Rekord-Titel für Ingebrigtsen, Titelverteidigung für Battocletti

© European Athletics / Getty Images

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Es war nicht die größte sportliche Sensation aller Zeiten. Aber der neuerliche Crosslauf-EM-Titel des klar überlegenen Jakob Ingebrigtsen ist ein statistisch besonderer. Zum vierten Mal in Serie gewann das skandinavische Supertalent die Goldmedaille bei den Junioren und stellte damit wohl einen Rekord für die Ewigkeit auf. „Es hat heute eine Menge Spaß gemacht. Ich freue mich immer sehr, wenn ich bei einem Wettkampf an den Start gehe. Ich erinnere mich sehr gut an meinen ersten Titel 2016 und bin jetzt froh, dass ich die Altersklasse U20 verlasse“, gab der 19-Jährige zu Protokoll. In Lissabon gewann Ingebrigtsen im Gegensatz zum vergangenen Jahr in Tilburg auch mit Stil und dominierte die Konkurrenz nach Belieben. Im Ziel hatte der Solist, der bereits weit vor der Ziellinie zu jubeln begann, 38 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Attackiert hatte Ingebrigtsen erst kurz vor dem Glockenton zur letzten, 1.500 Meter langen Runde. Davor hatte der haushohe Favorit das Rennen locker kontrolliert.
 
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Erste irische Medaille seit über zwei Jahrzehnten

Lange Zeit bestimmte der Ungar Istvan Palkovits das Tempo im chronologisch ersten Rennen des Tages, das mit dem größten Starterfeld des Tages die Strecke in der portugiesischen Hauptstadt gut füllte. In der Schlussphase fiel Palkovits zurück, im Kampf um die Silbermedaille kristallisierte sich ein Duell zwischen Ayetullah Aslanhan und Efrem Gidey heraus. Der Ire setzte die erste Attacke und schien die Nase vorne zu haben, auf den letzten Metern wendete der Türke aber das Blatt und holte wie Ramazan Barbaros vor zwei Jahren Silber. Gideys Bronzemedaille ist die erste irische bei den Junioren seit 21 Jahren, als Gareth Turnbull ebenfalls Dritter wurde.
 

Frey mit Seitenstechen ausgeschieden

Zu keinem Zeitpunkt im Rennen konnte der deutsche Junioren-Europameister im 3.000m-Lauf, Elias Schreml in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Am Ende musste er sich mit Platz 25 zufrieden geben und führte das zehntplatzierte deutsche Team in der Teamwertung an. Die Schweiz fiel aus der Teamwertung, weil 50% des Quartetts die Ziellinie nicht erreichte – genausowenig wie Österreichs Einzelstarter Sebastian Frey (DSG Wien), der in der Schlussphase das weiße Handtuch warf. Der 17-Jährige lag davor bereits weit abgeschlagen im Hinterfeld und litt unter Seitenstechen.
 

Revanche für Boras

Bei den Junioren-Europameisterschaften im Sommer im schwedischen Boras überraschte die Slowenin Klara Lukan Nadia Battocletti mit einem tollen Tempolauf, der sie zur Goldmedaille im 5.000m-Lauf führte. Im Crosslauf zeigte die Italienerin allerdings, dass diese Disziplin ihre Domäne ist. Von Beginn an übernahm die Titelverteidigerin das Kommando, Lokalmatadorin Mariana Machado und Vize-Europameisterin Delia Sclabas folgten. Je länger das 4.225 Meter lange Rennen dauerte, desto aktiver wurde auch Lukan. Während der letzten Runde übernahm Machado die Spitze, Battocletti konterte mit einer Attacke an einem kurzen Anstieg und setzte sich leicht ab. Es war die Vorentscheidung, Battocletti gewann in einer Zeit von 13:58 Minuten. „Ich bin überglücklich! Machado, Lukan und Sclabas sind sehr talentierte und starke Läuferinnen“, betonte die 19-Jährige. Lukan hängte im Finale die erschöpfte Machado ab und gewann die Silbermedaille. „Auf mentaler Ebene war das ein schwieriges Rennen, auch weil die Anstiege hart waren“, zeigte sich die Slowenin glücklich. Die Portugiesin rettete die erste und letztendlich einzige Einzelmedaille für die Gastgeber. „Ich möchte nicht lügen. Ich habe mir eine Medaille erwartet und natürlich auf Gold gehofft. Mit dem dritten Platz kann ich trotzdem gut leben“, erklärte sie.
 

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Sclabas Vierte, Reicht 33.

Dass Delia Sclabas in Lissabon ohne Medaille blieb, war durchaus überraschend, aber ein weiteres Indiz dafür, dass der Crosslauf nicht zu ihren Lieblingsdisziplinen zählt. Die Schweizerin verlor in der heißen Phase des Rennens den Anschluss an die Top-Drei, zeigte aber ihren Kampfgeist, indem sie die Polin Zofia Dudek in einem hauchengen Zielspurt um den an sich unbedeutenden vierten Rang bezwang. Bitter für die Schweizerinnen: Trotz der starken Leistung der achtplatzierten Sibylle Häring blieb auch in der Nationenwertung nur Blech. Während das nominell starke deutsche Team hinter den Erwartungen blieb und auch in der Nationenwertung auf Rang sieben eine Medaille deutlich verpasste, konnte auch das junge ÖLV-Team nicht rundum zufrieden sein. Carina Reicht (run2gether) erreichte in einer Zeit von 15:12 Minuten als 33. kein Spitzen-, aber immerhin ein akzeptables Resultat, betonte dennoch das Positive: „Ich bin voll zufrieden mit meinem 33. Platz und dass ich mich von Platz 54 im Vorjahr steigern konnte.“ Luise Lotte Seiler (KSV alutechnik) auf Platz 74 und erst 17-jährige Katharina Götschl (USKO Melk) als 81. platzierten sich im Schlussdrittel des Feldes.
 

