Innerhofer-Zwillinge und Koblmüller bei Berglauf-WM

© Adobe Stock / Baars

Erstmals werden am Freitagnachmittag mitteleuropäischer Zeit die beiden Zwillinge Manuel und Hans Peter Innerhofer (LC Oberpinzgau) gemeinsam in der Allgemeinen Klasse bei Berglauf-Weltmeisterschaften am Start stehen. Der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) nominierte das Duo für das Männer-Rennen im Rahmen der 35. WMRA Berglauf-Weltmeisterschaften, die am kommenden Wochenende im argentinischen Villa la Angostura über die Bühne gehen. Bei der erst fünften Austragung der Berglauf-WM außerhalb des Gebiets der europäischen Leichtathletik und bei der ersten Austragung überhaupt auf dem südamerikanischen Kontinenten finden erstmals gleichzeitig mit den Berglauf-Weltmeisterschaften auch die Welttitelkämpfe über die Langdistanz statt. Der ÖLV hat für das Frauen-Rennen Sandra Koblmüller (Haderersports Team) nominiert, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit Katharina Zipser (SK Rückenwind) und Karin Freitag (LG Decker Itter) Teil jenes erfolgreichen Teams war, das die Goldmedaille in der Nationenwertung gewann. Koblmüller belegte 2018 den sechsten Rang, womit die Salzburgerin auch heuer wieder zu den Anwärterinnen einer Top-Ten-Platzierung zählt. Insgesamt nehmen 420 Läuferinnen und Läufer aus 38 Nationen an den zweitägigen Titelkämpfen teil. Außerdem findet ein Massenrennen über die Distanz von 15 Kilometern statt.
 

Das Programm der Berglauf-Weltmeisterschaften

Freitag, 15. November um 13:45 Uhr MEZ (9:45 Uhr Ortszeit) – Rennen der Junioren (6,63 km)
Freitag, 15. November um 14:15 Uhr MEZ (10:45 Uhr Ortszeit) – Rennen der Juniorinnen (6,63 km)
Freitag, 15. November um 15:45 Uhr MEZ (11:45 Uhr Ortszeit) – Rennen der Männer (14,85 km)
Freitag, 15. November um 16:15 Uhr MEZ (12:15 Uhr Ortszeit) – Rennen der Frauen (14,85 km)
Samstag, 16. November um 12:40 Uhr MEZ (8:40 Uhr Ortszeit) – Entscheidungen auf der Langdistanz, Männer & Frauen (41,5 km)

 

© Adobe Stock / Baars
Scharfrichter Cerro Bayo

Die Langdistanz ist die eigentliche Spezialität der Kleinstadt im zentralen Westen Argentiniens, einen Steinwurf von der Grenze zu Chile entfernt. Seit 2003 findet hier ein Bergmarathon statt, der Teil einer Bergmarathon-Serie in Südamerika ist. Über 1.000 Laufbegeisterte absolvieren jährlich die anspruchsvolle Marathon-Distanz. Die Strecke für die Berglauf-WM der Langdistanz ist mit einer Länge von 41,5 Kilometern nur knapp ein Marathon. Für entsprechende Herausforderungen sorgen die 2.184 zu absolvierenden Höhenmetern, Scharfrichter könnte der Gipfel des Cerro Bayo sein. Diese 1.780 Meter über dem Meeresspiegel liegende Punkt wird rund zehn Kilometer vor dem Ziel erreicht sein. Der Hausberg der Stadt ist im (südamerikanischen) Winter ein Skigebiet.
 

Italienische Serie

Erfreulich ist trotz der weiten Anreise die Beteiligung von 14 europäischen Verbänden am Langdistanz-Rennen der Männer (insgesamt 98 Starter), 15 bei den Frauen (insgesamt 80 Starter). Für Deutschland gehen Benedikt Hoffmann, Moritz auf der Heide und Florian Reichert an den Start, die Schweiz hat Stefan Lustenberger, Jonathan Schmid und Stephan Wenk nominiert. Zu den bekanntesten Startern zählen die Italiener Alessandro Rambaldini und Francesco Puppi, die die letzten drei Weltmeistertitel unter sich aufgeteilt haben sowie die US-Amerikaner Joseph Gray und Jim Walmsley. Auch die beiden kenianischen Starter Robert Surum und Dennis Kiyaka werden mit Ambitionen ins Rennen gehen und hoffen, die Serie von vier italienischen WM-Titeln beenden zu können.
 

