Road to Vienna: „Ich bin noch kein Sub-2-Läufer“

© Thomas Lovelock / London Marathon Events

Stellvertretend für die gesamte, globale Leichtathletik-Familie ist auch Sebastian Coe aufgeregt, Eliud Kipchoge in gut zwei Wochen in Wien beim Versuch die Zwei-Stunden-Schallmauer zu durchbrechen, laufen zu sehen. „Das ist einfach ein gigantischer Meilenstein, den er setzen möchte.“ Dass aktuell zwei Bestzeiten geführt werden, der anerkannte Weltrekord von Berlin 2018 (2:01:39) und die Marathon-Leistung von Monza 2017 (2:00:25), stört den Briten nicht wirklich. Auch der erste sub-2-Marathon, sofern er in Wien gelaufen wird, wird vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) nicht als offizieller Weltrekord anerkannt, da er außerhalb des regulativen Rahmens der IAAF gelaufen werden wird. „Ich denke, das ist kein Problem. Kein Mensch wird nachher sagen, die Kipchoge-Leistung von Wien wird sanktioniert, weil es kein Weltrekord ist. Die Fans verstehen das und bewerten das richtig“, sagte Coe in einem Interview mit der britischen Nachrichtenagentur REUTERS. Auch, dass Kipchoge mit dem ersten Marathon unter zwei Stunden seinen eigenen Marathon-Weltrekord überstrahlen könnte, fürchtet Coe nicht. „Unser Sport ist groß genug für beides“, sagte der 62-Jährige. Der Marathon-Star selbst hat ohnehin größere Ziele: „Für mich geht es nicht um einen statistischen Eintrag, es geht um Geschichte. Ich will zeigen, dass kein Mensch Limits hat. Ich will keinen ratifizierten Weltrekord brechen, das habe ich schon. Aber ich bin noch kein Sub-2-Läufer.“
 

© Thomas Lovelock / London Marathon Events
Fokus auf mentale Vorbereitung

Unterdessen bestreitet Eliud Kipchoge in Kaptagat sein finales, physisches Vorbereitungsprogramm auf das, was er mit der Mondlandung vergleicht. Dafür absolviert er zwischen 200 und 220 Kilometer pro Woche. „Mein Training ist simple. Ich vertraue meinem Team, meinem Trainier und meinem Training zu 100%. Und das stärkt automatisch meinen Kopf“, schilderte er in einer Telefonkonferenz mit ausgewählten Journalisten. Einen Unterschied macht nur die Zielsetzung: „Ich trainiere im physischen Bereich wie immer. Aber im Mentaltraining ist die Vorbereitung dieses Mal anders. Schließlich will ich schneller laufen als sonst.“ Kipchoge bezeichnet seine kenianische Heimat als besten Ort für hochqualitatives Lauftraining.
Wie immer in seinem Leben spielt Disziplin die allergrößte Rolle. Er ordnet in seinem Alltag alles seinem Training unter und denkt fokussiert stets an die bestmögliche körperliche Vorbereitung. „Seine Einstellung zur Sache und seine fast militärische Disziplin machen ihn einzigartig. Er wacht jeden morgen auf und weiß genau, was er will und wie er es erreicht“, sagt Peter Nduhui, seit vielen Jahren Kipchoges Physiotherapeut und Freund. Er hebt besonders seine Fähigkeit, Schmerzen zu verdrängen, hervor. „Viele Leute glauben, es ist unmöglich, unter zwei Stunden zu laufen. Ich respektiere ihre Ansichten, dafür sollen sie meine respektieren. Mein Team und ich glauben nämlich, dass es möglich ist. Wir werden ihnen beweisen, dass sie falsch liegen“, so Kipchoge.
 

„Ich weiß, dass es passiert“

Für den 12. Oktober oder einen der nachfolgenden Tage ist der 34-Jährige optimistisch: „Ich glaube nicht an Grenzen. Mein Ziel in Wien ist es, die Barriere von zwei Stunden zu durchbrechen. Ich weiß, dass es passieren wird!“ Der Kenianer wünscht sich Lufttemperaturen rund um 11 oder 12° C., gute Wetterverhältnisse, vertraut dem Schuh, der ihn zum Sieg beim London Marathon geführt hat und hofft auf viele Zuschauer im Prater. „Die Fans haben einen großen Einfluss. Sie puschen mich. Vor vielen Zuschauern zu laufen ist ein größeres Vergnügen für mich“, erklärt er einen der großen und vielleicht entscheidenden Unterschiede zum Versuch von Monza 2017.
 
 
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