten
8. Isaac Kimeli (Belgien) 30:46 Minuten
9. Ben Connor (Großbritannien) 30:47 Minuten
10. Jonas Raess (Schweiz) 30:53 Minuten
11. Antonio Abadia (Spanien) 30:57 Minuten
12. Filip Ingebrigsen (Norwegen) 30:57 Minuten
13. Ildar Nadyrov (ANA) 30:57 Minuten
14. Carlos Mayo (Spanien) 31:05 Minuten
15. Simon Boch (Deutschland) 31:07 Minuten
16. Sezgin Atac (Türkei) 31:08 Minuten
17. Rinas Akhmadiyev (ANA) 31:08 Minuten
18. Sean Tobin (Irland) 31:11 Minuten
19. Yann Schrub (Frankreich) 31:12 Minuten
20. Fernando Carro (Spanien) 31:17 Minuten

31. Ali Kaya (Türkei) 31:34 Minuten
39. Andreas Vojta (Österreich) 31:52 Minuten
48. Johannes Motschmann (Deutschland) 32:24 Minuten
73. Christoph Graf (Schweiz) 34:26 Minuten
DNF Napoleon Solomon (Schweden)
DNF Ouassim Oumaiz (Spanien)
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Großbritannien 36 Punkte
Silber: Belgien 38 Punkte
Bronze: Spanien 45 Punkte
4. Türkei 50 Punkte
5. Schweden 64 Punkte
6. Deutschland 69 Punkte
7. Portugal 81 Punkte
8. Norwegen 84 Punkte
9. Schweiz 87 Punkte
10. Italien 88 Punkte
11. Frankreich 110 Punkte
12. Ukraine 115 Punkte
13. Irland 131 Punkte
14. Dänemark 170 Punkte
15. Lettland 200 Punkte
16. Gibraltar 227 Punkte
 
 
Crosslauf-Europameisterschaften 2019 in Lissabon
European Athletics