Hattrick für Gressier – Möller überlegen

© European Athletics / Getty Images

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In den beiden Rennen der Altersklasse U23 haben sich jeweils die Titelverteidiger bestens in Szene gesetzt, womit in allen Einzelbewerben außer dem Männer-Rennen die Crosslauf-Europameister von 2018 auch diejenigen aus dem Jahr 2019 sind. Im U23-Rennen der Männer über die Distanz von 8.225 Metern entwickelte sich ein spannender Dreikampf um den Sieg, aus dem sich Jimmy Gressier im Finale absetzte und seinen dritten EM-Titel in dieser Altersklasse holte. Länger als drei Jahre ist man in diesem Rennen übrigens nicht startberechtigt. Bei den Frauen spielte Anna Emilie Möller in Abwesenheit ihrer potenziellen deutschen Hauptkontrahentinnen Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh ihre Überlegenheit gnadenlos aus und ließ keine Fragen offen.
 
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Frühes Spitzentrio

Im Rennen der Männer übernahmen erst die britischen Läufer und nach wenigen Minuten der Serbe Elzan Bibic die Initiative. Bibic, im Vorjahr noch Dritter bei den Junioren, zeigte seine läuferische Klasse mit mehreren Tempoverschärfungen, die das Spitzenfeld sukzessive, aber bestimmt verkleinerten. Nur Jimmy Gressier beantwortete jede Aktion des Serben mühelos, Abdessamad Oukhelfen stieß mit etwas Verspätung dazu. Gemeinsam bildeten die drei bereits nach drei von acht Kilometern das Trio, das am Ende das Siegerfoto gestaltete. Denn die ersten Verfolger, Mahamed Mahamed aus Großbritannien und Mohamed Mohumed aus Deutschland fielen im Laufe des weiteren Rennens etwas zurück, während im Kampf um die Plätze abseits des Stockerls der Israeli Tadesse Getahon und der Italiener Yohanes Chiappinelli in der Schlussphase Boden gutmachten.
 

Attacke bergrunter

Vorne blieb Bibic seiner Taktik des Gestaltens treu, bis der wie immer mit nach hinten ausgerichteter Baseball-Mütze laufende Gressier gegen Ende der vorletzten Runde in einer Bergab-Passage vorentscheidend attackierte und seinen Vorsprung peu à peu vergrößerte. Ungeachtet des größten von mehreren Problemen mit der Zeitnehmung beendete Gressier das Rennen in einer Zeit von 24:17 Minuten, seine Landsleute machten den Doppelschlag perfekt und gönnten ihm auch noch den Sieg in der Nationenwertung. „Ich habe mich bestens gefühlt und geduldig auf den richtigen Moment für eine Attacke gewartet“, gab der Sieger zum Besten. Diskutabel war auf jeden Fall der aufreizende Jubel des Franzosen, der die Ziellinie demonstrativ gehend überquerte und dahinter in der stabilen Seitenlage vor den Fotografen posierte. Ein Hauch von Überheblichkeit dürfte sich über deren Linsen gelegt haben. Bibic setzte sich von Oukhelfen ab und sicherte sich die dritte Medaille für Serbien in der Altersklasse U23 überhaupt. Frankreich steht im ewigen Medaillenspiegel dieser Altersklasse nun übrigens mit elfmal Gold (Einzel und Team) überlegen an der Spitze vor Großbritannien, das für Lissabon atypisch sogar in der Nationenwertung leer ausging.
 

Einzige Medaille für Deutschland

Österreichs einziger Teilnehmer Tobias Rattinger (LAC Amateure Steyr) hing in seinem letzten Rennen der Altersklasse U23 von Beginn an im hinteren Feld fest und konnte dieses auch nicht mehr verlassen. Rang 75 fiel in die Statistik, ÖLV-Teamleiter Günther Weidlinger bescheinigte dem Oberösterreicher eine „Leistung im Rahmen“.
Einen tollen Erfolg dank einer ausgeglichenen Teamleistung feierte Deutschland, das in der Teamwertung hinter Frankreich und Italien die Bronzemedaille gewann. Es sollte das einzige Edelmetall für den DLV bleiben.
 

