Afrikaspiele 2019: Kenia und Äthiopien dominieren Laufbewerbe

© RunAustria

© RunAustria
6.500 Sportlerinnen und Sportler aus 54 Nationen bespielten in den letzten beiden August-Wochen in 26 verschiedenen Sportarten die Bühne der Afrikaspiele in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, das kurzfristig als Ersatzort für den ursprünglich geplanten Austragungsort Malabo in Äquatorialguinea eingesprungen ist. Das größte Sportereignis Afrikas, das im Vier-Jahres-Rhythmus stattfindet, sollte laut OK-Chef Abdellatif Obad sich als „regionale Spiele auf der Bühne des Weltsports positionieren“. Nur – so wirklich beachtet hat die internationale Sportöffentlichkeit die 12. Auflage der Afrikaspiele nicht. Zumindest nicht außerhalb Afrikas. Aber auch innerhalb – das kenianische Fernsehen stand nach der Vergabe der Übertragungsrechte mit leeren Händen da. Die Leichtathletik-Wettkämpfe waren in einem der führenden Leichtathletik-Länder der Welt für das breite Publikum nicht fassbar.
 

Großteil der Stars glänzte mit Abwesenheit

Tatsächlich schleppen die Afrikaspiele ein Hauptproblem mit sich, das sie mit verbrüderten Kontinental-Spielen teilen. Selbst in der afrikanischen Paradesportart, der Leichtathletik, ließ der überwiegende Großteil der Stars die Afrikaspiele aus und konzentrierte sich unterdessen auf die finalen Meetings der Diamond League und die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften von Doha, die eine deutlich höhere Bedeutung haben. Nur einige marokkanischen Stars bildeten die Ausnahme, sie feierten schließlich ein Heimspiel. Dass die Qualität der Lauf-Bewerbe dennoch ganz ordentlich war, zeigt ein weiteres Mal, dass die zweite Reihe der Läuferinnen und Läufer in Kenia und Äthiopien – also jene, die keine Diamond-League-Startplätze erhalten und nicht für einen der drei Startplätze für die WM in Frage kommen – voller Talent steckt. In der quantitativen Besetzung gab es insbesondere auf den Langdistanzen der Frauen abseits der Trios aus Kenia und Äthiopien massive Besetzungsprobleme. Auch das ist keine neue Erkenntnis.
 

Kenia und Äthiopien dominieren

Sportlicher Höhepunkt der Laufbewerbe war sicherlich der 3.000m-Hindernislauf der Männer, in dem Lokalmatador Soufiane El Bakkali als klarer Favorit lediglich Dritter wurde und Benjamin Kigen aus Kenia sowie Getnet Wale aus Äthiopien den Vortritt lassen musste. Auch diese beiden gehören der Weltklasse an – es war die einzige Lauf-Entscheidung der Afrikaspiele, bei der realistischerweise vorstellbar ist, dass das WM-Stockerl ähnlich besetzt ist. Für eine Überraschung sorgte Jugend-Weltmeister George Manangoi, der über 1.500m den favorisierten Ayanleh Souleiman aus Dschibuti besiegte. Ein definitives Highlight lieferte Abdessalem Ayouni, der mit einem tunesischen Landesrekord von 1:45,17 Minuten zur Goldmedaille im 800m-Lauf stürmte.
Die spannendste Entscheidung und zugleich größte Überraschung bei den Frauen gab es im 800m-Lauf, wo die bis dato unbekannte Äthiopierin Hirut Mero die hochfavorisierte Lokalmatadorin Rababe Arafi und Halimah Nakaayi aus Uganda hinter sich ließ. Insgesamt dominierten Kenia und Äthiopien die Laufbewerbe und holten 27 der 36 vergebenen Medaillen, davon elf der zwölf goldenen. Gastgeber Marokko holte fünfmal Edelmetall, verpasste aber eine Lauf-Goldmedaille.
 

Medaillenspiegel der zwölf Laufentscheidungen der Afrikaspiele 2019

1. Kenia 6x Gold, 4x Silber, 2x Bronze = 12 Medaillen
2. Äthiopien 5x Gold, 4x Silber, 6 Bronze = 15 Medaillen
3. Tunesien 1x Gold
4. Marokko 2x Silber, 3x Bronze = 5 Medaillen
5. Eritrea 1x Silber
5. Dschibuti 1x Silber
7. Uganda 1x Bronze
 
 
Afrikaspiele 2019