Valencia Marathon mit Weltklasse-Besetzung, aber ohne Wutti

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Eigentlich sollte Eva Wutti (SU Tri Styria) beim Valencia Marathon am kommenden Sonntag für den Abschluss eines außergewöhnlichen rot-weiß-roten Marathon-Jahres bilden, indem sie sich mit einer persönlichen Bestleistung näher an das Olympia-Limit von 2:29:30 Stunden und damit auch näher an einen Olympia-Startplatz heranpirscht. Von diesem Traum musste sich die Kärntnerin nun verabschiedet und verzichtet nach einem wenig wunschgemäß verlaufenen Lauf-Herbst auf ein Antreten in Valencia. Gegenüber RunAustria.at erzählt die 30-Jährige von diversen Unverträglichkeiten bei der Ernährung, die ihr in den vergangenen Monate Probleme bereitet haben und auch ein Mitgrund waren, dass sie sowohl bei den Staatsmeisterschaften im Halbmarathon am Wörthersee als auch beim Halbmarathon in Graz nicht die erwarteten Leistungen realisieren konnte. „Seit ich nun mit einer Ernährungsberaterin zusammenarbeite, geht es mir deutlich besser. Aber für einen Marathon bin ich leider noch nicht wieder fit genug“, so die aktuell schnellste Marathonläuferin Österreichs. Trotz des Verzichts auf den hochklassigen Golden Label Marathon südlich ihrer Wahlheimat Barcelona blickt Wutti optimistisch in die Zukunft und setzt nun alle Trümpfe auf eine bestmögliche Vorbereitung auf den Vienna City Marathon 2020. Am Sonntag verpasst sie in Valencia einen Marathon auf einer schnellen Strecke bei nicht ganz einfachen Bedingungen. Leichter bis mittelstarker Wind und wenig winterliche Temperaturen von rund 15°C zur Startzeit sind angesagt.
 

Eva Wutti beim Vienna City Marathon 2019. © VCM / Leo Hagen
 

Valencia als Berlin-Ersatz

Wie gewohnt bildet der Valencia Marathon den krönenden Abschluss des europäischen Marathon-Jahres. Dabei gelingt es dem verantwortlichen Organisator und AIMS-Präsident Paco Borao eine immer größere und beeindruckendere Auswahl an Top-Läuferinnen und -Läufer zum Valencia Marathon zu lotsen. Der Streckenrekord von Vorjahressiegerin Ashete Dido (2:21:14) bei den Frauen kann angesichts des diesjährigen Elitefeldes fast nicht überleben, denn nicht weniger als fünf Läuferinnen haben eine bessere Bestleistung. Star an der Startlinie ist Vivian Cheruiyot, die nach einer überstandenen Verletzung an einer Sehne, die einen Start beim Berlin Marathon verhinderte, offenbar wieder fit ist. Dennoch sollten Fragezeichen hinter ihrer physischen Vorbereitung stehen, denn in Presseberichten im Vorfeld des Berlin Marathon war davon zu lesen, dass die Olympiasiegerin im 5.000m-Lauf von Rio erst im Dezember damit rechnet, wieder voll trainieren zu können.
 

Starkes Trio aus Äthiopien

Ist Cheruiyot, die bereits in Frankfurt und London triumphieren konnte und in ihren letzten vier Marathonläufen immer in den Top-Zwei landete, nicht in Top-Form, könnte Roza Dereje in die Rolle der Favoritin schlüpfen. Die 22-Jährige gewann 2019 den Barcelona Halbmarathon in einer Zeit von 1:06:01 Stunden, erzielte beim London Marathon den dritten Platz und hält bei einer Marathon-Bestleistung von 2:19:17 Stunden als Siegerin des Dubai Marathon 2018. Die Äthiopierin stand zwar beim WM-Marathon in Doha am Start, gab jedoch noch während der ersten Rennhälfte auf, womit genügend Vorbereitungszeit für Valencia blieb. Weitere starke Äthiopierinnen im Rennen sind Birhane Dibaba, Siegerin des Tokio Marathon 2018 und mit einer deutlichen persönlichen Bestleistung von 1:05:57 Stunden des Kopenhagen Halbmarathon 2019, ihrem Vorbereitungsrennen auf Valencia, Zeineba Yimer, Workenesh Edesa, zu Jahresbeginn Dritte des Dubai Marathon, und Tadelech Bekele, die als Titelverteidigerin den Amsterdam Marathon verletzungsbedingt verpasst hat. Die 21-jährige Yimer, die zu den schnellsten äthiopischen Halbmarathon-Läuferinnen aller Zeiten gehört, feiert ihre Premiere im Marathon. Acht Läuferinnen haben eine Bestleistung von unter 2:22 Stunden, acht weitere eine von unter 2:26 Stunden. Dieses starke Feld soll den Valencia Marathon in den Top-Fünf der Marathon-Welt laut Siegerzeiten etablieren.
 

