René auf Reisen online: Das rot-weiß-rote WM-Team

Die österreichischen WM-Starter: v.l. Ivona Dadic, Beate Schrott, Lukas Weißhaidinger, Verena Preiner und Victoria Hudson. Marathon-Rekordhalter Lemawork Ketema ist noch im Höhentraining. © SIP / René van Zee

Vier Tage vor dem Startschuss für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha präsentierte sich das österreichische WM-Nationalteam bei einem Pressetermin in der Südstadt, ehe die österreichische Delegation und einige Medienvertreter in den nächsten Tagen ihre Anreise in den Katar antreten. Vor dem Saison-Höhepunkt herrscht im rot-weiß-roten Aufgebot gute Stimmung, schließlich ist das Nationalteam so stark wie lange nicht. „Ich freue mich sehr, dass Österreich diese Bühne mit sechs Athleten betreten kann. Wir sind schließlich die Weltsportart schlechthin und treten in Doha gegen 209 andere Nationen an“, betont ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler die Dimension der Olympischen Kernsport, die auch ein Qualitätssiegel für das Niveau bei globalen Meisterschaften ist. Die klare Zielsetzung: „Wir wollen um eine Medaille mitkämpfen.“
 
Meine Prognose: Lukas Weißhaidinger, Ivona Dadic und Verena Preiner liegen in den Jahreswertungen in ihren Disziplinen allesamt in den Top-Acht und starten mit berechtigten Medaillen-Ambitionen in die Wettkämpfe. Ich tippe auf einmal Edelmetall und weitere gute Platzierungen für den ÖLV.
 
Auf zwei wichtige Themen abseits der sportlichen Wettkämpfe ging Gregor Högler eingangs der Pressekonferenz ein. Erstens, die Kühlung: Aufgrund der zu erwartenden, hohen Temperaturen in Doha wird das ÖLV-Team mit Kühlwesten des österreichischen Unternehmens emcools ausgerüstet (siehe Foto weiter unten mit Weißhaidinger). Die WM in Doha bietet für die Kühlwesten auch einen wichtigen Test für die Olympischen Spiele 2020, bei denen ebenfalls Sommerhitze erwartet wird. Im Unterschied zu Doha wird das Stadion in Tokio nicht klimatisiert sein. Die Herausforderung bei der WM bietet die Differenz der hohen Lufttemperatur außerhalb des Stadions und der künstlich gekühlten Temperatur im Stadioninneren. Zweitens: die neuen verbandsinternen Prämien in Zusammenarbeit mit ÖLV-Sponsor Helvetia. Für Medaillengewinne bei der WM gibt es Prämien in Höhe von 75.000 / 50.000 / 25.000 Euro zusätzlich zur IAAF-Prämie in der Höhe von 60.000 / 30.000 / 20.000 US-Dollar. Noch lukrativer wird für die österreichischen Leichtathleten ein Olympischer Medaillengewinn in Tokio. Dann lobt Helvetia Prämien in Höhe von 205.000 / 100.000 / 50.000 Euro aus. Högler betont, dass diese Prämien als Belohnung für die alltägliche Hingabe und die leidenschaftliche Trainingsarbeit definiert sind.
 

Die österreichischen WM-Starter: v.l. Ivona Dadic, Beate Schrott, Lukas Weißhaidinger, Verena Preiner und Victoria Hudson. Marathon-Rekordhalter Lemawork Ketema ist noch im Höhentraining. © SIP / René van Zee
 

Das ÖLV-Nationalteam für Doha

Österreich ist in Doha mit sechs Athleten vertreten. Marathonläufer Lemawork Ketema, Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger sowie die beiden Siebenkämpferinnen Ivona Dadic und Verena Preiner hatten die Limits schon vor einiger Zeit geschafft. Beate Schrott (Hürdensprint) und Victoria Hudson (Speerwurf) wurden in der letzten Einladungswelle der IAAF benachrichtigt, dass sie in Doha startberechtigt sind – nachdem einen Tag zuvor irrtümlich eine Absage gekommen war. Die späten Einladungen zum Auffüllen der Startplätze bringen eine große Herausforderung für die Sportlerinnen mit sich, da sie lange Zeit nicht wussten, ob ihre Saison schon beendet ist oder noch nicht. Die Marathonläufer Valentin Pfeil (LAC Amateure Steyr), Peter Herzog (Union Salzburg LA), Eva Wutti (SU Tri Styria) sowie Siebenkämpferin Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union) verzichten trotz erbrachter Limits auf einen WM-Start. Die Marathonläufer wollen in Berlin und Valencia die Olympia-Limits angreifen, Lagger hatte sich bereits früh festgelegt, dass die U23-EM im Juli ihr Saison-Höhepunkt war.
 

Die neuen Kühlwesten für das Leichtathletik-Nationalteam. © SIP / René van Zee
Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA) – Qualifikation: Samstag, 28. September (Finale: Montag, 30. September)
Der EM-Bronzemedaillengewinner von Berlin blickt auf eine bärenstarke Saison voller guter und sehr guter Wettkämpfe zurück und reist zurecht mit sehr viel Selbstvertrauen nach Doha. In der Qualifikation will er kein Risiko eingehen, um die oft tückische Hürde zu schaffen. Im Finale sollen mit Risiko die Top-Weiten attackiert werden.
 
