Große Meisterschaften als Hürde zum Traum

2020 finden die Olympischen Spiele in jenem Land statt, indem quantitativ die meisten Marathonläuferinnen und Marathonläufer leben. Über eine halbe Million Japaner absolvieren die 42,195 Kilometer lange Distanz jährlich. Kein Wunder, dass sich die fernöstliche Läufer-Nation besonders auf die Marathonläufe im Rahmen des größten Sportereignisses der Welt freuen. Zehn Monate trennen sie noch von diesem feierlichen Marathon-Heimspiel.
 

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Emotionaler Höhepunkt der Marathon-Saison?

Um der Größe der sportlichen Bedeutung gerecht zu werden, hat der Japanische Leichtathletik-Verband (JAAF) nichts unversucht gelassen, schlagkräftige Teams ins Rennen zu schicken. Massive Förderungen und Prämien für Top-Leistungen versüßten den Athletinnen und Athleten die passionierte, aber harte alltägliche Arbeit. Zu Hause sollen nur die Besten Japaner nach den Olympischen Träumen greifen und daher entschied sich der JAAF, erstmals in seiner Geschichte Trials durchzuführen. Verpackt in einem riesigen und mit Spannung erwarteten Event, dem Marathon Grand Championship fallen am kommenden Sonntag die Würfel. Die Top-3 kommen zu Olympischen Ehren und haben einen Vorteil gegenüber der internationalen Konkurrenz. Das Qualifikationsrennen wird nämlich in weiten Teilen auf dem Olympischen Kurs in Tokio gelaufen und die Bedingungen werden nicht hochsommerlich, aber sommerlich sein. Der Rest wechselt in die Zuschauerrolle.
Dabei war alleine die Qualifikation für die Qualifikation mit Voraussetzungen, die nur in drei Ländern weltweit ein Starterfeld, das den Namen „Feld“ verdient, kreieren würde – nämlich Kenia, Äthiopien und Japan – eine beinharte Arbeit, die viele an die Leistungsgrenze zwang. Eine Zeit unter 2:08:30 Stunden bei den Herren oder eine Durchschnittszeit von 2:11 Stunden bei zwei Marathons war bei den Männern notwendig, eine Zeit von unter 2:24 oder eine Durchschnittszeit von unter 2:28 Stunden bei zwei Marathons war bei den Frauen notwendig. Im Vergleich: In den USA wäre unter diesen Voraussetzungen einzig Galen Rupp für die Trials qualifiziert.
Dafür sind die großen Meisterschaften nun wirklich elitäre Veranstaltungen und könnten auch dank der übergeordneten Bedeutung – Olympische Marathons vor dem heimischen, laufbegeisterten Publikum sind selbst in langen Sportlerkarrieren ein rares Gut – der emotionale und dramatische Marathon-Höhepunkt im Herbst 2019 werden. Ein zugegeben künstlich kreierter Spannungsbogen. Die Ausgangsposition ist simpel und klar. Die Top-3 haben Anrecht auf einen Olympischen Startplatz, mit einer geschickten Ausnahme. Sollte ein Läufer während der japanischen Marathon-Saison im Winter den japanischen Rekord unterbieten (2:05:50) oder eine Läuferin unter 2:22:23 Stunden bleiben, erhält der- oder diejenige einen automatischen Startplatz.
 

Hohe Qualität in Starterfeldern

34 Männer und 15 Frauen haben die Voraussetzungen erfüllt, um um die Olympia-Startplätze zu kämpfen – 31 und zwölf werden am Sonntag am Start sein. Das Frauen-Feld ist nicht nur zahlenmäßig deutlich übersichtlicher. Die schnellste im Qualifikationszeitraum war Mizuki Matsuda, die beim Berlin Marathon 2018 eine Zeit von 2:22:23 Stunden erzielte. Mit Hanami Sekine, die allerdings möglicherweise aufgrund einer Stressfraktur kurzfristig ausfällt, Honami Maeda und Reia Iwade haben drei weitere Läuferinnen die Marke von 2:24 Stunden unterboten. Über die Konstanz über zwei Marathons qualifizierten sich unter anderem Routinier Kayoko Fukushi, Mao Ichiyama, die ehemals als Supertalent angekündigte Yuka Ando und die ehemalige Bahnläuferin Ayuko Suzuki, die in ihren erst zweiten Marathon geht.
Das Qualifikationsrennen der Männer gleicht der Besetzung nach einem World Marathon Major. 18 Bewerber haben im Qualifikationszeitraum eine Zeit von unter 2:10 Stunden angeboten, als letzter schaffte Tomohiro Tanigawa mit einer Qualifikationszeit von 2:12:02 Stunden den Sprung ins Feld. Zum Vergleich: In der Geschichte des österreichischen Marathonlaufs sind nur zwei Läufer jemals schneller gewesen, Lemawork Ketema und Günther Weidlinger.
 

Osako und Shitara in der Favoritenrolle

Angeführt wird das Feld von Suguru Osako, der beim Nike Oregon Project in den USA trainiert und beim Chicago Marathon den japanischen Rekord auf eine Zeit von 2:05:50 Stunden drückte. Der zweite große Favorit ist sein Vorgänger Yuta Shitara (2:06:11, Tokio Marathon 2018). Der 27-Jährige hat interessanterweise im Juli an der Gold Coast einen als Trainingslauf bezeichneten Golden Laben Marathon in einer Zeit von 2:07:50 Stunden gewonnen. Unmittelbar nach dem Rennen sagte er voller Selbstbewusstsein: „Selbst wenn wir die Trials jetzt laufen würden, würde ich gewinnen.“ Weitere große Namen im Feld sind Hiroto Inoue, Sieger des Asien Games 2018, und Yuma Hattori, überraschender Gewinner des Fukuoka Marathon 2018. Trotz dieser Klasse hat nur ein einziger Läufer im Feld, Kentaro Nakamoto, bereits Olympische Erfahrung im Marathon gesammelt. Er war Sechster in London 2012 und kann auch auf drei Top-Ten-Plätze bei Weltmeisterschaften verweisen. Der 36-Jährige ist dennoch krasser Außenseiter.
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Kawauchi bevorzugt WM-Start

Der große Abwesende am Wochenende ist Yuki Kawauchi. Ausgerechnet der erste japanische Sieger eines World Marathon Majors (Boston 2018) bevorzugte dem Antreten beim Marathon Grand Championship einen Start bei den Weltmeisterschaften von Doha in drei Wochen. Wohl auch, weil die Chancen des ehemaligen Amateurs auf einen Top-Drei-Platz schwindend gering wären – da scheint eine Sensationsmedaille in den Nachtstunden von Doha für den psychisch starken Läufer tasächlich minimal realistischer.
 

Kein Limit nötig

Übrigens: Die Limit-Frage stellt sich wie bei den US-Trials nicht. Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hat den Marathon Grand Championship in den Olympia-Qualifikationskriterien wie einen Golden Label Marathon eingestuft – die ersten Fünf haben also unabhängig des Olympia-Limits einen Fixplatz im Olympischen Starterfeld.
 
 
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