Möller spielt Überlegenheit aus

Ähnlich wie im Junioren-Rennen mit Jakob Ingebrigtsen hätte es schon einer Sensation sporthistorischem Ausmaßes benötigt, im U23-Rennen der Frauen eine andere Siegerin zu küren als Anna Emilie Möller. Die Dänin hat nämlich mit etlichen glänzenden Leistungen, darunter der Doppel-EM-Titel bei den Titelkämpfen der U23 in Gävle (3.000m-Hindernislauf, 5.000m), an die Weltklasse im 3.000m-Hindernislauf angeklopft und war bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften im März überdies beste Europäerin. „Ich liebe es zu gewinnen. Es ist ein außergewöhnliches Gefühl. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Auftritt heute“, sagte die 22-Jährige nach dem Rennen. Frühzeitig setzte sie sich dank ihrem hohen Tempo vom Rest des Feldes ab und erarbeitete sich in einer Zeit von 20:30 Minuten den größten Vorsprung in allen Bewerben in Lissabon 2019, nämlich 39 Sekunden. Möller ist für beide Medaillen zuständig, die Dänemark jemals bei Crosslauf-Europameisterschaften in dieser Altersklasse gewonnen hat.
Hinter der überlegenen Siegerin setzte sich Jasmijn Lau (21:09) im Kampf um den zweiten Platz gegen die Irin Stephanie Cotter (21:15) durch. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich war so lange verletzt und habe außer Schwimmen nichts gemacht. Daher ist dieses Resultat eine tolle Überraschung für mich“, strahlte Lau. Cotter jubelte neben Bronze auch über Silber in der Nationenwertung, die die Niederlande dank der silbernen Lau, der viertplatzierten Jasmijn Bakker und der elftplatzierten Diane van Es dominierte.
 

© ÖLV / Erik van Leeuwen
Dattke fehlt am Start – Millonig und Pesendorfer in hinterer Hälfte

Dass mit Miriam Dattke eine große Medaillenhoffnung an der Startlinie fehlte, erleichterte die Aufgabe für Lau und Cotter. Dem DLV ging damit nicht nur die größte Medaillenchance des ganzen Tages in der Einzelwertung durch die Lappen, sondern sehr wahrscheinlich Edelmetall in der Nationenwertung, wo Deutschland ohne Dattke hinter Großbritannien Vierter wurde. Lisa Tertsch (8.) und Lea Meyer (12.) zeigten gute Rennen.
Nicht so gut lief es für das ÖLV-Duo, das sich in der hinteren Hälfte platzierte. Lena Millonig (ULC Riverside), die nach langer Pause ihr Comeback bei internationalen Meisterschaften feierte, wurde in einer Zeit von 22:44 Minuten 36., Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik), die aus den USA eingeflogen kam, belegte Rang 49 (23:29). „Ich bin mit dem Ergebnis nur halbwegs zufrieden, weil nur 20 Sekunden auf die Top-20 gefehlt haben. Bereits nach einer Runde habe ich bemerkt, dass das nicht mein Tag ist. Ich hatte etwas höhere Erwartungen, ingesamt war es ok“, bilanzierte Millonig.
 

Großbritannien gewinnt Mixed-Staffel

Der in den Teamwertungen dominierende Verband aus Großbritannien (der keine einzige Einzel-Medaille gewann) konnte sich in der Mixed-Staffel über eine von insgesamt fünf Goldmedaillen am gestrigen Sonntag freuen. Sarah McDonald, James McMurray, Alexandra Bell und Jonny Davies setzten sich in einer Zeit von 17:55 Minuten ungefährdet vor Weißrussland (18:01) und Frankreich (18:05) durch. Obwohl McDonald die erste Runde bestimmte, gelang es erst der als dritten Läuferin eingesetzten Alexandra Bell den entscheidenden Vorsprung für ihr Team herauszulaufen.
Obwohl European Athletics die Positionen der Startabfolge fixiert hatte (Läuferinnen auf den Positionen eins und drei, Läufer auf zwei und vier) strahlte die Mixed-Staffel ein weiteres Mal wenig Attraktivität aus. Das lag hauptsächlich daran, dass sich wenige Top-Mittelstreckenläufer für einen Trip nach Lissabon begeistern ließen. Mit Großbritannien dominierte der Favorit das Rennen, immerhin war der Dreikampf um die Bronzemedaille zwischen Titelverteidiger Spanien, Frankreich und Belgien spannend. Am Ende hatten die Franzosen klar die Nase vorne. Nur zwölf Nationen stellten eine Staffel.
 
