Vorsicht vor einem Zuviel im Training

© Adobe Stock / Mikhail Dudarev

Im Mai 2019 lief der Engländer Jamie McDonald 843 Kilometer binnen einer Woche auf einem Laufband, um einen neuen Weltrekord für die größte Distanz aufzustellen, die jemals ein Läufer binnen einer Woche einem Laufband absolviert hat. Die Mission gelang. Dass diese gewaltige sportliche Beanspruchung des Körpers aber keine gute Idee war, sagte dieser ihm kurze Zeit später in aller Deutlichkeit. Nur drei Tage später landete McDonald im Krankenhaus. Laut Medienberichten hatte er zwei Ermüdungsbrüche in den Knöcheln erlitten, litt unter einer reduzierten Anzahl von roten Blutkörperchen im Blut kombiniert mit erhöht aktiven Enzyme in der Muskulatur und spürte die Nachwirkungen von extremem Schlafmangel. Er hatte seinem Körper zu viel zugemutet und ihn komplett aus der Balance geworfen. Der Hormonhaushalt geriet durcheinander, was zu einer extremen Erschöpfung führte. (vgl. Runner’sWorld.com, Juni 2019).
 

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Das richtige Maß ist entscheidend

Diese Geschichte skizziert ein extremes Beispiel für Überbeanspruchung des Körpers. Vielen Marathonläuferinnen und Marathonläufer passiert eine solche Überbeanspruchung in Form von Übertraining in der Vorbereitung. Die Ursache ist fast immer dieselbe: Eine zu intensive Erhöhung des Trainingsumfangs in einer zu kurzen Zeitspanne, gepaart mit einer nicht ausreichenden Regenerationsphase. Fehlende Balance im Leben, schlechter Schlaf, generelles Unwohlsein und ein angeschlagenes Immunsystem sind Symptome. Die ersten Folgen sind auch fast immer dieselben: Wehwehchen, leichte Verletzungen, muskuläre Probleme, die einen Monat oder etwas mehr vor einem Marathon nicht nur verunsichern, sondern in der Vorbereitung auch einen kräftigen Rückschlag bedeuten – sofern nicht schwere Verletzungen auftreten, die Marathon-Ziel gänzlich gefährden und eine lange Sportpause einfordern. Um die Gefahr des Übertrainings zu bändigen, empfiehlt sich a) die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Trainer oder einer erfahrenen Trainerin, der/die den Trainingsplan so gestaltet, dass eine Erhöhung des Trainings im Rahmen einer gesunden körperlichen Entwicklung stattfindet und b) kompetente sportmedizinische Begleitung. Denn das richtige Maß im Marathon-Training ist entscheidend.
 

Potenziell problematische Folgen

Ein großes Problem stellt Übertraining dar, wenn es über glimpfliche körperlichen Konsequenzen oder eine Schwächung des Immunsystems hinausgeht und schwere Verletzungen wie Ermüdungsbrüche verursacht, die eine monatelange Heilungsphase fordern. Oder wenn die Konsequenzen aus Übertraining ein Eingreifen in die übliche Hormonzirkulation (das kann bei Frauen zum Aussetzen des Menstruationszyklus’ führen) oder psychologische Auswirkungen nach sich ziehen. Zum Beispiel, wenn die Balance mit der Ernährung nicht mehr stimmt oder die zu harte Beanspruchung des Körpers negative Auswirkungen auf die Schlafqualität hat. So, wie es Jamie McDonald bei seinem übertriebenen Projekt passiert ist.