Äthiopien nominiert WM-Team für Doha

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Der Äthiopische Leichtathletik-Verband (EAF) hat sein 37-köpfiges Athleten-Team für die Weltmeisterschaften von Doha (27. September bis 6. Oktober) bekannt gegeben. Mit Ausnahme einer Geherin besteht das Nationalteam ausschließlich aus Läuferinnen und Läufer. Die mit Spannung erwartete Nominierung beendet in einigen Disziplinen unklare, aber für den Kampf um die Medaillen bedeutsame Fragen. Auffallend ist, dass es nur sehr wenige Doppelstarts äthiopischer Läuferinnen und Läufer geben wird. Auch die weiblichen Superstars Almaz Ayana (10.000m) und Genzebe Dibaba (1.500m) konzentrieren sich auf ein Rennen. Yomif Kejelcha wird nur im 10.000m-Lauf an den Start gehen. Durch diverse Konstellationen hat der Verband in einigen Disziplinen Reserveläufer nominiert, weshalb das Team de facto etwas kleiner sein wird. Besondere Aufmerksamkeit verdienen sich auch die Marathon-Teams.
 

Almaz Ayana auf dem Weg zum WM-Titel von London. © Getty Images for IAAF / Andy Lyons
Dibaba Medaillenhoffnung auf den Mittelstrecken

Der große Star auf den Mittelstrecken ist Genzebe Dibaba, die im 1.500m-Lauf als Weltjahresschnellste nach Doha reist, zuletzt aber beim Diamond-League-Finale in Zürich als Vierte eine empfindliche Niederlage einstecken musste. Die 28-jährige Weltmeisterin von 2015 geht dennoch als Medaillenkandidatin in die Entscheidung. Aufgrund der terminlichen Kollision mit dem 5.000m-Lauf müssen sich mehrere Top-Läuferinnen noch entschieden, über welche der beiden Distanzen sie an den Start gehen werden. Dadurch ist die Konkurrenz-Situation noch unklar.
Die zweitstärkste äthiopische 1.500m-Läuferin ist Gudaf Tsegay, Nummer vier der Weltjahresbestenliste, die aber zuletzt mit einer sinkenden Formkurve zu kämpfen hatte. Die 22-Jährige wird in Doha einen Doppelstart wagen und auch über 800m an den Start gehen. Dort ist Junioren-Weltmeisterin Diribe Welteji die zweite äthiopische Starterin, die schnellste Äthiopierin des Jahres, Habitam Alemu fehlt verletzungsbedingt. Das Trio im 1.500m-Lauf komplettiert Axumawit Embaye, die in Rabat unter vier Minuten gelaufen ist. Lemlem Hailu ist die Ersatzläuferin. Den 800m-Lauf der Männer hat der äthiopische Verband gar nicht besetzt. In der Tat hat kein Äthiopier das Limit von 1:45,80 Minuten geknackt. Im 1.500m-Lauf sind Hallen-Weltmeister Samuel Tefera und Teddese Lemi die beiden WM-Teilnehmer aus der ostafrikanischen Läuferhochburg. Altstar Aman Wote hat das Limit in diesem Jahr nicht geschafft.
 

Neue Stärke im 3.000m-Hindernislauf

Noch nie – wirklich noch nie – hat Äthiopien eine WM-Medaille im 3.000m-Hindernislauf der Männer geholt. In diesem Jahr ist es angesichts der bisherigen Resultate schwer vorstellbar, in Doha ein Siegerfoto ohne äthiopische Beteiligung zu produzieren. Getnet Wale und Chala Beyo haben sich in diesem Jahr in die vorderste Front der Weltklasse geschoben, Wale hat als Gesamtsieger der Diamond League einen vierten Startplatz für Äthiopien erarbeitet. Das heißt, dass neben dem erst 18 Jahre alten Sieger der Trials, Lemecha Girma, zuletzt Dritter bei den Afrikaspielen und in den Diamond-League-Rennen von Paris und Brüssel, auch Takele Negatu einen Startplatz hat. Definitiv nicht um die Medaillen kämpft das Frauenteam, ein Trio aus folgenden vier Namen: Mekides Abebe, Lomi Tefera, Zerfe Wondimagegn und Agrie Belachew.
 

