Starkes EM-Debüt von Mayer – Vierter EM-Titel für Can

© ÖLV / Erik van Leeuwen

Ausgerechnet die Crosslauf-EM-Debütantin Julia Mayer (DSG Wien) hat im letzten Rennen des Tages bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Lissabon für das Top-Resultat des neunköpfigen österreichischen Teams gesorgt. Die Wienerin lief im 8.225 Meter langen Rennen der Allgemeinen Klasse der Frauen das nach dem 18. Platz von Jennifer Wenth vor fünf Jahren beste rot-weiß-rote Resultat in der Geschichte von Frauen-Rennen bei Crosslauf-Europameisterschaften heraus. „Für mein Debüt bin ich sehr zufrieden. Mein hoch gestecktes Ziel war zwar ein Top-20-Platz und das habe ich nicht ganz geschafft. Aber ich bin gut zurechtgekommen, habe auch den Bergaufstücken immer Plätze gut gemacht und insgesamt einen geilen Tag erlebt“, freute sich die 26-Jährige. In einer Zeit von 29:01 Minuten, zeitgleich mit der in die Jahre gekommenen, ehemaligen Europameisterin Sophie Duarte, belegte Mayer den 22. Platz unter 53 Finisherinnen im kleinsten Starterfeld des Tages. Diese gute Position hielt Mayer von Beginn an des Rennens. Aufgrund des hohen Tempos an der Spitze lag die Österreicherin zur Halbzeit bereits eine Minute hinter der führenden Yasemin Can, ähnlich wie Andreas Vojta davor im Männer-Rennen verlor die Wienerin pro Runde (1.500m) eine knappe halbe Minute auf die Schnellsten.
 
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© ÖLV / Erik van Leeuwen
Yasemin Can gefordert, aber unangefochten

Wie erwartet war Yasemin Can, die einen Großteil der Sommer-Saison aus gesundheitlichen Gründen verpasst hatte, auch in Lissabon nicht zu schlagen. Wie bereits in Chia, Samorin und Tilburg sicherte sich die kenianisch-stämmige Türkin die Crosslauf-EM-Goldmedaille und baute damit ihren Vorsprung als Rekord-Europameisterin mit vier Titeln weiter aus. Dank ihr liegt die Türkei nur noch einen Titel hinter Großbritannien, das mit fünf Titeln bei nun 26 Austragungen an der Spitze liegt (nur Einzelranking, Anm. d. Red.). „Ich habe es heute gut gemacht. Die Vorbereitung war nicht ideal und die Strecke war hart, aber es waren ideale Bedingungen für mich“, sagte die 22-Jährige, nachdem sie in einer Zeit von 26:52 Minuten die Ziellinie überquert hatte. Dank einer beeindruckenden Vorstellung der zweitplatzierten Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal war die Türkin wie im vergangenen Jahr, als Fabienne Schlumpf und Grövdal bis zur Zielgerade praktisch gleich auf lagen, ordentlich gefordert.
 

Grövdal mit Vollgas

Gleich nach dem Start legte Karoline Bjerkeli Grövdal alles in die Waagschale und schlug ein hohes Tempo an. Nach vier Bronzemedaillen in Folge wollte die Skandinavierin alles in ihrer Macht stehende für einen Überraschungs-EM-Titel gegen Can versuchen. In einer langen Kette aufgereiht stellte sich das Starterfeld nach wenigen Metern dar. Nach der ersten großen Runde (2,125 km) lagen Can und Grövdal bereits 15 Sekunden vor den Verfolgerinnen. Nun übernahm die Türkin das Kommando und setzte sich im Laufe der nächsten Runde von Grövdal ab. Die Norwegerin konnte das wahnsinnig hohe Tempo der ersten Runde nicht halten. Der Rest war ein Alleingang der nun vierfachen Europameisterin, die das Ziel in einer Zeit von 26:52 Minuten erreichte. „Ich bin so lange bei Can geblieben, wie ich konnte. Ich bin sehr zufrieden mit der Silbermedaille, es war ein Schritt vorwärts“, bilanzierte die 29-Jährige nach ihrem besten Crosslauf-EM-Resultat überhaupt. Inklusive Nachwuchsklassen hat Grövdal nun bereits sieben Medaillen bei diesem Event gewonnen. „Ich bin die europäische Crosslauf-Queen“, stellte sie nüchtern fest. Eine Spitze gegen die afrikanische Herkunft der Seriensiegerin war unüberhörbar.
 