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Ergebnis Crosslauf-EM 2019, U23 der Männer (8,225 km)

Gold: Jimmy Gressier (Frankreich) 24:17 Minuten
Silber: Elzan Bibic (Serbien) 24:25 Minuten
Bronze: Abdessamad Oukhelfen (Spanien) 24:34 Minuten
4. Tadesse Getahon (Israel) 14:50 Minuten
5. Yohanes Chiappinelli (Italien) 24:51 Minuten
6. Fabien Palcau (Frankreich) 24:52 Minuten
7. Jacopo de Marchi (Italien) 24:55 Minuten
8. Mahamed Mahamed (Großbritannien) 24:56 Minuten
9. Oussama Lonneux (Belgien) 24:57 Minuten
10. Mohamed-Amine El Bouajaji (Frankreich) 24:57 Minuten

14. Davor Aaron Bienenfeld (Deutschland) 25:02 Minuten
15. Markus Görger (Deutschland) 25:03 Minuten
16. Mohamed Mohumed (Deutschland) 25:04 Minuten
18. Hugo Hay (Frankreich) 25:15 Minuten
43. Niels Voigt (Deutschland) 25:57 Minuten
55. Jannik Seelhöfer (Deutschland) 26:19 Minuten
75. Tobias Rattinger (Österreich) 27:27 Minuten
79. Bjarne Kölle (Schweiz) 27:50 Minuten
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Frankreich 17 Punkte
Silber: Italien 29 Punkte
Bronze: Deutschland 45 Punkte
4. Großbritannien 49 Punkte
5. Spanien 50 Punkte
6. Belgien 54 Punkte
7. Irland 73 Punkte
8. Tschechische Republik 85 Punkte
9. Schweden 89 Punkte
10. Israel 90 Punkte
 
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2019, U23 der Frauen (6,225 km)

Gold: Anna Emilie Möller (Dänemark) 20:30 Minuten
Silber: Jasmijn Lau (Niederlande) 21:09 Minuten
Bronze: Stephanie Cotter (Irland) 21:15 Minuten
4. Jasmijn Bakker (Niederlande) 21:21 Minuten
5. Federica Zanne (Italien) 21:24 Minuten
6. Aneta Chlebikova (Tschechische Republik) 21:25 Minuten
7. Bronwen Owen (Großbritannien) 21:35 Minuten
8. Lisa Tertsch (Deutschland) 21:41 Minuten
9. Eilish Flanagan (Irland) 21:47 Minuten
10. Cristina Ruiz (Spanien) 21:51 Minuten

12. Lea Meyer (Deutschland) 21:53 Minuten
27. Sarah Kistner (Deutschland) 22:25 Minuten
36. Lena Millonig (Österreich) 22:44 Minuten
41. Leah Hanle (Deutschland) 22:58 Minuten
49. Katharina Pesendorfer (Österreich) 23:29 Minuten
DNS Miriam Dattke (Deutschland)
 

Teamwertung (drei Läuferinnen gewertet)

Gold: Niederlande 17 punkte
Silber: Irland 29 Punkte
Bronze: Großbritannien 40 Punkte
4. Deutschland 47 Punkte
5. Spanien 53 Punkte
6. Frankreich 76 Punkte
7. Türkei 83 Punkte
8. Italien 85 Punkte
9. Portugal 86 Punkte
10. Ukraine 110 Punkte
 
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2019, Mixed-Staffel (6,225 km)

Gold: Großbritannien 17:55 Minuten
Silber: Weißrussland 18:01 Minuten
Bronze: Frankreich 18:05 Minuten
4. Spanien 18:11 Minuten
5. Belgien 18:19 Minuten
6. Portugal 18:29 Minuten
7. Irland 18:40 Minuten
8. Schweden 18:45 Minuten
9. Litauen 18:47 Minuten
10. Italien 18:54 Minuten
11. Ukraine 19:14 Minuten
12. Lettland 19:20 Minuten
 
 
Crosslauf-Europameisterschaften 2019 in Lissabon
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