Vivian Cheruiyot beim Frankfurt Marathon 2017. © SIP / Johannes Langer
 

Marathon-Comeback von Jeptoo

Das hochklassige Elitefeld der Frauen komplettieren die ehemalige Siegerin des Paris Marathon, Purity Rionoripo und Prisca Jeptoo aus Kenia. Drei Jahre nach dem vierten Platz beim Amsterdam Marathon kehrt die 35-jährige Jeptoo damit auf die Marathon-Bühne zurück. Die Wettkampfsaisonen 2017 und 2018 verpasste sie aufgrund ihrer Mutterschaftspause.
Die schnelle Strecke des Valencia Marathon lockt auch viele europäische Läuferinnen an, die in Richtung Olympische Spiele 2020 blicken und das Limit von 2:29:30 Stunden, oder einen etwaigen Top-Fünf-Platz in Valencia, im Visier haben. Die deutsche Meisterin Anja Scherl plant ebenso einen Angriff auf das Limit wie das italienische 40+-Duo Catherine Berthone und Valeria Straneo. Scherl bestreitet ihren ersten Wettkampf seit über zwei Monaten und strebt ihre zweite Olympia-Teilnahme nach Rio an. Die 47-jährige Berthone lief im Oktober gleich zwei persönliche Bestleistungen im Halbmarathon, die 43-jährige Straneo gewann unlängst einen kleinen Halbmarathon in Italien in einer Zeit von 1:11:42 Stunden als Stimmungsmacher und möchte eine Minute früher im Ziel sein als im Vorjahr, als sie in einer Zeit von 2:30:26 Stunden Achte war.
Mit Jessica Augusto und Sara Moreira stehen zwei schnelle Portugiesinnen am Start, dazu kommen aus europäischer Sicht noch die ehemalige Europameisterin Anna Incerti, die Schwedin Hanna Lindholm und die beiden Britinnen Alyson Dixon und Lily Partridge.
 

Gebrsilase von zwei Landsleuten gefordert

Nachdem der Berlin Marathon mit einem frühzeitigen Ausstieg nicht nach Wunsch verlief, kehrt Vorjahressieger und Streckenrekordhalter Leul Gebrsilase zum Valencia Marathon zurück. Beim Streben nach einer erfolgreichen Titelverteidigung stellen sich ihm allerdings zwei Landsleute in den Weg, die im Gegensatz zu ihm bereits unter 2:04 Stunden gelaufen sind: Getaneh Molla, der zu Jahresbeginn den Dubai Marathon in einer eindrucksvollen Zeit von 2:03:34 Stunden gewann, und Herpasa Negasa, der völlig sensationell nur sechs Sekunden später ins Ziel kam und Zweiter wurde. Wie bei so vielen Leistungen, die in der Wüste von Dubai erzielt wurden, erfordern diese eine Bestätigung auf einer anderen Strecke. Das ist also die Vorgabe für Mollah und Negasa. Für Gebresilase, der genau das 2018 in Valencia geschafft hat, als er die Leistung von Dubai bestätigte, geht es um einen guten Abschluss einer bisher enttäuschenden Marathon-Saison mit Rang acht in London und dem Aus in Berlin. Die weiteren ostafrikanischen Teilnehmer im Elitefeld der Männer sind die Kenianer Emmanuel Saina, Norbert Kigen, Kenneth Kipkemoi, Gideon Kipketer und Felix Kiprotich sowie der äthiopische Routinier Tsegaye Kebede und der ehemalige Weltmeister Ghirmay Gebrselassie aus Eritrea. 15 Läufer mit Bestleistungen unter 2:08 Stunden treten beim Valencia Marathon insgesamt an.
 

Özbilen und Moen bilden Europas Elite

Besonders interessant ist der Valencia Marathon auch für die europäische Laufszene. Denn zwei der Top-Drei der ewigen Bestenliste des europäischen Marathonlaufs wollen in Valencia einen wichtigen Schritt in Richtung Olympische Spiele setzen. Kaan Kigen Özbilen stieg im Frühjahr beim Rotterdam Marathon mit einer persönlichen Bestleistung von 2:05:27 Stunden in den Kreis der Weltklasse auf und verzichtete auf Wettkämpfe im bisherigen Lauf-Herbst. Sondre Nordstad Moen, der 2017 in Fukuoka einen damaligen Europarekord von 2:05:48 Stunden erzielte, ist für den Olympischen Marathon in Sapporo 2020 zwar noch nicht qualifiziert, zeigte sich aber mit zwei Halbmarathons von 1:00:20 und 1:00:14 Stunden in diesem Herbst bereits in Top-Form. Letzteren lief er übrigens in Valencia, wohin der 28-jährige Norweger seit Jahren gerne zu Wettkämpfen reist.
 

Marathon-Premiere für Petros

Aus deutscher Sicht ist das Marathon-Debüt von Amanal Petros interessant. Der 24-Jährige, der die WM-Qualifikation im 5.000m-Lauf nur hauchdünn verpasst hat, dafür aber bei den Militär-Weltspielen im 10.000m-Lauf die Silbermedaille gewinnen konnte, bereitete sich im kenianischen Iten auf dieses neue Kapitel in seinem Sportlerleben vor. Im Halbmarathon steht Petros bei einer persönlichen Bestleistung von 1:02:32 Stunden, die er im Frühjahr in Berlin aufgestellt hat.
 

Joshua Cheptegei jubelt über WM-Gold in Doha. © Getty Images for IAAF / Andy Lyons
 

Weltrekord-Versuch über 10km

Parallel zur 38. Auflage des Valencia Marathon mit dem Rekord-Teilnehmerfeld von 25.000 angemeldeten Läufern wird in der spanischen Hafenstadt ein 10km-Lauf mit 7.000 Teilnehmern ausgetragen, bei dem Joshua Cheptegei eine Attacke auf den neun Jahre alten Weltrekord von Leonard Komon, der damals in Utrecht eine Zeit von 26:44 Minuten gelaufen ist, angekündigt hat. Für Cheptegei, dem mit seiner persönlichen Bestleistung von 27:16 Minuten eine gute halbe Minute auf Komons Wert fehlen, wäre ein Weltrekordlauf in Valencia Bestandteil eines grandiosen Triples in diesem Jahr. Im März gewann der Athlet aus dem NN Running Team bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften ebenso die Goldmedaille wie im Oktober bei der Leichtathletik-WM in Doha über 10.000m. Cheptegei ist Inhaber des Weltrekords im 15km-Lauf, aufgestellt 2018 in Nijmegen in einer Zeit von 41:05 Minuten.
 
 
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