Mengsteab gewinnt Endspurt gegen McCormack

Apropos afrikanische Herkunft: Die aus Eritrea stammende, in Göteborg lebende und seit Ende 2018 für Schweden laufende Samrawit Mengsteab gewann die bereits sechste Medaille bei den Frauen für Schweden. Die Ehefrau des ehemaligen Halbmarathon-WM-Vize-Weltmeisters Samuel Tsegay aus Eritrea lieferte sich lange Zeit ein enges und spannendes Duell mit der zweifachen Europameisterin Fionnuala McCormack aus Irland. Selbst auf der Zielgerade unternahm der Routinier alles, um die kleine Lücke zur Skandinavierin noch zu schließen. Was letztendlich nicht gelang, Mengsteab löste nach 27:43 Minuten und damit zwei Sekunden vor McCormack die Zeitnehmung aus. „Ich fühle mich großartig. Die Vorbereitung war nicht perfekt, daher bin ich sehr glücklich mit dem Resultat, weil ich es nicht unbedingt erwartet hatte“, sagte die 29-Jährige. McCormack musste sich mit der Silbermedaille für das starke irische Team trösten, hatte aber dennoch schlechte Laune: „Es ist schwierig, zu akzeptieren. Ich bin schon so oft Vierte geworden, das ist sehr schmerzhaft. Es war ein fantastischer Crosslauf-Tag, alles hat perfekt gepasst, ich bin super gelaufen, nur meine Platzierung stört mich.“ Besser in der Nationenwertung war nur das britische Team, das mit Jessica Judd und Charlotte Arter zwei Athletinnen in die Top-Ten bekam, Bronze gewann Gastgeber Portugal. Ana Dulce Felix als Achte und Carla Salomé Rocha als Zehnte legten das Fundament für diesen erhofften bis erwarteten Erfolg für den gastgebenden Verband. Es war die erste portugiesische Team-Medaille bei einer Crosslauf-EM der Frauen seit acht Jahren.
 

Burkard fällt zurück

Eine leichte Enttäuschung auf hohem Niveau erlebte Deutschlands Top-Crossläuferin in Lissabon, Elena Burkard. Nach den Rängen fünf und sechs in den letzten beiden Jahren spekulierte die 27-Jährige auf Edelmetall und lag zur Halbzeit des Rennens an der Spitze der Verfolgergruppe voll auf Kurs Bronzemedaille. Doch in den letzten Runden verlor die Hindernisläuferin einen Positionskampf nach dem nächsten und musste sich am Ende mit dem neunten Platz zufrieden geben. „Ich wollte mehr und bin daher nicht ganz zufrieden. Aber es ging heute nicht mehr, es war kein richtug guter Tag“, klagte Burkard nach dem Rennen. Da Deborah Schöneborn und Domenika Mayer gute Rennen zeigten, platzierte sich Deutschland in der Nationenwertung wie bei den Männern auf Rang sechs. Weil Chiara Scherrer das Rennen beenden musste, erzielte die Schweiz in der Nationenwertung keine Platzierung.
 
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Ergebnis Crosslauf-EM 2019 der Frauen (8,225 km)

Gold: Yasemin Can (Türkei) 26:52 Minuten
Silber: Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen) 27:07 Minuten
Bronze: Samrawit Mengsteab (Schweden) 27:43 Minuten
4. Fionnuala McCormack (Irland) 27:45 Minuten
5. Liv Westphal (Frankreich) 28:02 Minuten
6. Jessica Judd (Großbritannien) 28:05 Minuten
7. Charlotte Arter (Großbritannien) 28:07 Minuten
8. Ana Dulce Felix (Portugal) 28:09 Minuten
9. Elena Burkard (Deutschland) 28:10 Minuten
10. Carla Salomé Rocha (Portugal) 28:13 Minuten
11. Valeria Roffino (Italien) 28:34 Minuten
12. Federica Sugamiele (Italien) 28:36 Minuten
13. Abbie Donnelly (Großbritannien) 28:40 Minuten
14. Esma Aydemir (Türkei) 28:43 Minuten
15. Amy Griffiths (Großbritannien) 28:50 Minuten
16. Irene Sanchez (Spanien) 28:50 Minuten
17. Aoibhe Richardson (Irland) 28:52 Minuten
18. Maria Sagnes Wagan (Norwegen) 28:54 Minuten
19. Roxana Barca (Rumänien) 28:54 Minuten
20. Ciara Mageean (Irland) 28:58 Minuten
21. Spphie Duarte (Frankreich) 29:01 Minuten
22. Julia Mayer (Österreich) 29:01 Minuten
23. Deborah Schöneborn (Deutschland) 29:02 Minuten

26. Domenika Mayer (Deutschland) 29:10 Minuten
32. Nicole Egger (Schweiz) 29:34 Minuten
47. Rea Iseli (Schweiz) 30:46 Minuten
DNF Chiara Scherrer (Schweiz)
 

Teamwertung (drei Läuferinnen gewertet)

Gold: Großbritannien 26 Punkte
Silber: Irland 41 Punkte
Bronze: Portugal 43 Punkte
4. Türkei 53 Punkte
5. Italien 56 Punkte
6. Deutschland 58 Punkte
7. Frankreich 62 Punkte
8. Spanien 74 Punkte
9. Rumänien 93 Punkte
10. Ukraine 115 Punkte
 
 
Crosslauf-Europameisterschaften 2019 in Lissabon
European Athletics