Dahlmeier sorgt für ZDF-Beitrag

Bei den Frauen überstrahlt der Name Laura Dahlmeier die Aufmerksamkeit im deutschen Strachraum. Die 26-jährige, mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Biathlon, bestreitet die Berglauf-WM auf der Langdistanz als Vorbereitung auf die anstehende Wintersport-Saison. Ihrer Prominenz geschuldet ist ein TV-Beitrag für die ZDF-Sendung „Sportreportage“ am Sonntag mit Start um 17:10 Uhr. Die aus Garmisch-Partenkirchen stammende Dahlmeier hat „100%“ angekündigt, eine Leistungseinschätzung im Berglauf ist dennoch sehr schwierig – sie betritt Neuland und ist es nicht gewohnt, derartig große Distanzen zu laufen. Prominenteste Kontrahentinnen, auch für Sandra Koblmüller, sind die britische Titelverteidigerin Charlotte Morgan, die Italienerin Silvia Rampazzo, die 2017 vor heimischem Publikum Gold gewann, die Schweizerin Maude Mathys, die heuer den längsten Berglauf im Weltcup Sierre-Zinal gewinnen konnte und zuletzt dreimal in Folge Europameisterin im Berglauf war, sowie die Polin Dominika Stelmach. Ostafrikanische Athletinnen sind keine am Start. Neben Dahlmeier startet Stefanie Doll für den DLV, Swiss Athletics vertreten neben der letztjährigen WM-Silbermedaillengewinnerin Therese Leboeuf und Simone Troxler. Trotz der kurzfristigen, krankheitsbedingten Absage der ehemaligen Orientierungslauf-Weltmeisterin Judith Wyder dürfen die Schweizerinnen sehr optimistisch Richtung Nationenwertung blicken.
 

Innerhofer hofft auf Top-Ten

Die Innerhofer-Zwillinge stellen sich auf der 14,85 Kilometer langen Strecke, auf der 754 Höhenmetern im Anstieg und Gefälle zu absolvieren sind, 83 Konkurrenten. Die Strecke ist für Berglauf-Weltmeisterschaften recht lang. Manuel Innerhofer ist mit breiter Brust nach Südamerika gereist, schließlich erreichte er bei den Europameisterschaften im Juli in Zermatt mit Platz acht sein bestes EM-Resultat. Mit einer starken Leistung scheint auch in Argentinien ein Platz in den Top-Ten oder knapp abseits davon möglich. Die beiden Pinzgauer sind die einzigen Starter aus dem deutschen Sprachraum.
 

Dominanz aus Uganda

In den letzten Jahren dominierten die Ostafrikaner die Berglauf-Weltmeisterschaften. Seit 2013 gingen bei sechs Auflagen fünf Goldmedaillen und je vier Silber- und Bronzemedaillen nach Uganda. Titelverteidiger Robert Chemonges führt das Quartett mit neuen Gesichtern, darunter der 17-jährige Titus Kibet an. Spannenderweise hat Kenia noch nie eine Medaille bei Berglauf-Weltmeisterschaften gewonnen. Der letzte europäische Weltmeister war Marco de Gasperi 2007. Seither gab es sieben europäische Medaillengewinne. Die besten Europäer im Bewerb sind der amtierende Europameister Jacob Adkin aus Großbritannien, sein Landsmann und Weltcupsieger Andrew Douglas, das italienische Team rund um Xavier Chevrier, Cesare Maestri und Alex Baldaccini und der französische Routinier Julien Rancon. Der US-Amerikanerin Joseph Gray, letzter nicht-afrikanischer Weltmeister im Jahr 2016, ist auch über die am Freitag ausgetragene Normaldistanz gemeldet und zählt, sofern er startet, zum engsten Kreis der Medaillenkandidaten.
 

Murigi um dritten WM-Titel in Serie

Nur 72 Teilnehmerinnen fasst das Rennen der Frauen, in dem die Kenianerin Lucy Murigi als doppelte Titelverteidigerin die klare Favoritin ist. Zwei Jahre nach der letzten österreichischen Medaille durch Andrea Mayr (Silber) und drei Jahre nach ihrem letzten Titel ist Österreich genauso wenig wie Deutschland und die Schweiz im Frauen-Rennen vertreten. Neben den weiteren kenianischen Starterinnen und dem Aufgebot aus Uganda zählen die Britin Sarah Tunstall, WM-Bronzemedaillengewinnerin 2017, die Irin Sarah McCormack, die französische EM-Bronzemedaillengewinnerin Christel Dewalle, die Italienerin Elisa Sortini sowie die US-Trials-Siegerin Grayson Murphy zu den Anwärterinnen auf vorderer Plätze.
 

Junioren-Europameister auf der Weltbühne

Die Junioren-Rennen finden auf einer 6,63 Kilometer langen Strecke statt, die auf den ersten zwei Kilometern stark ansteigend und nach der Bewältigung des höchsten Punktes nur noch bergabführend oder flach ist. Zwei kleine Starterfelder haben gemeldet, darunter der amtierende Junioren-Europameister Joseph Dugdale aus Großbritannien, sein tschechisches Pendant Barbora Havlickova bei den Mädchen sowie das italienische Talent Angela Mattevi.
 

Der Garten Patagoniens

Der Austragungsort Villa La Angostura, was übersetzt so viel wie „enge Stadt“ heißt, ist ein bekanntest touristisches Ziel und wird als „Jardin de la Patagonia“ bezeichnet. Fotos auf der Veranstalterseite geben Einblick in die herrliche Naturlandschaft mit zahlreichen Seen als Relikte der letzten Eiszeit und schneebedeckten Berggipfeln. Auf der südlichen Hemisphäre liegend ist in Argentinien aktuell Spätfrühling, die Andengipfel strahlen nach einem schneereichen Winter in weiß. Während die Teilnehmer an den Langdistanz-Rennen am Samstag gute Laufbedingungen erwartet, droht allen, die am Freitag im Einsatz sind, eine Regenschlacht.
 
 
Berglauf-Weltmeisterschaften 2019 in Villa La Angostura
WMRA