Von der Babypause ins WM-Finale

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Im Alter von nur 23 Jahren stand Faith Kipyegon eigentlich schon am Ziel ihrer sportlichen Träume. 2016 in Rio hatte sie unter den Olympischen Ringen das große Duell gegen die Äthiopierin Genzebe Dibaba für sich entschieden, 2017 ließ sie in eindrucksvoller Souveränität den WM-Titel in einem hart umkämpften 1.500m-Rennen die Goldmedaille folgen. Es kam der richtige Zeitpunkt für neue Ziele. 2018 erblickte ihre Tochter Alyn das Licht der Welt. Die Kenianerin, die seit Jahresbeginn nicht mehr vom holländischen Tempomacher-Spezialisten Bram Som trainiert wird, sondern von Kipchoge-Starcoach Patrick Sang, kehrte behutsam auf die internationale Laufbühne zurück und bestritt außerhalb der Kenya Trials, die sie selbstredend gewann, nur ein internationales Rennen. In Stanford, auch da siegte sie. Die Statistik spuckt aus: Seit der WM 2015, als sie hinter Dibaba Silber gewann, hat Kipyegon überhaupt nur drei 1.500m-Läufe nicht gewonnen. Zweimal beim Diamond-League-Meeting in Paris (jeweils 2.) und bei Weltklasse Zürich 2016 (7.).
 
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Faith Kipyegon bei den Olympischen Spielen 2016. © Getty Images
Wechsel ins Trainingscamp von Kipchoge

„Es war immer mein Plan, die Saison 2018 dafür zu nutzen, ein Kind zu bekommen. Alyn hat mein Leben völlig verändert. Ich liebe es Mutter zu sein und sie ist eine Extra-Motivation für mich“, sagt die 25-Jährige. 18 Monate lang hat sie sich überhaupt nicht bewegt. „Mein erstes Training war eine 20-minütige Session, in der ich zwei Minuten lief und eine Minute ging – immer abwechselnd“, erzählte sie in einem Interview mit der IAAF. Der Wechsel ins Trainingscamp von Kaptagat verkürzt Kipyegons Wege zum Training, ein Vorteil für die junge Familie. Denn im Gegensatz zu vielen anderen im Camp fährt sie jeden Abend zu ihrer Tochter zurück nach Eldoret. Die Kenianerin machte im Training sehr gute Fortschritte und ist wieder nahe an ihrer besten Verfassung dran. „Ich glaube an mich. Ich glaube immer, dass ich gewinnen“, richtete sie das Visier Richtung Gold ein. Dabei sollte Doha eigentlich nur als Durchgangsstation zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio bewertet werden – das erste große sportliche Ziel als Mutter.
 

Unauffällige Auftritte

In Doha ließ sich die Titelverteidigerin noch nicht in die Karten blicken. Sowohl im Vorlauf als auch im Halbfinale agierte sie unauffällig. Ihr Halbfinallauf war bemerkenswert langsam, keine übernahm die Verantwortung fürs Tempo. Und so erlaubte sich Sifan Hassan, fast 1.200 Meter an der letzten Stelle zu residieren, um das gesamte Feld einmal zu überholen und in einer Zeit von 4:14,69 Minuten als Erste die Ziellinie zu überqueren. Shelby Houlihan, Rababe Arafi, Faith Kipyegon und Ciara Mageean aus Irland folgten ihr, während die lange führende Britin Sarah McDonald als Sechste im Finale zuschauen muss.
 

Tempojagd im zweiten Halbfinallauf

Nach dem eher gemütlichen Auftakt im ersten Halbfinale sah das Starterfeld im zweiten die große Chance, zusätzlich zu den fünf Fix-Tickets die zwei Zusatz-Finalplätze über die Zeitregel auszuspielen. Gudaf Tsegay sorgte von Beginn an für hohes Tempo und setzte sich gemeinsam mit Winnie Nanyondo kurzzeitig ab. Die WM-Vierte im 800m-Finale wurde nach 700 Meter von der Verfolgergruppe eingeholt, Tsegay nach rund 950. Auf der Gegengerade der letzten Runde setzten sich acht Läuferinnen gemeinsam ab, zu acht ging es auf die Zielgerade. Jenny Simpson gewann das Rennen auf der Innenbahn von 4:00,99 Minuten vor der Kanadierin Gabriela Debues-Stafford, der Britin Laura Muir, die das Rennen gewissenhaft kontrollierte, Tsegay, Winniy Chebet, Nanyondo und Nikki Hiltz, die sich gestenreich über eine persönliche Bestleistung von 4:01,52 Minuten freute. Viel Pech hatte die junge Australierin Jessica Hull, die trotz einer persönlichen Bestleistung von 4:01,80 Minuten das Finale verpasste. Mit dieser Zeit hätte man in der Geschichte von Leichtathletik-Weltmeisterschaften jeden Halbfinallauf über 1.500m der Frauen mit deutlichem Vorsprung gewonnen – in Doha reichte sie lediglich zu Rang acht! Auch der Schwedin Yolanda Ngarambe half eine persönliche Bestleistung von 4:03,43 Minuten nicht.
 
 
WM-Zeitplan
Leichtathletik-Weltverband
Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha