Kenias Team nach 1.500m-Vorläufe dezimiert

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Eine hohe sportliche Qualität in den Vorläufen über 1.500m hat einige prominente Opfer oder „Beinahe-Opfer“ gebracht. Aus kenianischer Sicht überstrahlte der souveräne Lauf des Top-Favoriten Timothy Cheruiyot, Vize-Weltmeister von London und seit zwei Jahren Dominator der Szene, alles. Der 23-Jährige gewann den zweiten Vorlauf kontrolliert in einer Zeit von 3:36,82 Minuten. In Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers Elijah Manangoi, der nach einem verstauchten Knöchel nicht rechtzeitig für Doha fit wurde, mussten Cheruiyots Landsleute bereits in den Vorläufen bluten. Der amtierende Jugend- und Junioren-Weltmeister George Manangoi, jüngerer Bruder von Elijah, flog anscheinend geschwächt von Knieproblemen ebenfalls raus wie Manangois Vorgänger als Junioren-Weltmeister, Kumari Taki. Der 18-Jährige Manangoi sagte vor der Abreise in den Katar gegenüber kenianischen Medien noch, die Tränen der Enttäuschung seines Bruders würden ihn zusätzlich motivieren. Nun hatte der mit vielen Vorschlusslorbeeren versehene Youngster nach seiner WM-Premiere in der Allgemeinen Klasse nichts zu lachen. Damit sind nur noch Cheruiyot und Ronald Kwemoi für Kenia im Rennen. Das ehemalige Wunderkind und immer noch Inhaber des Junioren-Weltrekords rettete sich im schnellsten und dritten Lauf als Siebter über die Zeitregel, nachdem er im Endspurt nicht die beste Figur machte.
 
Redaktionelle Mitarbeit aus Doha: René van Zee
 
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Pech und Glück für Ramsden

Einen verbrauchten Abend in Doha erwischte auch das australische Team. Erst enttäuschte der chancenlose Ryan Gregson im bemerkenswert stark besetzten und daher sehr hart umkämpften ersten Vorlauf als Elfter. Dann kam Matthew Ramsden in der Startphase des zweiten Vorlaufs zu Sturz und lag sofort deutlich zurück. Weil Cheruiyot vorne relativ früh in die Tempogestaltung einstieg, hatte der 22-Jährige keine Chance mehr, die Lücke zu schließen und absolvierte das Rennen als bedauernswerter Solist. Allerdings kam im Fortuna zu Hilfe: Das Wettkampfgericht nahm ihn ins Halbfinalfeld auf. Und der am höchsten eingeschätzte Stewart McSweyn engagierte sich zwar im letzten Vorlauf in der Tempoarbeit und hielt den Rhythmus hoch. Doch auf der Zielgerade wurde er von der Konkurrenz in einer beängstigenden Art und Weise bis auf Position neun durchgereicht. Dank seiner vorherigen Initiative reichte die Zeit von 3:36,88 Minuten aber locker über die Zeitregel für eine Halbfinal-Qualifikation. Wie hoch die Qualität in den Vorläufen war, zeigt die Tatsache, dass eine Zeit von 3:37,95 Minuten nicht für einen Halbfinaleinzug reichte. Diese Marke erzielte übrigens der WM-Vierte von London, Adel Mechaal aus Spanien, der damit aus dem Geschäft ist.
 

Dieses Mal Filip auffällig

Im Vorlauf über 5.000m wurde Jakob Ingebrigtsen während eines Linienübertritts vorläufig disqualifiziert und später rehabilitiert. Über 1.500m absolvierte er einen kontrollierten und unauffälligen ersten Vorlauf, den er in einer Zeit von 3:37,67 Minuten sogar gewann. Hinter ihm überquerten binnen 0,15 Sekunden nicht weniger als sechs (!) weitere Läufer die Ziellinie. Samuel Tefera war der letzte, der Hallen-Weltmeister hatte Glück, dass seine Leistung mit einem schlechten Endspurt dank der Zeitregel für den Halbfinaleinzug reichte. Besser lösten es Olympiasieger Matt Centrowitz als Dritter, Hallen-Europameister Marcin Lewandowski als Fünfter und der Deutsch-Amerikaner Amos Bartelsmeyer, der sein Halbfinal-Tickel in einer Zeit von 3:37,80 Minuten als Sechster löste. Sein Landsmann Marius Probst verpasste die WM 2019 aufgrund einer Verletzung.
Auffällig war die Leistung von Filip Ingebrigtsen. Einer netten, aber bestimmten Schulterrempelei am Eingang der letzten Runde mit dem Äthiopier Teddese Lemi folgte eine unglückliche Situation. Der 20-Jährige wollte sich von der Innenbahn in der Kurve lösen, um aus dem Windschatten Timothy Cheruiyots zu treten. Was er nicht bemerkte: Ingebrigtsen plante hinter ihm das konträre und wollte sich hinter Lemi auf die Innenbahn fallen lassen. Die beiden kreuzten, der linke Fuß Lemis traf beim Ausschlag das Schienbein des Norwegers. Der Äthiopier ging zu Boden, Ingebrigtsen sprang mit einem langgezogenen Schritt über ihn drüber und qualifizierte sich im Gegensatz zu seinem Unfallgegner als Vierter des zweiten Vorlaufs für das Halbfinale. Lemi wurde nach dem Rennen vom Wettkampfgericht ins Halbfinale aufgenommen, Sanktionen gab es keine.
 

USA und Großbritannien mit drei Halbfinalisten

Tadellos lösten die Trios aus Großbritannien und den USA die Aufgaben: Josh Kerr war Zweiter, Neil Gourley und Jake Wightman waren Vierte ihrer Vorläufe. Ben Blankenship und Matt Centrowitz belegten jeweils die dritte Position, Craig Engels die Fünfte. Im Halbfinale dabei sind natürlich auch die afrikanischen Größen Ayanleh Souleiman aus Dschibuti, der in einer Zeit von 3:36,16 Minuten die schnellste Vorlaufzeit erzielte, Taoufik Makhloufi, der 0,02 Sekunden langsamer war als der ehemalige Hallen-Weltmeister, und der Marokkaner Abdelaati Iguider. Relativ unclever lief einer der Aufsteiger der Saison, Ronald Musagala aus Uganda, der sich zum anvisierten Rang sechs im dritten Vorlauf rettete. Schnellster Europäer war übrigens der Schwede Kalle Berglund, der ein offensives Rennen absolvierte.
 
 
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