Doppelstart für Gebrhiwet und Barega

Einen wahren Medaillenregen darf sich der äthiopische Verband in Doha von den Langstreckenläufern erwarten. Almaz Ayana ist im 10.000m-Lauf Olympiasiegerin und amtierende Weltmeisterin und daher Favoritin, auch wenn sie seit zwei Jahren keinen Wettkampf mehr über diese Distanz gelaufen ist. Mit Letensebet Gidey, Halbmarathon-Weltmeisterin Netsanet Gudeta und Senbere Teferi sind drei weitere Verdächtige auf Spitzenplätze im äthiopischen Aufgebot über 10.000m. Sie hatten bei den Trials die ersten drei Plätze belegt. Gidey startet sowohl über 10.000m, als auch über 5.000m. In beiden Disziplinen ist Tsehay Gemechu die Reserveläuferin. Hawi Feysa und Fantu Worku ergänzen das Aufgebot über 5.000m, das im Kampf um die Top-Drei lediglich in der Außenseiterrolle ist.
Besser sind die Aussichten bei den Männern, wo Äthiopien die bisherige 5.000m-Saison mit Ausnahme des Siegs von Joshua Cheptegei beim Diamond-League-Finale in Zürich, das aufgrund der Brisanz des Kampfs um die Tickets nicht überbewertet werden sollte, dominiert hat. Die Nominierung dieser Disziplin war die mit am meisten Spannung erwartet. Durch den verpassten Diamond-League-Sieg hat Titelverteidiger Muktar Edris einen Fix-Startplatz, obwohl er der schwächste der äthiopischen Elite in diesem Jahr war. Hagos Gebrhiwet und Solomon Barega sind für beide Langdistanzen nominiert. Über 5.000m ergänzt Tilahun Bekele, der schnellste Äthiopier des Jahres, das Aufgebot, Abadi Hadis ist Ersatzläufer. Yomif Kejelcha, der zwei Diamond-League-Rennen über 5.000m gewonnen hat, in Zürich aber nur Sechster wurde und in der Weltjahresbestenliste tatsächlich nur fünftbester Äthiopier ist, ergänzt das starke Trio im 10.000m-Lauf. Mule Wasihun übernimmt die Rolle des Ersatzläufers.
 

Marathonläufe mit Stars

Dass der WM-Marathon für äthiopische Läuferinnen und Läufer aufgrund des Austragungsorts und der fehlenden Startgelder von World Marathon Majors unattraktiv wäre – darauf lässt das äthiopische Aufgebot nicht schließen. Mit Tokio-Marathon-Siegerin Ruti Aga ist eine der stärksten Marathonläuferinnen der Welt nominiert, womit sich ein grandioses Duell der sub-2:19-Läuferinnen gegen die Kenianerin Ruth Chepngetich anbahnt. Mit Roza Dereje, Siegerin des Dubai Marathon 2018, und Shure Demise schickt Äthiopien zwei weitere Medaillenkandidatinnen ins Rennen.
Bei den Männern ist der zweifache Boston-Marathon-Champion und amtierender Sieger des New York Marathon, Lelisa Desisa der erste große Name. Der 29-Jährige gewann vor sechs Jahren beim WM-Marathon von Moskau die Silbermedaille. Der zweite große Name ist Mosinet Geremew, äthiopischer Rekordhalter und zweitschnellster Marathonläufer aller Zeiten. Mule Wasihun und Shura Kitata ergänzen das Aufgebot, aus dem allerdings nur drei Läufer den Marathon wirklich bestreiten werden. Interessant: Sowohl Desisa als auch Kitata werden vier Wochen nach dem WM-Marathon den New York City Marathon bestreiten. Das hat der Veranstalter des Klassikers am Big Apple zumindest angekündigt und dass ein potentieller WM-Start mit der vertraglichen Vereinbarung mit dem New York City Marathon harmoniert, wäre eine kleine Überraschung.