Umstrittenes Ergebnis in der Nationenwertung

Die Medaillen in der Teamwertung, für die die besten drei Läuferinnen in die Wertung fielen, gingen an Großbritannien, Italien und Frankreich. Dabei erzielten die Britinnen und die von Battocletti angeführten Italienerinnen jeweils 29 Punkte. Dass die Goldmedaille dem Team aus Großbritannien umgehängt wurde, ist ein Treppenwitz und einer unverständlichen Regelauslegung geschuldet. Dass die Nationenwertung als Summe der Platzierungen und nicht als Summe der Leistungen errechnet wird, ist zwar auch irgendwie unnatürlicher, aber technisch simpler umsetzbar und im Crosslauf seit vielen Jahren Gang und Gebe. Auf einer Seite auch verständlicherweise, da im Crosslauf aufgrund der fehlenden Vergleichbarkeit von Strecken die Positionen bedeutender sind als die Zeiten. Dass bei Punktegleichheit aber die Position der dritten Läuferinnen den Unterschied macht, ist aber gerade unverständlich. Italien hatte mit Europameisterin Nadia Battocletti nicht nur das klar bessere Spitzenresultat im Vergleich mit den Britinnen (Izzy Fry 6.), sondern lag in der Summe der jeweils drei in die Wertung gefallenen Laufzeiten satte 20 Sekunden Vorsprung auf die Britinnen.
 
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Ergebnis Crosslauf-EM 2019 der Junioren (6,225 km)

Gold: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) 18:20 Minuten
Silber: Ayetullah Aslanhan (Türkei) 18:58 Minuten
Bronze: Efrem Gidey (Irland) 19:01 Minuten
4. Etson Barros (Portugal) 19:05 Minuten
5. Charles Hicks (Großbritannien) 19:05 Minuten
6. Dereje Chekole (Israel) 19:05 Minuten
7. Omar Nuur (Schweden) 19:18 Minuten
8. Hakon Stavik (Norwegen) 19:18 Minuten
9. Matthew Willis (Großbritannien) 19:19 Minuten
10. Flavien Szot (Frankreich) 19:20 Minuten

25. Elias Schreml (Deutschland) 19:33 Minuten
41. Florian Bremm (Deutschland) 19:44 Minuten
45. Dominik Müller (Deutschland) 19:52 Minuten
60. Jonathan Hofer (Schweiz) 20:08 Minuten
65. Paul Specht (Deutschland) 20:13 Minuten
73. Maurice Christen (Schweiz) 20:25 Minuten
78. Paul Feuerer (Deutschland) 20:28 Minuten
DNF Sebastian Frey (Österreich)
DNF Leon Berthold (Schweiz)
DNF Julien Stalhandske (Schweiz)
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Großbritannien 25 Punkte
Silber: Norwegen 38 Punkte
Bronze: Irland 39 Punkte
4. Portugal 39 Punkte
5. Frankreich 48 Punkte
6. Israel 80 Punkte
7. Schweden 90 Punkte
8. Italien 91 Punkte
9. Spanien 95 Punkte
10. Deutschland 111 Punkte
 
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2019 der Juniorinnen (4,225 km)

Gold: Nadia Battocletti (Italien) 13:58 Minuten
Silber: Klara Lukan (Slowenien) 14:01 Minuten
Bronze: Mariana Machado (Portugal) 14:10 Minuten
4. Delia Sclabas (Schweiz) 14:22 Minuten
5. Zsofia Dudek (Polen) 14:22 Minuten
6. Izzy Fry (Großbritanien) 14:33 Minuten
7. Greta Varga (Ungarn) 14:34 Minuten
8. Sibylle Häring (Schweiz) 14:35 Minuten
9. Manon Trapp (Frankreich) 14:37 Minuten
10. Flavie Renouard (Frankreich) 14:37 Minuten

20. Josina Papenfuß (Deutschland) 15:01 Minuten
23. Paula Schneiders (Deutschland) 15:02 Minuten
26. Antje Pfüller (Deutschland) 15:06 Minuten
29. Anneke Vortmeier (Deutschland) 15:08 Minuten
33. Carina Reicht (Österreich) 15:12 Minuten
36. Livia Wespe (Schweiz) 15:16 Minuten
38. Blanka Dörfel (Deutschland) 15:16 Minuten
52. Valentina Rosamilia (Schweiz) 15:32 Minuten
53. Alina Sönning (Schweiz) 15:32 Minuten
68. Leonie Saurer (Schweiz) 15:56 Minuten
74. Luise Lotte Seiler (Österreich) 16:06 Minuten
81. Katharina Götschl (Österreich) 16:20 Minuten
 

Teamwertung (drei Läuferinnen gewertet)

Gold: Großbritannien 29 Punkte
Silber: Italien 29 Punkte
Bronze: Frankreich 38 Punkte
4. Schweiz 48 Punkte
5. Portugal 55 Punkte
6. Polen 64 Punkte
7. Deutschland 69 Punkte
8. Spanien 102 Punkte
9. Finnland 129 Punkte
10. Dänemark 157 Punkte

12. Österreich 188 Punkte
 
 
Crosslauf-Europameisterschaften 2019 in Lissabon
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