Meine Prognose: Lukas Weißhaidinger ist ein heißer Medaillenkandidat. Daraus machen auch sein Trainer Gregor Högler und er selbst kein Geheimnis.
 
 
Victoria Hudson (SVS Leichtathletik) – Qualifikation: Montag, 30. September (Finale: Dienstag, 1. Oktober)
Mit 23 Jahren ist Victoria Hudson eine junge Athletin, die auf ihren bisherigen Karriere-Höhepunkt zusteuert und von einer Olympia-Teilnahme träumt. Sie wurde von der kurzfristigen IAAF-Teilnahme völlig überrascht und musste erst ihren gebuchten Urlaub stornieren.
 
Meine Prognose: Victoria Hudson hat ihre Saisonbestleistung extrem früh in der Saison geworfen. Diese Tatsache und die Unsicherheit der Einladung machen es schwierig, in Doha ihre Top-Leistung abzurufen. Die WM-Teilnahme ist eine schöne Erfahrung für sie.
 
 
Verena Preiner (Union Ebensee) und Ivona Dadic (Union St. Pölten): Siebenkampf, 2. und 3. Oktober
Erstmals finden bei einer WM die Mehrkämpfe der Männer und Frauen parallel statt – das wird eine spannende Erfahrung. Für Spannung ist aus rot-weiß-roter Sicht auf jeden Fall gesorgt, denn Verena Preiner und Ivona Dadic gehören zu einer Gruppe, die hinter den beiden designierten Top-Favoritinnen Thiam und Johnson-Thompson um die Bronzemedaille kämpfen. Preiner blickt auf eine außergewöhnlich starke Saison zurück – bereits jetzt die mit Abstand beste ihrer Karriere. Sie gewann ihre beide Siebenkämpfe, darunter jenen in Ratingen mit dem österreichischen Rekord von 6.591 Punkten. Nach dem mehrwöchigen Trainingslager in Belek mit ihrem Coach Wolfgang Adler fühlt sie sich in besserer Form als damals. Sie freut sich, dass mit Ivona Dadic eine Landsfrau am Start ist – die Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung erleichtert einiges, auch wenn die beiden im Alltag individuell trainieren. Dadic hielt sich mit Wettkampf-Auftritten zurück, zeigt sich aber sehr zufrieden mit der Betreuung und der Vorbereitung. Ihr Trainier Philipp Unfried bekräftigte, dass seine Athletin in Top-Form ist.
 
Meine Prognose: Ein enger Siebenkampf ist zu erwarten. Gelingt Preiner und/oder Dadic ein Wettkampf an ihrem Leistungsmaximum, ist Edelmetall nicht ausgeschlossen.
 
 
Beate Schrott (Union St. Pölten): Vorlauf, 5. Oktober (Halbfinale und Finale, 6. Oktober)
Auch Beate Schrott erfuhr erst vor wenigen Tagen, dass ihre Saison noch einen Höhepunkt findet. Sie unterbrach ihre Trainingspause, in der sie einer aktiven Freizeitgestaltung nachging, und bereitet sich ad hoc auf Doha vor.
 
Meine Prognose: Bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2015 schaffte es Beate Schrott jeweils in Halbfinale. Gelingt ihr das auch in Doha, wäre das ein sehr gutes Abschneiden. Nachdem sie wie Hudson ihre Saison eigentlich bereits beendet hat, auch mental, wird es nicht leicht, die volle Motivation aufzubringen. Hinblicklich der Weltranglistenpunkte für Tokio 2020 ist der WM-Auftritt für die 31-Jährige ein sehr wichtiger.
 
 
Lemawork Ketema (SVS Leichtathletik): Marathon der Männer, 5. Oktober
Als einziger der österreichischen WM-Starter war Lemawork Ketema nicht anwesend und wurde von seinem Trainer Harald Fritz vertreten. Dieser berichtete, dass ein Schützling nach den groben Beschwerden am Ischiasnerv Ende Juli relativ schnell zurück auf sein Trainingsniveau gekommen ist und aktuell ein vierwöchiges Trainingslager in Äthiopien absolviert. Dort bereitet er sich gemeinsam mit seinem Freund Mosinet Geremew vor, der als zweitschnellster Marathonläufer aller Zeiten Top-Favorit auf WM-Gold ist. Der österreichische Marathon-Rekordhalter wird am 2. Oktober direkt aus Äthiopien nach Doha anreisen und will im WM-Marathon eine aktive Rolle einnehmen – ähnlich wie bei seiner starken EM-Leistung von Berlin.
 
Meine Prognose: Harald Fritz bekräftigte, dass Lemawork Ketema mit hoher Lufttemperatur relativ gut zurecht kommt. Das könnte ein Vorteil sein. Das gemeinsame Ziel, ein Platz in den Top-20, wäre aus meiner Sicht eine fantastische Leistung. Das hat es in der Geschichte des österreichischen Marathonlaufs noch nie gegeben.
 
 
Österreichischer Leichtathletik-Verband
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Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha